(vokus. volkskundlich-kulturwissenschaftliche
schriften. heft 1, 1/2002. herausgeber: hamburger gesellschaft für volkskunde
c/o institut für volkskunde)
... fast könnte man den Eindruck
bekommen, am Hamburger Institut für Volkskunde werden nur
noch feierliche Anlässe begangen und im VOKUS dokumentiert.
Stand im letzten Heft ein runder Geburtstag im Mittelpunkt, so
gilt unsere rückblickende Freude in diesem Heft einem feierlichen
Abend Mitte Dezember vergangenen Jahres. Aus Anlass der Verleihung
des Titels Professor an Ulrich Bauche und an Rolf Wiese hatten
sich am 14.12.1999 weit über hundert Verwandte und Freunde,
Kollegen und Studierende im Warburg-Haus in der Hamburger Heilwigstraße
eingefunden, um mit den beiden Gefeierten dieses schöne Ereignis
auszukosten. Dabei wurden nicht nur die Geehrten mit mehr als
verdienten Titeln gewürdigt, sondern vor allem die Anwesenden
mit Laudationes und insbesondere mit Vorträgen reich beschenkt.
Wir freuen uns, dass wir diese Abendstunden hier im VOKUS nochmals
lebendig werden lassen können, indem wir die Grußworte
und Reden und die Vorträge nun einer noch größeren
Öffentlichkeit bekannt machen können.
Es war ein gelungener Abend, und dazu haben nicht zuletzt die
Studierenden beigetragen, die sich umsichtig um das leibliche
Wohl aller gekümmert haben - dafür hier nochmals ein
herzliches Dankeschön !
Bereits in dem Beitrag von Ulrich Bauche wird ein Thema aufgegriffen,
das sich - ganz ungeplant - zum Schwerpunktthema des vorliegenden
Heft herausgemausert hat: die Biographieforschung. Neben der Analyse
der Biographien jüdischer Mitglieder der Hamburger Arbeiterbewegung
unter dem Haupttitel »Biographien im Spannungsfeld zwischen
ethnischer und sozialpolitischer Exponiertheit«, werden
biographische Ansätze in Interviews und Feldforschungen,
Briefen und Tagebüchern reflektiert.
Vor allem in dem Artikel von Hans Joachim
Schröder werden der Ansatz, die Methode und die methodologischen
Implikationen der Biographieforschung ins Zentrum gerückt.
Er berichtet zugleich ausführlich über das seit Frühjahr
1999 von der DFG geförderte Projekt »Kultur, Alltag
und Wandel der Technik im Spiegel biographischer Erfahrungen der
Gegenwart«. Von seiten des Technikprojektes wird ebenfalls
ein interdisziplinäres Kolloquium organisiert.
Biographische Fragen stehen sodann auch bei vielen der Seminar-
sowie der Exkursionsberichte im Mittelpunkt, deren Autorinnen
und Autoren hier gar nicht alle aufgezählt werden können:
Da geht es um Feldpostbriefe im Zweiten Weltkrieg, um eine filmisch
umgesetzte biographische Befragung in einem Künstlermilieu,
um autobiographisches Material und Tagebücher aus der Zeit
der Spätaufklärung bis hin zum späten 20. Jahrhundert
und dem Internet, und da geht es um das Klosterleben und die Lebensgeschichten
sowie die Lebensphasen von Nonnen. Da werden schriftliche Quellen
und mündliche vorgestellt, und es wird besonders lebendig
aus dem eigenen Feldforschungsleben berichtet.
Dass auch die volkskundlichen Berufsfelder wieder nicht außen
vor geblieben sind, das zeigt nicht nur der hier abgedruckte Vortrag
von Rolf Wiese über Museumsmanagement: »Braucht Museum
Management ?«, oder der Bericht von Thomas Overdick über
ein Ausstellungsprojekt in Mecklenburg-Vorpommern, sondern das
zeigt anschaulich auch der Bericht von Gabriele Haefs, die aus
ihrer »Berufslebensgeschichte« und von den Klippen
und den Vergnüglichkeiten des Übersetzerinnendaseins
berichtet.
Natürlich fehlen auch diesmal nicht die Berichte von Examenskandiatinnen
- diesmal gratulieren wir nochmals Svenja Zell zur bestandenen
Magisterprüfung -, und ebenso finden sich auch wieder die
vielen kleinen Rubriken, die vor allem nützliche Informationen
über laufende Aktivitäten und deren Termine bieten.
Noch eine letzte Bemerkung im Namen des ganzen Redaktionsteams:
Irgendwann - fanden wir - muss auch in VOKUS die neue Rechtschreibung
Einzug halten. Uns schien das Jahr 2000 hierfür ein guter
Termin. Da aber das nächste Jahrtausend so richtig erst im
kommenden Jahr beginnt, bitten wir aller Leserinnen und Leser,
zu entschuldigen, wenn auch wir uns bei unserem Aufbruch in die
neue Epoche der reformierten Rechtschreibung noch etwas zwischen
den Fronten von alt und neu bewegen. Nicht nur, weil wir nur
eine moderate Modernisierung vorgenommen haben und Zitate wie
bibliographische Angaben »original« stehen lassen,
sondern insbesondere da, wo wir unbewusst dem Alten (fehlerhaft)
verhaftet geblieben sind.
Leonie Koch-Schwarzer