Logo der Universität Hamburg Institut für Volkskunde/Kulturanthropologie 
  UHH  ›  FB Kulturgeschichte und Kulturkunde  ›  Institut für Volkskunde/Kulturanthropologie   Suche  

(vokus. volkskundlich-kulturwissenschaftliche schriften. heft 1, 2003. herausgeber: hamburger gesellschaft für volkskunde c/o institut für volkskunde)



»Was einem thüchtigen Bauhandwerker zu wissen Noth thut«
Der Wandel des ländlichen Bauens am Beispiel des Landkreises Harburg


Geerd Dahms

Bevor ich zum Hauptthema, dem fundamentalen Einfluss der Baugewerkschulen auf die Bauhandwerker und damit auf die ländliche Baupraxis komme, werde ich Ihnen eine kurze Zusammenfassung meiner Arbeit vortragen. Sie ist ein Ergebnis des ersten Projekts der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) an Deutschen Museen, nämlich dem Freilichtmuseum am Kiekeberg und dem Niedersächsischen Freilichtmuseum - Museumsdorf Cloppenburg.

Bei meiner Forschung wurde ich durch das Erkenntnisinteresse geleitet, die Gründe für den Wandel des ländlichen Bauens herauszuarbeiten, sie zu bewerten und in den sozial- und wirtschaftsgeschichtlichen sowie volkskundlichen Kontext zu stellen. Der Wandel ist in situ fast überall in Norddeutschland augenfällig durch die Ablösung der Fachwerkbauweise durch die Massivbauweise, den sogenannten Backsteinrohbau.

Die zentralen Fragen der vorliegenden Arbeit sind:

Das erste und auch für fast zweieinhalb Jahrzehnte letzte Mal wurde dieses Thema auf einem Volkskundekongress 1977 angesprochen damals durch Josef Schepers. Er sah in diesem Prozess des Wandels des ländlichen Bauens im Ergebnis etwas Fremdes, den Menschen in seiner Identität Bedrohendes.1 Sein Beitrag stand somit noch ganz in der traditionalistischen Sichtweise eines Paul Schultze-Naumburg, dem Protagonisten der Heimatschutzbewegung und ihres architektonischen Ideals, dem Bauen um 1800.2

Erst in den letzten anderthalb Jahrzehnten hat ein Perspektivwechsel in der Hausforschung vornehmlich der volkskundlichen Hausforschung eingesetzt: nämlich eine Hinwendung zum Bauen im 19. und 20. Jahrhundert. Dieser Perspektivwechsel lässt sich insbesondere an den Themen der Tagungen des »Arbeitskreises für Hausforschung« ablesen, findet seine Entsprechung aber gerade auch in der neueren Forschungs- und Vermittlungsarbeit volkskundlicher Museen, wie dem Fränkischen Freilandmuseum in Bad Windsheim, dem Museumsdorf Cloppenburg und dem Freilichtmuseum am Kiekeberg.3

Hervorheben möchte ich in erster Linie die neue Fragestellung nach den Gründen für den fundamentalen Wandel beim ländlichen Bauen.
In meiner Forschungsarbeit habe ich diese drei Haupteinflussfaktoren als Gründe herausgearbeitet und sie einer Untersuchung unterzogen:

