(vokus. volkskundlich-kulturwissenschaftliche
schriften. heft 1, 1/2002. herausgeber: hamburger gesellschaft für volkskunde
c/o institut für volkskunde)
Studierendentreffen in Münster
Vom 3. Juni bis 6. Juni 1999 fand in Münster das diesjährige
Studierendentreffen der DGV statt. Die drei Tage des Treffens
standen unter dem Arbeitsthema »Eßkultur«. Untergebracht
waren wir in einer ehemaligen lettischen Schule, dem »Lettischen
Zentrum«, etwas außerhalb von Münster (Riga ist
die Partnerstadt von Münster). Die insgesamt 19 Teilnehmenden
kamen aus Kiel, Hamburg, Münster, Frankfurt, Mainz und Tübingen.
Der Unkosten-Beitrag von insgesamt hundert Mark wurde uns HamburgerInnen
überraschenderweise vom AStA erstattet. Darin waren der Zimmerpreis
von 33,- DM pro Nacht mit Frühstück enthalten, was uns
beim vorgefundenen Komfort durchaus angemessen erschien. Tagungsort
war in erster Linie das volkskundliche Seminar der Uni Münster
in der Innenstadt, das wir mit Bussen/Taxen oder unseren eigenen
Pkws erreichten. Über das gesamte Wochenende standen uns
hier alle Räumlich keiten, Seminarräume, Bibliothek,
und das gesamte Filmequipment, Tonbandgeräte usw. und eine
sehr kommunikative und gemütliche Küche zur Verfügung.
In dieser Küche wurde auch die reichhaltige Verpflegung,
die von der Münsteraner
Fachschaft organisiert worden war, genüßlich verzehrt.
Nun einiges zum Programm:
Nach der Ankunft am späten Donnerstagnachmittag haben wir
uns bei einem kleinen Imbiß erst gegenseitig kennengelernt
und den Abend in einer gemütlichen, kleinen Kneipe fortgesetzt.
Am Freitag in der Früh` startete sogleich das inhaltliche
Arbeiten mit einer erfrischenden Begrüßung durch die
seminarleitende Professorin Frau Mohrmann. Eine Gruppe, die die
inhaltliche Organisation des Treffens übernommen hatte, bestehend
aus Dörte Anton (Kiel), Marcus Baumgart (Tübingen) und
Frank Penner (Frankfurt/M.) unterbreitete uns einige Anregungen
und Impulse zur möglichen Bearbeitung des Themas. Der Schwerpunkt
hierbei lag auf der dokumentarisch-filmischen Ebene. Zur Einarbeitung
in das Feld wurden kopierte Handbuchtexte zur Nahrungsforschung
verteilt. Daraufhin bildeten wir vier Gruppen, die zu folgenden
Themenschwerpunkten arbeiteten:
- Regionale westfälische Küche/Exotismus in der Küche
- Essen als Freizeitbeschäftigung (Video)
- Methodenerprobung (Tonbandinterviews) auf der Straße
allgemein zum Thema »Essen«
- Bewußtseinsanalyse in Bezug auf Nahrungswahl (Video)
Am Nachmittag waren alle Gruppen mit der Materialerhebung sowie
teilweise mit dem Schneiden des Filmmaterials beschäftigt.
Erschöpft gingen wir am Abend zum gemütlichen Teil des
Tages über. Passend zum Motto des Treffens sahen wir die
schwarze Komödie »Last supper Die Henkersmahlzeit«.
Anschließend widmeten wir uns dem Münsteraner Nachtleben
und seinen kulinarischen Geheimnissen. Den Samstagvormittag verbrachte
man erneut in den Arbeitsgruppen. Der nachmittägliche Stadtrundgang
zur geschichtsträchtigen Braukunst eröffnete uns einen
kulturhistorisch-schmackhaften Blick auf Münster und fand
somit auch seinen Ausklang in der letzten existenten Traditionsbrauerei
»Pinkus«. Der Abend wurde abgerundet durch ein gemeinsames
Essen im China-Restaurant und einer durchtanzten Nacht.
Den Abschluß des Treffens bildete am Sonntagmorgen die Präsentation
der Arbeiten der einzelnen Gruppen.
Im großen und ganzen ist zu sagen, daß die Organisation
des Treffen gut war und wir in kleiner Runde ein nettes Wochenende
verbrachten. Zum Thema »Eßkultur« in vier Tagen
ein präsentatives Ergebnis zu erarbeiten war dabei ein hochgestecktes
Ziel mit einigen Hürden. Wie beim diesjährigen Treffen
deutlich wurde, ist die inhaltliche Vorbereitung immer wieder
eine eher undankbare Aufgabe. Sehr unterschiedliche Erwartungen
der Teilnehmer prallten hier aufeinander. Dabei liegt Verantwortung
für ein gelungenes Treffen bekanntlich nicht nur bei einer
kleinen »Inhaltsgruppe«, sondern auch Eigeninitiave
und Teamgeist der einzelnen Teilnehmer sind gefragt. Neben dem
inhaltlichen Arbeiten zum Thema »Eßkultur« standen
leider der Austausch und die Diskussion über allgemeine Studienfragen
eher im Hintergrund.
Das Studierendentreffen bietet immer eine Gelegenheit zum kommunikativen
Austausch der Volkskunde/E.E./...-Studenten untereinander und
darum ist es eigentlich schade, daß so wenige diese Chance
genutzt haben. Wir würden uns wünschen, daß im
nächsten Jahr auch ein paar neue Gesichter auftauchten. Hier
geknüpfte Kontake könnten positiv dazu beitragen, die
Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Instituten zu verbessern.
Wo das Treffen im nächsten Jahr stattfindet, ist allerdings
noch nicht klar. Wäre nach den vergangenen Treffen in Kiel
und Münster nicht eine »Reise in den Süden«
begrüßenswert ?!
Jana Drewes / Janina Kriszio