|
| UHH FB Kulturgeschichte und Kulturkunde Institut für Volkskunde/Kulturanthropologie | Suche |
(vokus. volkskundlich-kulturwissenschaftliche schriften. heft 1, 2003. herausgeber: hamburger gesellschaft für volkskunde c/o institut für volkskunde)
Die Werbebranche. Ein Überblick für Studierende, die ein Praktikum suchenTimo Großpietsch
Im Folgenden möchte ich Praktika suchenden Studenten einen Einblick in die Werbewelt geben. Prinzipiell können Studierende der Volkskunde in jeder Abteilung einer Werbeagentur ein Praktikum absolvieren. Doch ist es in einigen Bereichen schwieriger, da spezielle Fachkenntnisse oder Softwareerfahrungen vorausgesetzt werden. Spezielle Kenntnisse sind zum Beispiel im Bereich Grafik und Design in der Kreation einer Agentur
gefordert. Die Praktikanten dort kommen meist von Grafikschulen oder Akademien.
Naheliegend für Studierende der Volkskunde sind die Bereiche Marktforschung oder Text. Durch Ähnlichkeiten in den Forschungsmethoden haben Volkskunde-Studierende bereits Erfahrung mit den auch in der Marktforschung üblichen Methoden wie Interviews oder Feldforschung. Auch das »Texten« läge den meisten Volkskundlern nicht fern. Mit den alltagskulturellen Kompetenzen sind Volkskundler so etwas wie potenzielle Insider, was für die Werbung von großer Bedeutung ist.
Bevor ich das Studium der Medienkultur und Volkskunde an der Universität Hamburg begann, arbeitete ich in der Werbebranche. Alles nahm seinen Anfang mit einem Praktikum in der Marketingabteilung von »MAN Truck and Bus« in Durban, Südafrika. Hier bekam ich einen ersten Einblick in die Welt der Werbung und in die Arbeit von Agenturen, speziell die Kundenseite. Anschließend bekam ich einen Ausbildungsplatz bei der »tow Werbeagentur« in Hamburg und absolvierte dort eine zweijährige Ausbildung zum Werbekaufmann. Zu Beginn meines Studiums arbeitete ich für die »tow Werbeagentur« als »Freier Mitarbeiter« im Neugeschäft. Danach gründete ich mit einem Grafikdesigner ein Design Studio mit dem Namen »Der rote Baron«. Doch ich konnte den Vollzeitjob zeitlich nicht mit dem Studium vereinbaren und bin nun als »Freier Mitarbeiter« bei dieser Agentur tätig.
Werbestandort HamburgVon den 2.500 3.000 deutschen Werbegenturen finden sich viele in der Medienstadt Hamburg. Diese hatte allerdings in den letzten Jahren unter dem Konkurrenzdruck anderer Städte wie etwa Berlin zu leiden. Zusätzlich haben Abwanderungen wie z. B. die des Medienkonzerns »Universal« der Stadt zugesetzt. Große Hamburger Agenturen gründeten Dependancen in Berlin, doch die befürchtete Massenabwanderung stellte sich nicht ein. Hamburg gilt immer noch als Werbehochburg. Der Standort Hamburg ist für Werbeagenturen auch deshalb so interessant, da große Markenhersteller ihren Firmenhauptsitz hier haben und von hier aus ihr Marketing steuern.
Agenturen wie Jung von Matt, Zum goldenen Hirschen, Springer und Jacoby, KNSK, Slagman, Lowe Lintas, Kolle Rebbe oder Darcy haben den Werbestandort Hamburg geprägt. Große Werbenetworks wie Grey aus Düsseldorf, Young & Rubicam aus Frankfurt oder Legas Delany aus London gründeten Filialen in der Stadt.1
Die Rolle der WerbungDie folgende Definition gibt einen Einblick in die Aufgabe und über die Funktion von Werbung im Allgemeinen:
»Die Werbung ist ein Instrument der Kommunikation zwischen einem Unternehmen und seinem Markt bzw. den Marktteilnehmern. Dem Unternehmen dient sie objektiv zur Information der potentiellen Konsumenten über das Angebot. Die Werbung soll dem Anbieter subjektiv aber auch helfen, die Nachfrage nach seinem Leistungsangebot zu schaffen, zu erhalten und zu fördern. Werbung als Instrument der Informationsübermittlung dient schließlich sowohl dem Anbieter als auch dem Verbraucher zur Schaffung von Markttransparenz, d. h. der besseren Überschaubarkeit des Marktes. Die Werbung übernimmt damit als sogenannter Motor der Wirtschaft also auch betriebs- und volkswirtschaftliche Steuerungsfunktionen« 2
Werbung soll im eigentlichen Sinn von Kommunikation eine Verbindung zwischen dem Konsumenten und dem Werbungstreibenden herstellen. Sie soll das Verhalten des Konsumenten lenken und steuern.