  1. Es sind zum einen die staatlichen Einflussnahmen durch Verordnungen, Erlasse, Richtlinien und Gesetze, auch die Einrichtung der meist halbstaatlichen Bauberatungsstellen. Die staatlichen Einflussnahmen funktionierten nicht antizipatorisch oder gar initiierend, sondern lediglich als Reaktion auf neue Entwicklungen, die in erster Linie auf dem Baustoffmarkt und bei der Bauweise auftraten.4 So war z. B. die Polizeiverordnung von 1892, die für den Bereich der Winser Marsch das Verbot von Lehm als Baustoff, die Verwendung von gebrannten Ziegelsteinen im Zementverband und die Errichtung neuer Gebäude auf Wurten vorschrieb, eine Reaktion auf die Flutkatastrophe des Jahres 1888.
  2. Als zweiter bedeutender Faktor ist die Einführung neuer, in Massen industriell produzierter und an fast jedem Ort ständig verfügbarer Baustoffe zu nennen. Neue Technologien wie die »Hoffmann`schen Ring-öfen«, mit denen die Ziegelproduktion etwa um das zwanzigfache erhöht werden konnte, ermöglichten diese Entwicklung, nicht nur im Landkreis Harburg, seit Ende der 1880er Jahre. Das baustoffproduzierende Gewerbe brachte außerdem Dachziegel, Kalksandsteine, Betonwaren, Teerpappe, Ruberoid (seit 1893) und Zinkblech über die Baustoffhändler oder durch Direktverkauf auf den Markt, also zum Bauhandwerksbetrieb.5 Auch die Tätigkeit der italienischen Terrazzoleger in Norddeutschland konnte ich seit Ende der 1880er Jahre nachweisen und hier einen Vergleich mit den Forschungsergebnissen des Fränkischen Freilandmuseums für den süddeutschen Raum vornehmen.
  3. Der dritte und bedeutendste Faktor für den Wandel des ländlichen Bauens ist der Bauhandwerker selbst. Ihn versetzte seine Ausbildung auf den seit den 1830er Jahren, aber insbesondere seit den 1870er Jahren zunehmend entstehenden Baugewerkschulen in die Lage, selbstständig moderne Gebäude zu planen und deren Errichtung zu leiten.

Im Folgenden werde ich in erster Linie die Forschungsergebnisse vorstellen, die den Landkreis Harburg betreffen. Aufgrund paralleler Entwicklungen und der weitgehend nivellierten Ausbildung auf den Baugewerkschulen können die Ergebnisse auch als beispielhaft für andere Regionen Norddeutschlands gelten.

Als Grundlage für die getroffenen Schlussfolgerungen dienten zum einen die Ergebnisse der Auswertung von mehr als 7.000 Bauakten aus der Zeit zwischen 1890 und 1930, die im Freilichtmuseum am Kiekeberg archiviert sind. Durch die Auswertung konnte ich nicht nur die Häufigkeit der Verwendung der genannten Baumaterialien und der veränderten Grundrisse, sondern auch alle während dieser Zeit selbstständig tätigen Bauhandwerker nachweisen. Darüber hinaus wurden mehr als 400 Haupt- und Nebengebäude in vier Auswahlorten des Landkreises von außen (Zierelemente) nach innen (Terrazzo, Malereien) inventarisiert und Bewohner und Bauhandwerkerfamilien befragt. Zum anderen konzentrierte sich die Recherche in Staats-, Stadt- und heutigen Fachhochschularchiven auf die Durchsicht von mehr als 45.000 Matrikeln aus 12 ehemaligen Baugewerkschulen aus der Zeit von etwa 1850 bis in die 1920er Jahre. Erfasst wurden so etwa 30% der norddeutschen Baugewerkschüler. Es waren dies die Schulen in Holzminden, Höxter, Hildesheim, Lemgo, Nienburg an der Weser, Hamburg, Buxtehude, Sternberg, Neustrelitz, Lübeck und Eckernförde sowie die Bauschule in Rastede .6 Insgesamt konnten 377 Bauhandwerker aus dem Landkreis Harburg, die zwischen 1853 und 1930 zumindest eine dieser Ausbildungsstätten besucht hatten, nachgewiesen werden. Durch den Vergleich mit den Namen aus den Bauakten wurde die Aufnahme einer selbstständigen Bautätigkeit im Landkreis Harburg bei 90 ehemaligen Baugewerkschülern ermittelt. Die übrigen 287 Bauhandwerker werden bei Bauhandwerksbetrieben oder im Staatsdienst Anstellung gefunden haben bzw. an einem anderen Ort tätig geworden sein. Den 90 ermittelten ehemaligen Schülern konnten 2.345 Bauanträge, und damit 33.7% der vorhandenen Akten, zweifelsfrei zugeordnet werden.

