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(vokus. volkskundlich-kulturwissenschaftliche schriften. heft 2, 2002. herausgeber: hamburger gesellschaft für volkskunde c/o institut für volkskunde)



Exkursionsbericht Ostfriesland

Laurence Heesch und Andrea Rützel


»Was macht ihr so in den Semesterferien?«
»Ach, wir fahren zwei Wochen nach Ostfriesland auf Exkursion.«
»Aha?! Und was macht ihr da?«

Natürlich hätten wir einfach das im Seminar erarbeitete Programm vorlesen können, aber rein empirisch gesehen, können wir diese Frage erst im Nachhinein angemessen beantworten.

Mit einer Truppe von 20 Mann (na ja, mehr Frau als Mann) ging die Fahrt nach Carolinensiel, das an der Küste, sozusagen direkt hinterm Deich, in Ostfriesland liegt. Dort wohnten wir in der Meeresbiologischen Wattstation der Uni Münster, von der aus wir mit unseren PKWs die täglichen Ausflüge starteten. Begrüßt wurden wir von Dr. Steeger, der, so schien es uns, bisher nur wenige (oder keine?) Geisteswissenschaftler in der Station empfangen hatte. Wie sich mit der Zeit herausstellte, verlief das interdisziplinäre Miteinander problemlos.

Da wir nicht jeden einzelnen Tag chronologisch dokumentieren wollen, geben wir einen Gesamtüberblick über die prägnantesten Unternehmungen und Erfahrungen, die wir auf dieser Exkursion gemacht haben:

So war es die beste Entscheidung, die Exkursion ans Ende der dreisemestrigen Veranstaltung »Landschaft, Kultur und Gesellschaft an der Nordseeküste« unter der Leitung von Dr. Norbert Fischer zu legen. Denn dadurch hatten wir die Gelegenheit, uns von der im Seminar behandelten Theorie vor Ort selbst ein Bild zu machen, wie z.B. während des Inselrundgangs auf Spiekeroog oder beim Besuch des Teemuseums in Leer. Außerdem war es uns so möglich, den Blick auf Details zu richten und so Eindrücke zu erhalten, die einem Touristen möglicherweise verborgen bleiben. So heißt der Ottonormalverbraucher hier Janss(ß/s)en, Krabben sind eigentlich Garnelen und manch' Muschel aus dem Ostfriesen-Shop hat die Nordseeküste noch nie gesehen. Der Vorteil des Forschers im Feld...

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Exkursion waren zahlreiche Museumsbesuche, die uns die Verschiedenartigkeit von Museumstypen- und Konzepten deutlich machten: Angefangen beim Teemuseum in Leer, das aus einer Hobbysammlung zu einer privat geführten, nicht staatlich subventionierten Ausstellung avancierte. Weiter zum Sielhafenmuseum in Carolinensiel, welches sich um den Sielhafen auf drei Häuser verteilt und unter der Leitung des Volkskundlers Manfred Sell steht. Hier wird zum einen die Entwicklungsgeschichte des Deichbaus dokumentiert, zum anderen das alltägliche Leben der Ostfriesen beispielhaft anhand einer nachgestellten Dorfschänke, einer Apotheke und eines gutbürgerlichen Wohnzimmers dargestellt. Sehr außergewöhlich war sicherlich die hoch-technisierte Aufmachung des Nieuw Land Poldermuseums in Lelystad, Holland. Denn auf der dreistöckigen Expositionsfläche konnten wir den Kampf der Niederländer gegen das Wasser mit Hilfe von Ton- und Filmdokumentationen, Computerprogrammen und Multimedia-Shows interaktiv nachvollziehen. Nicht modern, aber dennoch sehr anschaulich war das Zuiderseemuseum in Enkhuizen (ebenfalls Holland). Denn hier unternimmt jeder Besucher einen Streifzug durch die Zeit. Sowohl drinnen als auch im Freilichtmuseum lebt die typische Atmosphäre eines Zuiderzeestädtchens mit mehr als 130 Häusern, Lädchen und Werkstätten, Vierteln und Straßen wieder auf. An dieser Stelle danken wir noch einmal Otto Knottnerus, der uns bereits am Vorabend über die Entstehung des Ijseelmeeres informierte und uns auf unserem Tagesausflug in die Niederlande begleitete.