Vergegenwärtigt man sich die Werbeflut, die durchschnittlich von den Konsumenten aufgenommen wird, lässt dies den Stellenwert erahnen, den die Werbung in der Wirtschaft einnimmt. Werbung will Produkte und Dienstleistungen in das richtige Licht zu rücken. Der Erfolg eines Produktes hängt also abgesehen von der Qualität und Beschaffenheit auch von der Kommunikation ab. Es gilt, ein kontrolliertes Bild von dem Produkt oder der Dienstleistung in der Öffentlichkeit zu schaffen.
»Sie meinen, frei zu sein in Ihrer Wahl, aber eines Tages werden Sie mein Produkt im Supermarktregal wiedererkennen und Sie werden es kaufen, nur um es zu probieren, glauben Sie mir, ich kenne meinen Job«.3 Wer kennt nicht dieses vom Romanautoren und Ex-Werber Frederic Beigbeder formulierte Gefühl, wenn man im Supermarkt vor einem Regal steht und ein Produkt kaufen will. Sehr häufig entscheidet man sich für ein Produkt, das man kennt, obwohl man es noch nie verwendet hat. Man verbindet Bekanntheit mit Qualität. Selbst wenn man meint, frei zu sein von der Wirksamkeit der Werbung, kann diese im »Unbewussten« weiter wirken. Werbefachleute messen drei für die Vermarktung wichtige Punkte, den so
genannten »Markendreiklang« aus Bekanntheit, Sympathie und Verwendung. Ziel ist es, durch Marktforschung in Erfahrung zu bringen, ob Menschen ein Produkt bekannt ist, ob sie es sympathisch finden und ob sie es verwenden. Es lassen sich so auch bestimmte Ziele festlegen, welche durch eine Werbekampagne erreicht werden sollen.
Aufgaben einer Werbeagentur
»Eine Werbeagentur ist ein Dienstleistungsunternehmen, das gegen Entgelt im Auftrag des Kunden folgende Dienstleistungen ausführt: Werbeberatung, Planung und Konzeption von Werbekampagnen, Entwicklung und Gestaltung von Werbemitteln sowie den Einsatz dieser Werbemittel, d.h. die Werbedurchführung. Der Agenturvertrag ist eine Mischung aus Dienst- und Werkvertrag. Neben der beraterischen Dienstleistung muss die Agentur auch Kampagnen oder einzelne Werbemittel »liefern«.4
Diese Definition ist sehr allgemein gehalten und trifft auf so genannte »Full-Service-Agenturen« zu. Solche Agenturen bieten alle Leistungen an, von der Beratung und Marktforschung bis zur Produktion und Kontrolle. Für den Kunden werden alle Maßnahmen von einer Agentur abgewickelt. Ob diese sich hingegen an Subunternehmer wendet, um Leistungen anzubieten, die sie nicht im eigenen Hause erledigen oder leisten kann, ist Vertragssache. Einige »Full-Service-Agenturen« haben sich auf bestimmte Branchen spezialisiert, z. B. die Pharmaindustrie. Agenturen, die verstärkt Werbung für Investitionsgüter betreiben, nennt man Business-to-Business-Agenturen.5 Es gilt zu berücksichtigen, dass viele Agenturen sich nicht auf eine Branche, sondern auf bestimmte Kommunikationsmaßnahmen oder Methoden spezialisiert haben. So gibt es Eventmarketing-Agenturen, Multimedia-Agenturen, Dialogmarketing-Agenturen, Media-Agenturen oder PR-Agenturen, um nur einige zu nennen. Diese Agenturen sind Spezialisten auf ihrem Gebiet. Folglich gibt es Kunden, die nicht von einer, sondern von mehreren Agenturen betreut werden. Meistens übernimmt dann eine so genannte »Lead-Agentur« die Steuerungsaufgaben.
