(vokus. volkskundlich-kulturwissenschaftliche
schriften. heft 1, 1/2002. herausgeber: hamburger gesellschaft für volkskunde
c/o institut für volkskunde)
Anne Baumann/
Julia Paul
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Milieustudien -
erste Schritte
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Im Sommersemester 1999 fand das Proseminar »Milieustudien«
unter der Leitung von Prof. Albrecht Lehmann statt. Ziel des Seminars
sollte sein, Studienanfängern die Grundlagen der empirisch-volkskundlichen
Arbeit zu vermitteln. Das Seminar teilte sich in einen Theorie-
und einen Praxisblock auf. So stellten die Texte von Hermann Bausinger:
Zur Spezifik volkskundlicher Arbeit, Carola Lipp: Alltagskulturforschung
im Grenzbereich von Volkskunde, Soziologie und Geschichte, Gerhard
Schulze: Milieusegmentierung in der Bundesrepublik, schließlich
Gisela Welz: Die Straße lebt - einerseits einen ersten Einstieg
in die Volkskunde und ihre Nachbardisziplinen dar, zum anderen
waren die Texte Basis für die nachfolgende Feldforschung
im Praxisblock. Die Aufgabe im Seminar bestand darin, sich eigenständig
in Gruppenarbeit ein Forschungsfeld zu erschließen und dieses
in Hinsicht auf den Milieubegriff zu untersuchen.
Begleitet wurde das Seminar durch wöchentliche Tutoriumssitzungen
- geleitet von Leonie Koch-Schwarzer und Janina Kriszio, in denen
das »Handwerkszeug« zur Feldarbeit in Form von Methodentexten
geliefert wurde. Die verschiedenen Teams suchten sich Forschungsfelder
wie z. B. »Hinz & Kunzt«-Verkäufer, Wehrdienstleistende,
Technoszene, Tischlerhandwerk, Jugendliche in Steilshoop, Dauercamper,
Künstlermilieu1,
Live-Rollenspieler, Familienzirkusse u.a.
Im Seminar wurden die einzelnen Projekte zunächst grob vorgestellt,
während man gleichzeitig mitten in der Feldarbeit steckte.
Probleme und Startschwierigkeiten konnten so im Plenum diskutiert
werden. Ein abschließendes Referat erfolgte dann am Ende
der Semesterferien in einer zweitägigen Blockveranstaltung.
Zu diesen Thementagen waren insbesondere die neuen Studienanfänger
eingeladen, die sich so einen ersten Eindruck von kulturwissenschaftlichen
Forschungsfeldern und Fragestellungen sowie empirischen Herangehensweisen
aneignen konnten.
Das Seminar, so lässt sich rückblickend feststellen,
zeichnete sich besonders durch die Themenvielfalt aus. Allerdings
war es für uns als Erstsemester auch problematisch, dass
die Anleitungen zum methodischen Arbeiten insbesondere innerhalb
des Tutoriums gegeben wurden - denn nicht alle konnten am Tutorium
teilnehmen. Die im ersten, theoretischen Teil des Seminars bearbeiteten
Texte konnten kaum konkrete Hilfestellung bei Problemen in der
empirischen Arbeit geben. Weiterhin machte sich schnell bemerkbar,
dass Studierende verschiedenster Semester am Seminar teilnahmen
und daher kein einheitliches Diskussionsniveau gegeben war. Den
Erstsemestern wurde so die Mitarbeit in dem eigentlich für
Anfänger konzipierten Proseminar erschwert. Defizite konnten
jedoch im Tutorium in ungezwungenerer Atmosphäre ausgeglichen
werden.
Zusammenfassend ist zu sagen, dass trotz anfänglicher Unsicherheiten
und einer recht undurchsichtigen Struktur des Seminars unser Interesse
besonders am empirischen Arbeiten geweckt wurde.
1 Vgl.
den nachfolgenden Bericht über den Film »Heute Nacht
hab ich Wasser gemalt« - Anm. d.Red.