Die tatsächliche Zahl der Baugewerkschulabsolventen unter den Bauhandwerkern und der von ihnen errichteten Gebäude dürfte um ein beträchtliches höher sein, da zum einen nicht alle in Frage kommenden Schulen in Norddeutschland untersucht werden konnten (z. B. Oldenburg, Bremen, Detmold, Lage, Neustadt i. M.). Zum anderen war nicht an allen untersuchten Schulen die Quellenlage so lückenlos wie zum Beispiel in Holzminden und in Nienburg.

So konnten in Sternberg in Mecklenburg nur etwa 30 Schülernamen in den Akten gefunden werden, von denen aber immerhin drei aus dem Stadt- und Landkreis Harburg stammten. Die Baugewerkschule der Freien und Hansestadt Hamburg, eine der größten und ältesten Einrichtungen dieser Art, war als direkter Nachbar des Untersuchungsraumes von besonderem Interesse. Hier befand sich jedoch keine einzige Zensurenliste, kein Aufnahme- oder Abgangsverzeichnis. Lediglich die lückenhaft vorliegenden Jahresberichte enthielten Namen von Absolventen mit ihren Herkunftsorten.

Dies zugrunde gelegt, dürfte die Zahl der Absolventen zumindest doppelt so hoch sein, wie ich beispielhaft nachweisen konnte. Demnach würden die von den Absolventen errichteten Bauten im Landkreis Harburg insgesamt etwa 4.700 umfassen. Also mehr als zwei Drittel aller im Untersuchungszeitraum durchgeführten Baumaßnahmen.

Die übrigen Gebäude wurden von Handwerksmeistern, die keine Baugewerkschule besucht hatten, errichtet, aber auch von so genannten Bauunternehmern, zumeist Maurergesellen ohne Meisterprüfung.7 Dies war nach Einführung der Gewerbefreiheit und Abschaffung der obligatorischen Meisterprüfung seit 1869 möglich, wenn auch umstritten.

Ein Berufsstand fehlt in meiner Aufzählung völlig nämlich der der Architekten. Der Grund dafür ist, dass noch nicht einmal 5% der Bauanträge aus dem Landkreis Harburg aus der Feder von Architekten stammte.8 Ein Ergebnis, das zunächst überraschte, aber nicht ungewöhnlich ist. Darauf lässt auch die Kritik des Bundes deutscher Architekten (BdA) zu Beginn des 20. Jahrhunderts schließen: Demnach waren etwa 90% aller Neubauentwürfe im gesamten Deutschen Reich von Baugewerkschulabsolventen, aber nur 10% von Architekten gefertigt worden.9

Ein Vergleich der Programme und Lehrangebote, sowie sofern in den Archiven vorhanden der Unterrichtsmitschriften, Vorlagenwerke und Bibliotheksverzeichnisse einzelner Schulen, ergab eine weitgehende Übereinstimmung bei den Lehrinhalten. Ein Anliegen, das besonders vehement von Preußen vertreten wurde, das die Abschlüsse von auswärtigen Baugewerkschulen nur dann anerkannte, wenn die dortigen Lehrinhalte den preußischen Vorgaben entsprachen.10 Ich habe dies u. a. an dem Hamburger Beispiel belegen können.

Ein wichtiges, immer wieder betontes Anliegen der Baugewerkschulen war die Wiederbelebung des Ziegelrohbaus. Darüber hinaus vermittelten die Lehrkräfte z. B. in den Fächern »Formenlehre«, »Säulenordnungen«, »Baustillehre« oder »Baukunde« neben der Säulenordnung der Antike ein großes klassisches Formenrepertoire. Aber auch neue Gebäudetypen wie das Kniestockhaus wurden vorgestellt. Gelehrt wurde neben der Statik auch der Umgang mit neuen Baustoffen wie Beton, Dachpappe, Ruberoid und Zinkblech.

Die baulichen Ergebnisse der auf die Ausbildung folgenden Tätigkeit der Baugewerksmeister, also der Zimmerleute und Maurer, sind bis heute ortsbildprägend in vielen Regionen Norddeutschlands. Hartgedeckt mit unverputztem Backsteinmauerwerk, mal mit weniger, mal mit mehr Zier-
elementen versehen, verdrängten sie zunehmend das weichgedeckte Nieder-deutsche Fachhallenhaus in unseren Dörfern.