Die Ideenproduktion stellt für die Agentur eine große Herausforderung dar. Deshalb formulieren Holger Jung und Jean-Remy von Matt, Geschäftsführer der Agentur »Jung von Matt« aus Hamburg, die Aufgabe einer Agentur wie folgt: »Den kreativen Prozess so zu organisieren, dass Raum für inspirierendes Chaos übrig bleibt, aber dennoch zur richtigen Zeit ein brauchbares Ergebnis vorliegt, gehört zu den größten Herausforderungen einer Werbeagentur«.6 Dies lässt vielleicht erahnen, wie es in der täglichen Arbeit in einer großen Agentur zugeht, auf die ich nun genauer eingehen werde.
Aufgabenfelder in einer WerbeagenturIch werde die verschiedenen Arbeitsfelder in ihren Grundzügen darstellen. Da in der Werbung viel mit englischen Fachbegriffen gearbeitet wird, werde ich diese erklären und dann entsprechend nutzen.
Bei einer klassischen Kundenakquisition, also einer Anwerbung von einem potenziellen Neukunden, steht zu Beginn der »Pitch«. »Pitch« bedeutet hier nichts anderes als eine Wettbewerbspräsentation verschiedener Agenturen gegeneinander. Große Unternehmen laden nach genauer Vorauswahl bestimmte Agenturen zu diesem »Pitch« ein. Diese Wettbewerbs-präsentation ist für gewöhnlich gegen ein festgelegtes Entgelt zu entwickeln. Bei kleinen Agenturen oder bei schlechter wirtschaftlicher Lage kann es vorkommen, dass Agenturen ohne Honorar präsentieren. Der Kunde erklärt den Agenturen die Ziele und Aufgaben, welche es zu bearbeiten gilt. Diese Aufgaben können fiktiv oder real sein. Ziel des Kunden ist es, die richtige Werbeagentur für ihre Produkte und Dienstleistungen zu finden. Die schriftliche oder mündliche Formulierung der Aufgaben und zu erreichenden Ziele nennt man »Briefing«. Die Agentur fasst dieses noch einmal schriftlich zusammen, um sicher zu gehen, dass die Aufgabenstellung verstanden wurde, das ist das so genannte »Re-Briefing«. Das Re-Briefing wird von beiden Seiten unterschrieben und gilt als verbindlich. Für Praktikanten ist dieses Hintergrundwissen sinnvoll, da diese Abläufe den Arbeitsablauf in einer Agentur bestimmen. Die am »Pitch« teilnehmenden Agenturen präsentieren ihre Vorschläge und Ideen dann dem Kunden. Der Kunde entscheidet sich danach für eine Agentur oder vergibt Teilaufträge an mehrere. Nach der Auftragsvergabe, häufig je nach Aufgabenstellung auch schon während des »Pitches«, wird Marktforschung, in Form von in Auftrag gegebenen oder eingekauften Studien, betrieben. Die Ergebnisse fließen dann in die Planung der Werbekampagne oder Maßnahmen ein. Die Kampagne wird dem Kunden erneut in Form von Vorschlägen präsentiert. Diese Vorschläge setzen sich aus einem schriftlichen Konzept, einer Kostenaufstellung und der grafischen Gestaltung, also Grafiken und Bildern, bei TV-Werbung auch aus so genannten »Storyboards« zusammen. Dieses ist die in Einzelbildern illustrierte Handlung eines Werbespots.
Die Produktion und Durchführung von Werbung hängt von den verwendeten Medien ab. Diese »Schaltung« von Werbespots bei Fernsehanstalten oder Anzeigen bei Verlagen übernimmt häufig eine Media-Agentur oder Abteilung. Werbespots werden von Filmproduktionen produziert, welche die Agentur häufig mit dem Kunden zusammen auswählt. Anzeigen und Illustrationen werden meistens agenturintern produziert. Für sonstige Werbemittel wird auch auf unterschiedlichste Firmen zurückgegriffen.
Nach der Produktion und Durchführung der Werbemaßnahmen steht die Erfolgskontrolle. Manche Kunden lassen auch schon während der Entwicklungsphase ihre Werbung von Marktforschungsinstituten testen und verwerfen die Ideen wieder, wenn die Ergebnisse nicht gut sind. Es gibt aber auch Agenturen, die bei einigen Kampagnen den Kunden empfehlen, nicht so sehr auf Testergebnisse zu hören. Denn häufig ist Imagewerbung nicht verifizierbar, wie z. B. die Kampagne von »Astra, was dagegen?« zeigte. Die Kampagne bekam im so genannten »Pre-Test« schlechte Werte, die Agentur überzeugte den Kunden, die Kampagne doch zu fahren und sie wurde zum großen Erfolg.
