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(vokus. volkskundlich-kulturwissenschaftliche schriften. heft 1, 2003. herausgeber: hamburger gesellschaft für volkskunde c/o institut für volkskunde)
Bücher-Frühling
Brigitta Schmidt Lauber: Gemütlichkeit. Eine kulturwissenschaftliche Annäherung. Campus, Frankfurt a.M. 2003, 250 Seiten, Euro 24.90, ISBN: 3593373637
Gemütlichkeit gilt weithin als Synonym deutschen Spießertums. Doch das Thema erschöpft sich mitnichten in den damit angesprochenen Zuschreibungen und Klischees auf einen spezifischen ästhetischen Stil. Der Begriff ist vielfältig besetzt und auf den ersten Blick scheint jeder eigene Vorstellungen davon zu haben, was gemütlich sei. Dieser Bedeutungsvielfalt des Begriffs und der Vielfalt an »Gemütlichkeitspraxen« widmet sich die Untersuchung. Dem Phänomen wird dabei mit den empirischen Methoden der Alltagskulturforschung nachgespürt: Die Entstehungs- und Begriffsgeschichte des bürgerlichen Kulturmusters bis hin zu seiner Verdichtung im Bild der »deutschen Gemütlichkeit« werden geklärt, vor allem aber werden die subjektiven Vorstellungen und Erfahrungen, was unterschiedliche Personen gemütlich finden, analysiert. Alltagssprachliche Redewendungen und Bedeutungen des Begriffs sowie soziale, materielle und mentale Facetten der Gemütlichkeit kommen zum Vorschein. Die so erkennbaren Bedeutungszuschreibungen des Begriffs führen zu einer näheren Definition des Phänomens und leiten über zu allgemeinen kulturtheoretischen und methodologischen Fragen. Denn Gemütlichkeit ist ein ideales, aber auch gewagtes Thema für die volkskundliche Forschung, weil es ein Alltagsphänomen par excellence ist. Es ist prädestiniert für die Alltagskulturwissenschaft, da es kulturelle Grundierungen erkennen lässt. Zugleich wirft das Forschungsfeld ungeahnte Probleme auf und führt allgemein Grenzen vor Augen, wenn es um das Erkennen des Selbstverständlichen geht. Aus dieser übergeordneten Sicht auf Gemütlichkeit als Beispiel für die Chancen und Schwierigkeiten des Alltäglichen als Untersuchungsfeld bietet die Studie Impulse für die kulturwissenschaftliche Forschung: Somit ist es ein zentrales Anliegen der Arbeit, geläufige Begriffe und Verfahren des empirischen Zugangs zur Alltagserfahrung zu befragen und zu überprüfen. Der zentrale Stellenwert etwa, den das narrative Interview in der Volkskunde/Euro-päischen Ethnologie einnimmt, lässt eine Verkürzung erkennen, denn nicht alle Erfahrungsbereiche formen sich in Geschichten und werden in diesen erkennbar. Im Ergebnis legt der Begriff Gemütlichkeit ein Überdenken des Kulturbegriffs und der empirischen Verfahren des Fachs an.
Gerrit Herlyn, Thomas Overdick (Hg.): Kassettengeschichten. Von Menschen und ihren Mixtapes. (=Studien zur Alltagskulturforschung, Bd. 3), Lit-Verlag, Münster 2003, 104 S., Euro 10.90, ISBN 3-8258-6932-6
»KassettenGeschichten. Von Menschen und ihren Mixtapes« ist die Begleitpublikation zur gleichnamigen Ausstellung in den Museen für Kommunikation in Hamburg und Frankfurt. Unter der Leitung von Gerrit Herlyn und Thomas Overdick haben Studierende des Instituts für Volkskunde der Universität Hamburg sich mit dem kulturellen Phänomen der bespielten und individuell gestalteten Musikkassetten beschäftigt. Diese sind Zeugnisse der kreativen Auseinandersetzung mit dem medialen und popkulturellen Alltag. Kulturwissenschaftlich betrachtet werden diese ideale Medien der Selbstdarstellung zu wichtigen Erinnerungsobjekten, die im Kommunikationsprozess eingesetzt werden.