Die große Verbreitung der durch Baugewerkschulabsolventen errichteten Backsteinrohbauten gerade in der Zeit nach dem durch die Reichsgründung verursachten allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung bis zum Ersten Weltkrieg hat mich veranlasst, vom »Baugewerkschulstil« für diese Gebäude zu sprechen.

Indirekt verantwortlich für diese bauliche Entwicklung der ländlichen Regionen war Conrad Wilhelm Hase. Er war der Begründer der sich an der mittelalterlichen Backsteingotik orientierenden Stilrichtung der »Hannoverschen Schule«.

Der frühere Maurergeselle und ehemalige Architekt bei der Hannoverschen Eisenbahn lehrte 45 Jahre, von 1849 bis 1894, an der »Technischen Hochschule Hannover« unter anderem die Fächer »Entwerfen öffentlicher und privater Gebäude«, »Höhere Baukunst«, »Formenlehre« und »Ornamentik«.11 Hase-Schüler wurden nicht nur leitende Baubeamte oder namhafte Architekten, sie unterrichteten auch als Lehrkräfte an Baugewerkschulen, so z. B. in Eckernförde, Hamburg oder Nienburg.12 Auch an der bedeutenden ersten norddeutschen Baugewerkschule in Holzminden gab es mit dem Lehrerverein »Kunstclubb« in den 1860er Jahren einen Kreis von Hase-Bewunderern, der bestrebt war, die »Hannoversche Schule« zu verbreiten.13

Neben seiner umfassenden Lehrtätigkeit war Hase auch weiterhin als
Architekt tätig. Ein Beispiel seines Schaffens ist u. a. die 1878-80 errichtete Kirche in Tostedt, im Landkreis Harburg. Gerade Kirchen und Bahnhöfe galten oft als Vorbildbauten. Im Stile der »Hannoverschen Schule« ist durch Hase-Schüler beispielsweise auch die Hamburger Speicherstadt
errichtet worden. Über die genannten stilbildenden Fächer an den Baugewerkschulen an die Handwerker vermittelt, ist dieser neugotische Backsteinstil in vereinfachter Form an vielen ländlichen Gebäuden als Baugewerkschulstil ablesbar.

Die seit den 1870er Jahren und verstärkt seit den 1880er und 90er Jahren im Baugewerkschulstil errichteten Gebäude unterschieden sich durch ihre Ziegelrohbaufassade mit Backsteinziersetzungen auffällig von der tradierten Fachwerkbauweise. Gewöhnlich versah sie der Baugewerksmeister mit dem »Deutschen Band« oder dem »Zahnschnitt«, Treppenkonsolen am Ortgang und Segmentbogenstürzen über Fenstern und Türen.

Erst um die Jahrhundertwende wurde dem Baugewerkschulstil eine neue, allerdings recht kurzlebige Variante hinzugefügt. Es handelt sich dabei um historistische Ornamentik aus Betonfertigteilen und aufwändige Portalsäulen aus Gußeisen oder ebenfalls aus Beton. Häufig ist diese Variante an Gebäuden in der Winser Marsch, mit den Schauseiten zur Straße oder zum Deich orientiert, zu finden.

Die zunehmende Verwendung dieser Zierformen, die an den ländlichen Ziegelrohbauten seit Ende der 1890er Jahre angebracht wurden, rief seit der Jahrhundertwende zunehmend Kritiker auf den Plan. Neben den Architekten, die kaum Aufträge auf dem Land bekamen, taten sich insbesondere die Protagonisten der Heimatschutzbewegung, Heinrich Sohnrey und Paul Schultze-Naumburg, hervor. Sie sahen in den Baugewerkschulen die eigentlich Verantwortlichen für die Abkehr von der wie sie es formulierten »nordisch-germanischen Bauart« des Bauernhauses.14 Andere Vertreter der Heimatschutzbewegung bezeichneten die Gebäude der Baugewerksmeister u. a. als »ländlichen Stadthaus-Bastard« oder als »Spottgeburt aus Dreck und Feuer«.15