Berufsfelder und Arbeitsweisen in einer WerbeagenturDie Arbeitsstrukturen und Berufsbezeichnungen in Werbeagenturen sind sehr unterschiedlich. Es hängt stark von der Größe einer Agentur ab, ob sie in einzelne Abteilungen gegliedert ist oder ob die einzelnen Personen mit ihren unterschiedlichen Tätigkeiten als Teams zusammenarbeiten, welche für bestimmte Kunden zuständig sind. In dieser Arbeit werde ich von einzelnen Abteilungen ausgehen, da diese Gliederung am häufigsten anzutreffen ist.
Hauptsächlich besteht eine Agentur aus zwei Bereichen. Zum einen ist das der Kontakt und zum anderen die Kreation, wobei die Kreation sich noch einmal in Art (Gestaltung) und Text unterteilt. Je nach Größe der Agentur gibt es noch Abteilungen wie die Marktforschung, die Mediaabteilung, das Art-Buying, die FFF-Abteilung (Film, Funk und Fernsehen) und die Produktion.
Kontakt
Wie das Wort schon sagt, geht es in dieser Abteilung um Kontakt zu Kunden und den unterschiedlichsten Mitarbeitern. Es handelt sich um die kaufmännische Abteilung einer Agentur. Hier sitzen die Kundenberater, die auch Kontakter oder Account-Manager heißen können. Berufsanfänger werden als Junior-Kontakter bezeichnet. »Der Kontakter ist in erster Linie Berater des Kunden und Manager des Werbeetats.«.7 Die Hauptarbeitsgeräte in diesem Beruf sind der Computer und das Telefon. Er holt Angebote ein, schreibt Kostenvoranschläge und stimmt Details mit dem Kunden ab. In der Agentur ist der Kontakter der Vermittler zwischen der Kreation und dem Kunden. Der Kontakter muss sich mit der Branche seines Kunden vertraut machen. Er muss Konkurrenz- und Marktanalysen lesen und auswerten können. Werbeerfolgskontrolle sowie Kalkulation und Abrechnung gehören zu seiner Arbeit. Der Einstieg in einen Job als Kontakter erfolgt häufig über eine Ausbildung zum Werbekaufmann, Kommunikationswirt oder über ein BWL-Studium. Der Einstieg in den Beruf ist immer und mit fast jeder Art von Studium möglich, sofern der Bewerber sich Fachkenntnisse aneignet.
Ein Praktikant im kaufmännischen Bereich einer Agentur erfüllt den Platz einer Assistentenstelle. Ablage und Kopieren gehören zu den Tätigkeiten eines Praktikanten, nur sollten diese Arbeiten einen kleinen Teil des Aufgabenspektrums ausmachen. Zu Beginn sollte ein Praktikant sich mit den Arbeitsweisen der einzelnen Mitarbeiter vertraut machen, um herauszufinden, wo er helfen und etwas lernen kann. Nach einer kurzen Einarbeitungsphase kann ein Praktikant kleine Projekte selber organisieren und planen. Das kann konkret heißen, dass er an Meetings teilnimmt, Kosten einholt, Kostenvoranschläge verfasst, Meetings organisiert, Booklets bindet, Werbeartikel recherchiert, Anzeigenarchive anlegt, Belegexemplare von Werbemitteln bestellt und bei der Terminplanung hilft. Zudem wird er häufig auch für interne Abstimmungen zwischen der Kreation und dem Kontakt eingesetzt. Nach Schneider und Pflaum betreut der Kontaktassistent die technisch-organisatorische Abwicklung eines oder mehrerer Kundenetats unter der Aufsicht eines Kontakters oder Gruppenleiters.8
Kreation
Die »Kreativen« der Werbeagentur sind Grafik-Designer (Kommunikations-Designer), Texter, Art-Directoren (AD) und Creative-Directoren (CD). Diese Berufsbezeichnungen hören sich toll an, beschreiben aber letztendlich nur den hierarchischen Aufbau einer Abteilung. Der Creative Director leitet diese Abteilung. Er ist verantwortlich für die Visualisierung und Verbalisierung der Werbemittel. Der CD ist gleichzeitig für mehrere Kampagnen und Kundenetats verantwortlich. Er ist zudem für die Aufgabenverteilung, den Einsatz und die Zusammenarbeit der Kreativen zuständig. In größeren Agenturen gibt es einen CD für die Gestaltung und einen für Text. Der Art-Director ist dem CD unterstellt. Er ist verantwortlich für bildliche, textliche und typografische Umsetzung der Werbekonzeption.9 Der Texter ist für die Formulierung von Werbebotschaften zuständig.