Da sich diese Museumsbesuche als sehr zeitintensiv erwiesen, war es von großem Vorteil, dass wir 14 Tage unterwegs waren, so dass uns genug Zeit blieb, den Ostfriesen-Alltag in Ruhe mitzuerleben.

Denn dieser bietet ein vielseitiges Angebot der Freizeitgestaltung: einige von uns nutzten die Möglichkeit, mit dem Schiff nach Wangerooge zu fahren, um dort einen Inselrundgang zu unternehmen, die Leuchttürme zu besichtigen oder einfach am Strand die Seele baumeln zu lassen. Ein weiterer Ausflug führte uns nach Dangast ins Radziwill-Haus, in dem wir von der ehemaligen Sekretärin freundlich empfangen wurden. Durch sie erhielten wir nicht nur Informationen zu seinen Werken, sondern sie erzählte uns vor allem Geschichten über die private Seite des Malers.

Frei nach dem Motto »Eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt, die ist schön«, nahmen einige Interessierte die Chance wahr, die dreistündige Überfahrt mit der Fähre nach Helgoland anzutreten. Dort bot sich die Gelegenheit, die Insel einmal aus der Vogelperspektive zu betrachten: von der Spitze des Leuchtturms hatten wir einen atemberaubenden Blick, der uns an den im Volksmund bekannten Spruch »Grün ist das Land, weiß ist der Strand, rot ist der Sand. Das sind die Farben von Helgoland« erinnerte.

Desweiteren verbrachten wir einen gruppendynamisch sehr vergnüglichen Abend in der Carolinensieler Dorfkneipe »Rostiger Anker« und sorgten sicherlich in den nächsten Tagen bei den »Gewährsmännern« für Gesprächsstoff. Auch die zeitweilig endlos scheinende Wattwanderung von Harlesiel nach Spiekeroog trug enorm zum Gemeinschaftsgefühl der Teilnehmer bei. Hand in Hand stoisch dem Schlick trotzend und bis unter die Gürtellinie naß, durchquerten wir die unendliche Weite, in der Hoffnung, möglichst schnell das versprochene Sandwatt zu erreichen. Nach vier Stunden war das ersehnte Land in Sicht. Zugegeben, die teilnehmende Beobachtung des Forschers im Feld brachte diesen manchmal an seine Grenzen. Dennoch ließ sich manch Abenteurer davon nicht abschrecken und ward bereits ein paar Tage später zu nächtlicher Stunde im Watt gesehen. Nochmal Dankeschön an unseren Wattführer Frank, der in guten und in schlechten Zeiten bereitwillig mit Rat und Tat zur Stelle war.

Fassen wir also zusammen: die Exkursion war ein voller Erfolg, was nicht zuletzt auf die fachmännische Organisation zurückzuführen ist, die die richtige Melange von festem und flexiblen Programmpunkten traf. So war es für jeden möglich, neben den geplanten Ausflügen auch eigenständig seinen Interessen nachzugehen. In diesem Sinne: herzlichen Dank an den Captain Norbert Fischer von seiner Crew.

Und weil es so schön war, hier nochmal der »Downtwon-Caro Song«:

Wir fuhren nach Downtown Caro,

und hatten die Pest im Ort.
In der Harle, da faulte das Wasser,
und täglich ging einer über Bord.

Refrain
Ahoi, Kameraden, ahoi, ahoi!
Leb wohl, Dr. Steeger, leb wohl, leb wohl!
Ja wenn das Fischer Klavier im Haus ertönt, ja dann
sind die Studenten so still, ja so still;
weil ein jeder nach seinem Hamburg sich sehnt,
was er gern einmal wiedersehen will.

Wir lagen schon 14 Tage,
kein Heimweh uns ergriff.

Der Durst war die größte Plage,
aber Aldi hatten wir im Griff.

Refrain

Louise und Björn waren die ersten,
das Frühstück mit Brötchen war toll.
Abends kamen Anke und Silke,
die sorgten für unser aller Wohl.

Refrain

Die Wattwand`rung war der Hammer,
wir wurden bis auf die Unterhose nass.
Der Priel gab uns das Letzte,
dafür hatten wir in Holland uns'ren Spaß.

Refrain

Die Exkursion hat uns allen gut gefallen,
gelernt ham` wir unglaublich viel.
Wir danken Norbert Fischer
und kommen gern wieder nach Carolinensiel.

Refrain

  Impressum Letzte Änderung: 08 Mar 08 webmaster Seitenanfang