Durch den wachsenden Druck der einflussreichen Kräfte aus der Heimatschutzbewegung, die bereits 1907 das »Gesetz gegen die Verunstaltung von Ortschaften« initiiert hatten, kam es 1908 zur Reorganisation der deutschen Baugewerkschulen. Die so genannte »heimische Bauweise« stand nun im Vordergrund. Die Fächer Formenlehre, Säulenordnungen und Ornamentzeichnen verschwanden von den Lehrplänen. Der Zeichenunterricht wurde verstärkt und besonderes Augenmerk auf das Aufmessen historischer Fachwerkgebäude gelegt.16 Viele Vorlagenblätter, Zeichnungen und Aufmaße aus den Baugewerkschulen belegen den Wandel des Unterrichts in dieser Zeit.

Auch in situ vollzog sich in der Folge eine Veränderung bei den Neubauten: steilere Ziegeldächer, oft mit Krüppelwalm, niedrigerem Drempel und fast vollständigem Verzicht auf Guss- oder Putzornamentik, bei gleichzeitigem Einsatz von Sichtfachwerk an den Ziegelrohbauten, ergänzen den Baugewerkschulstil. Von einer reinen »Heimatstilarchitektur« kann hier kaum gesprochen werden, da weiterhin die Backsteinziersetzungen an diesen Gebäuden Verwendung fanden. Im gesamten Landkreis Harburg sind lediglich 6.7% der Hauptgebäude dem Heimatstil zuzuschreiben. Trotz dieser Veränderungen wurde nach wie vor, bis zum Ersten Weltkrieg, auch im reinen Ziegelrohbau geplant und gebaut. In den Auswahlorten konnten insgesamt 66.7%, also Zweidrittel der Gebäude, eindeutig dem Baugewerkschulstil zugeschrieben werden.

Nach dem Ersten Weltkrieg konnte nur noch rudimentär an das Bauen der Vorkriegszeit angeknüpft werden. Die Gründe lagen in der
anfänglichen Baumaterialknappheit und der ab 1922 folgenden regen Siedlungsbautätigkeit. Gerade die gemeinnützigen Wohnungs- und Siedlungsbaugesellschaften, wie die »Niedersächsische Heimstätte« in Hannover, nahmen über ihre »Musterentwürfe« erheblichen Einfluss auf die Baugestaltung.17 Das Ergebnis waren einfache, schmucklose Ziegelbauten mit scheitrechten Fenster- und Türstürzen und steiler Ziegelbedachung. Nur noch bis etwa zur Mitte der 1920er Jahre tauchen vereinzelt der Gotik entlehnte Zierelemente wie das Deutsche Band und der Zahnschnitt an Neubauten auf. Der Baugewerkschulstil findet somit sein definitives Ende durch die Siedlungsbauten der 1920er Jahre.

Weder die Protagonisten des »Neuen Bauens« (u. a. Mies van der Rohe, Otto Mendelsohn) noch die Traditionalisten, die sich 1928 in der Gegenbewegung »Der Block« zusammengeschlossen hatten (u. a. Paul Schultze-Naumburg, Paul Schmitthenner), haben den Baugewerkschulstil aufgegriffen. Dennoch bleiben die Bauten im Baugewerkschulstil aufgrund ihrer Vielzahl und großen Verbreitung bis heute ortsbildprägend.

Parallel zu dieser Entwicklung kam es in den 1920er und 1930er Jahren zu Umbenennungen der Baugewerkschulen, z. B. in Bauhochschule, Bautechnische Hochschule oder Höhere Bautechnische Lehranstalt. Durchgesetzt hat sich inzwischen die einheitliche Bezeichnung »Fachhochschule für Architektur und Bauingenieurwesen«.