Häufig gibt es kleine Teams, die aus einem Texter und einem AD oder Grafik-Designer zusammengesetzt sind. Diese entwickeln zusammen Werbemittelvorschläge. Hauptarbeitswerkzeug ist auch hier der Computer. Im Bereich Grafik-Design wurde noch bis vor ca. 10 Jahren viel am Reißbrett entworfen, was heute fast ausschließlich am Computer passiert. Nur noch bei der Ideenfindung und Skizzierung wird gezeichnet und gemalt. Der Weg in den gestalterischen Beruf des Grafik-Designers, welcher zum AD oder zum CD aufsteigen kann, geht meistens über ein Grafik-Design- oder heute auch Kommunikations-Design-Studium an der Fachhochschule oder einer der vielen Privatakademien. Zudem wird die Kenntnis der vielen Grafikprogramme auf dem Computer vorausgesetzt. Aber auch hier ist der Quereinstieg möglich. Der Beruf des Texters, welcher auch CD werden kann, führt etwa über so genannte »Texterschmieden«. Die meisten Texter haben nicht an einer Texterschule gelernt, sondern sind aus anderen Studiengängen oder Berufen in die Werbung gekommen.
Wie auch im Kontakt ist der Praktikant in der Kreation ein Assistent. Ein Praktikant im Text-Bereich wird jedoch schnell zum eigenständigen Texten kommen. Recherche für den gestalterischen wie textlichen Bereich gehören ebenfalls dazu. In der Gestaltung gehören Foto- und Bildrecherche zum Aufgabenbereich. Er wird auch häufig für die Kommunikation zwischen Kreation und Kontakt eingesetzt.
Marktforschung
Nur in großen Werbeagenturen gibt es eine eigene Abteilung für Marktforschung. In kleinen Agenturen sind allenfalls ein bis zwei Mitarbeiter dafür zuständig. Manchmal sind es auch Kontakter mit dem Schwerpunkt Marktforschung. Der Marktforscher ist beratend tätig, hat also Kundenkontakt. Er führt kleine Untersuchungen durch, plant und überwacht Projekte, die an Marktforschungsinstituten in Auftrag gegeben wurden.10
Meistens kommen die Marktforscher aus Marktforschungsinstituten zu den Agenturen oder werden abgeworben.
Als Praktikant in diesem Bereich einer Agentur wären Kenntnisse aus Marktforschungsinstituten optimal. Ein Praktikant wird auch hier dem Marktforscher assistieren und viel im Kontakt mit Marktforschungsinstituten stehen. Das Lesen und Auswerten von Marktforschungsergebnissen gehört auch zu dem Aufgabengebiet eines Praktikanten.
MediaabteilungWie auch bei der Marktforschung haben nur große Agenturen eine Mediaabteilung. In kleinen Agenturen gibt es nur einen Mediaplaner oder die Aufgabe übernimmt der zuständige Kontakter. Bei größeren Schaltungen wird ein externes Institut beauftragt. In diesem Bereich geht es um Mediaforschung. Aufgabe ist es, Lese-, Seh- und Hörverhalten der soziodemographisch bzw. psychologisch bestimmten Zielgruppen herauszufinden.11 Der Mediaplaner ist für die Erstellung von Mediaplänen zuständig, d. h. er entwirft einen Plan, wo und wann Werbemittel wie Anzeigen oder TV-Spots geschaltet, also inseriert oder gesendet werden. Hier arbeitet ein Praktikant dem Mediaplaner zu. Mediaplanungs-Software ist eines der täglichen Werkzeuge. Er kann Mediadaten, d. h. Anzeigenpreislisten und weitere Angaben zu einzelnen Titeln, bei Verlagen anfragen und auswerten.
Art-Buying
Das Art-Buying ist für den Einkauf und die Auswahl von Fotografen, Illustratoren und freien Künstlern zuständig. Es werden viele Vorstellungstermine mit Künstlern und Fotografen in der Agentur getroffen. Im Art-Buying gibt es Karteikarten der einzelnen Künstler mit Arbeitsproben im Stil eines kleinen Archivs. Der Art-Buyer sollte immer bestens informiert sein, was momentan »angesagt« ist und worauf welche Fotografen oder Künstler spezialisiert sind.