Aus dem Inhalt:
Gerrit Herlyn / Thomas Overdick: KassettenGeschichten. Von Menschen und ihren Mixtapes
Caroline Kikisch: »Jetzt nehmen wir, glaube ich, schon auf... Die Interviewsituationen
Ove Sutter: Repeat. Zur Transkription der Interviews
Julia Grösch // Andrea Rützel: »Mach mir ein Mixtape!« Das kleine Einmaleins der Kassettenproduktionen
Helle Meister / Silke Menzel / Ina Orbitz: Kassetten als Erinnerungsobjekte
Armin Peiseler / Jörn Radzuweit / Alexander Tsitsigias: »My Favourite Chords« Mixtapes und Musikgeschmack
Rolf Hasbargen / Andrea Krämer: »Eine der schönsten Kommunikationsofferten, die man nutzen kann.« Mixtapes im Kommunikationsprozess
Katrin Hesse / Laura Tiemann: »Girls will be boys and boys will be girls. It´s a mixed up muddled up shook up world.« Geschlechterperspektiven auf den Umgang mit Mixtapes
Hilde Außerlechner / Vanessa Kossen / Birgit Staack: »Das doppelte Archiv« Mixtapes als Thema der Popliteratur
Brigitta Schmidt-Lauber (Hg.): FC St. Pauli. Zur Ethnographie eines Vereins. (=Studien zur Alltagskulturforschung, Bd. 4), Lit-Verlag, Münster 2003, 184 S., Euro 9.90, ISBN 3-8258-7006-5
Kultur(wissenschaft) trifft auf Kult(-Klub).
Ein Jahr lang von Sommersemester 2002 bis Wintersemester 2003/2003 untersuchten Studierende des Instituts für Volkskunde der Universität Hamburg den Hamburger Fußballverein FC St. Pauli. Es war eine der bewegendsten Phasen der Vereinsgeschichte: Dem sensationellen Bundesliga-Aufstieg 2001 folgten zwei Abstiege nacheinander. Nach 17 Jahren
befindet sich der Stadtteilklub nun zum ersten Mal seit der Entstehung des Mythos FC St. Pauli Ende der 1980er Jahre nicht mehr im Profifußball. Der bundesweiten Beliebtheit des Vereins scheint dies allerdings keinen Abbruch getan zu haben. Was fasziniert Menschen am FC St. Pauli? Wieso halten sie dem »Underdog« die Treue? In diesem Buch kommen vor allem Fans selbst zur Sprache. Es werden geläufige Klischees hinterfragt und
Einblicke in die Wirkmacht des FC St. Pauli gegeben.
Aus dem Inhalt:
Brigitta Schmidt-Lauber: Der FC St. Pauli als kulturelles Ereignis. Zur Ethnographie eines Vereins;
Fankultur:
Daniel Bröckerhoff: Faszination FC St. Pauli
Tom Mathar: Mythos »politischer Fan«
Andreas Binroth: Der »wahre« Fan
Phillip Falk: Ultramanie
Laurence Heesch und Andrea Rützel: Will they (n)ever walk alone? Die Fans des FC St. Pauli im AbstiegskampfSt. Pauli FC St. Pauli: Zum
Stadtteilbezug des Vereins:
Tom Mathar: Zur »Heimat« des FC St. Pauli: Die Geschichte des Stadtteils
Helle Meister: »Das gefühlte St. Pauli« ein Fan und sein (FC) St. Pauli
Inszenierungen des Images:
Ulrike Schmidt: Die Vermarktung des Underdog-Images
Jürgen Dürr: Der FC St. Pauli in den Medien
| Impressum | Letzte Änderung: 08 Mar 08 webmaster |