Seit Mitte der 1990er Jahre können wir bei ländlichen Wohnhausneubauten eine Regression beobachten. Ziegelrohbauten mit Deutschem Band oder Zahnschnitt versehen, haben dem Baugewerkschulstil zu neuen, ungewollten Ehren verholfen.



1 Vgl. Josef Schepers: Entwicklung des Bauens: Überlieferte, literarisierte und verordnete Formen. In: Hermann Bausinger / Elfriede Moser-Rath (Hg.): Direkte Kommunikation und Massenkommunikation. Referate und Diskussionsprotokolle des 20. Deutschen Volkskunde-Kongresses in Weingarten. Tübingen 1977, S. 43-53.

2 Vgl. u.a. Paul Schultze-Naumburg: Kulturarbeiten, Band 3: Dörfer und Kolonien, München o.J. [1904].

3 Vgl. Konrad Bedal (Hg.): Hausbau im 19. Jahrhundert. Jahrbuch für Hausforschung, Band 38. Bericht über die Tagung des Arbeitskreises für Hausforschung in Schwäbisch Hall vom 16.-20. September 1987. Sobernheim/Marburg 1989; G. Ulrich Großmann (Hg.): Ländliches und Kleinstädtisches Wohnen im 20. Jahrhundert. Jahrbuch für Hausforschung, Band 46. Bericht über die Tagung des Arbeitskreises für Hausforschung in Verbindung mit dem Freilichtmuseum am Kiekeberg Kreismuseum des Landkreises Harburg vom 19.-23. Juni 1995. Marburg 1999.

4 Vgl. Geerd Dahms: Staatliche Einflußnahme auf das Bauen. In: Geerd Dahms / Giesela Wiese / Rolf Wiese (Hg): Stein auf Stein. Ländliches Bauen zwischen 1870 und 1930. Rosengarten-Ehestorf 1999, S. 29-36.

5 Vgl. Geerd Dahms, Neue Häuser neue Baustoffe. In: Geerd Dahms / Giesela Wiese / Rolf Wiese (Hg): Stein auf Stein: ländliches Bauen zwischen 1870 und 1930. Rosengarten-Ehestorf 1999, S. 287-314.

6 Die Auswertung der Schülerverzeichnisse der Bauschule Rastede übernahmen Michael Schimek und Karl-Heinz Ziessow vom Museumsdorf Cloppenburg.

7 Freilichtmuseum am Kiekeberg, Bauaktenarchiv, Abfrageergebnisse 1999.

8 Ebd.

9 Vgl. Gustav Grüner: Die Entwicklung der höheren technischen Fachschulen im deutschen Sprachgebiet. Braunschweig 1967, S. 87.

10 Vgl. Martin Girndt: Die Deutschen Bautechnischen Fachschulen und der Mathematische Unterricht. Leipzig/Berlin 1916, S. 26.

11 Vgl. zu Conrad Wilhelm Hase und seinem Wirken: Günther Kokkelink / Monika Lemke-Kokkelink: Baukunst in Norddeutschland. Architektur und Kunsthandwerk der Hannoverschen Schule 1850-1900. Hannover 1998.

12 Ebd. S. 12, 164.

13 G. Hägemann, nach: Auszug der Protokolle des Lehrervereins »Kunstclubb« an der Baugewerkschule zu Holzminden während des Wintersemesters 1866/67, S. 15 f.

14 Schultze-Naumburg, wie Anm.2, S. 133 f.

15 Frings, Ländliche Bauten und Baugewerkschulziele. In: Deutsche Bauhütte, 8. Jahrgang, Nr. 50, 8.12.1904, S. 341-342.

16 Vgl. Gustav Grüner, wie Anm.9, S. 95.

17 Vgl. zum Siedlungsbau: Svenja Zell, Ländlicher Siedlungsbau der Zwanziger Jahre im Landkreis Harburg. In: Geerd Dahms / Giesela Wiese / Rolf Wiese (Hg): Stein auf Stein: ländliches Bauen zwischen 1870 und 1930. Rosengarten-Ehestorf 1999. S. 367-379.

  Impressum Letzte Änderung: 08 Mar 08 webmaster Seitenanfang