Ein Praktikant im Art-Buying darf meistens den Vorstellungsterminen beiwohnen, d. h. er hat verschiedene Meetings am Tag und kann sich viele Fotografen und deren Mappen (Arbeitsproben) anschauen. Er wird Künstler und Bildagenturen anfragen und Preise ermitteln. Das Archiv muss natürlich immer auf dem neuesten Stand sein. Es müssen also Arbeits-proben und Daten ausgetauscht, ergänzt oder gelöscht werden.
FFF-Abteilung
FFF steht für Film, Funk und Fernsehen. Das ist die Abteilung, die sich um die Produktion von Image-, Industrie-, Werbefilmen und Radiowerbespots kümmert. Hier werden die geeigneten Filmproduktionen oder das geeignete Tonstudio ausgewählt. Die Mitarbeiter entwerfen kleine Ideen am Schneidetisch oder Computer. Sie führen Gespräche mit Regisseuren und kümmern sich um die Organisation und den Produktionsablauf. Wie auch im Art-Buying müssen die Mitarbeiter in einer FFF-Abteilung über die Filmbranche informiert sein. Der Fernseher läuft in der FFF recht häufig, da der aktuelle Markt der Werbespotproduktion im Auge behalten und Schaltungskontrolle betrieben werden muss.
Ein Praktikant in dieser Abteilung wird zu Archiv- und Recherchearbeit herangezogen. Fernsehschauen und Radiowerbung hören sollten einem in jedem Fall nicht zu wider sein, da das zu dem täglichen Job gehört. Ein Praktikant darf meistens bei Gesprächen mit Regisseuren dabei sein und bei der Planung und Realisation von Produktionen mitwirken.
ProduktionDie Produktion befasst sich mit der Herstellung von Werbemitteln. Ein Produktioner muss sich mit allen technischen Verfahren, die zur Werbemittelherstellung benötigt werden, gut auskennen. Dies bezieht sich in
erster Linie auf Printprodukte. Der Produktioner arbeitet eng mit den
Druckereien zusammen. Er berät das Kreativteam in produktions-technischen Fragen. Produktioner haben meistens in einer Druckerei Berufserfahrung gesammelt, bevor sie in eine Agentur wechseln. Es gibt auch eine spezielle Fortbildung zum Produktioner. Ein Praktikant in der
Produktion sollte über Grundkenntnisse in Drucktechnik verfügen, um eigenständig arbeiten zu können.
Einige Tipps in Kurzfassung:
- Vorherige DCberlegung, in welchem TE4tigkeitsbereich man arbeiten mF6chte, bevor man sich bewirbt.
- HauptarbeitsgerE4te in diesen Berufen sind Computer und das Telefon.
- Es geht hE4ufig hektisch zu, man muss sich seine Aufgaben also oft selbst erfragen. Fragen, ob man auch noch ein paar Tage in der einen oder anderen Abteilung arbeiten darf, um den DCberblick zu bekommen.
- Gefordert ist TeamfE4higkeit und Freude an der Arbeit mit Menschen.
- Empfohlene Mindestdauer eines Praktikums ist meistens 3 Monate, besser sind aber 6 Monate.
1 http://www.hamburg-economy.de, Hamburgische Gesellschaft für Wirtschaftsförderung, Stand: 21.10.2002.
2 Karl Schneider / Dieter Pflaum: Werbung in Theorie und Praxis. Weiblingen 1997, S. 330.
3 Frederic Beigbeder: Neunundreißigneunzig. Hamburg 2001, S. 17. Die Originalausgabe erschien 2000 unter dem Titel «99 Francs«.
4 Schneider / Pflaum, wie Anm. 2, S. 22.
6 Holger Jung / Jean-Remy von Matt: Momentum. Die Kraft, die Werbung heute braucht. Berlin 2002, S.16.
7 Volker Bartsch / Uta Kubisch / Philipp von Sell: Medien Berufe. Ein Führer zu Aus- und Weiterbildung in Hamburg. Bildungswerk Medien e.V. 2. Auflage. Hamburg 1995, S. 57.
8 Schneider / Pflaum, wie Anm. 2, S. 27.
9 Bartsch / Kubisch / von Sell wie Anm. 7, S. 38.
| Impressum | Letzte Änderung: 08 Mar 08 webmaster |