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Die Wahrnehmung des Waldes im Wandel

Klaus Schriewer


Die freie Landschaft zählt zu den bevorzugten Orten der Freizeit.1 In unserer technisierten und schnellebigen Welt empfinden viele Menschen das Bedürfnis, dem Alltag nach getaner Arbeit in der »Natur« zu entfliehen. Der gelegentliche Spaziergang wird von vielen als probates Mittel erachtet, Ruhe und Erholung zu finden. Besonders an den Wochenenden strömen die Menschen aus den Zentren in das Umland und suchen dort Entspannung. Außer diesen Gelegenheitsbesuchern der freien Landschaft geht ein beachtenswerter Teil der bundesdeutschen Bevölkerung Aktivitäten nach, in denen »Natur« eine besondere Bedeutung zukommt. Joggen, Wandern, Imkerei, Jagd oder das Engagement im Naturschutz sind ausgesprochene Naturhobbies.

Für diese vielfältigen Unternehmungen bildet die Landschaft sowohl Handlungsort und -gegenstand als auch Kulisse. Ihre vielgestaltigen Erscheinungsformen werden dabei auf unterschiedliche Weise erlebt. Die Landschaftstypen, die Jahreszeiten und Witterungen, die Waldformationen, Wiesen und Felder wirken auf unser Gemüt. Landschaft darf zu Recht zu den grundlegenden Voraussetzungen unseres Alltagslebens gezählt werden. Trotzdem wissen wir noch immer wenig über das individuelle Erleben der Landschaft.2

Auch in der Volkskunde wurde dieser Frage bislang nicht konsequent nachgegangen, obwohl schon Wilhelm Heinrich Riehl in seiner Studie »Das landschaftliche Auge« vorgeführt hat, wie sich der Blick auf die Landschaft historisch verändert.3

Neuere Forschungen über die Wahrnehmung von Gebirge und Meer zeigen aber ein wachsendes Interesse.4

Das Erleben von Landschaft ist ein Aspekt der übergeordneten Frage nach dem Verhältnis des Menschen zur Natur. Im Forschungsprojekt »Lebensstichwort Wald«, das vor etwa drei Jahren am Hamburger Institut für Volkskunde startete und nun zum Jahresende 1998 beendet wird, geht ein kleines Forscher(innen)team5

unter der Leitung von Albrecht Lehmann dieser Frage am empirischen Beispiel des Waldes nach. Ziel ist es, die kulturelle Bedeutung des Waldes in unserem Kulturkreis aus den volkskundlichen Fachtraditionen zu erforschen. Den Bezugspunkt unserer Arbeit bilden gegenwärtige Phänomene, die wir aus der Geschichte heraus und mit besonderem Blick auf Wandlungen des Bewußtseins erklären wollen. Albrecht Lehmann, von dem Anfang 1999 eine Monographie zum Thema erscheint, hat »Traditionsmuster und -linien im Bewußtsein unserer Zeitgenossen«6

erforscht: zum Beispiel die lebensgeschichtliche Bedeutung des Waldes, historische und moderne Waldsagen (Hakenkreuzwälder, Mord- und Grenzwälder), die politische Symbolik des Waldes, das moderne und vormoderne Waldbewußtsein, die Waldästhetik und das Landschaftserlebnis. Helga Stachow widmet sich in ihrem Dissertationsprojekt der kulturellen Bedeutung der einzelnen Bäume und das besonders im städtischen Umfeld. Meinen Forschungsschwerpunkt wiederum bilden die praktischen Umgangsweisen mit Wald sowie das Natur- und Waldbewußtsein der Waldbesucher. Dabei folge ich der These, daß intensive Waldnutzer wie Jäger, Waldbesitzer, Imker, Naturbeobachter oder passionierte Wanderer sich durch jeweils grundlegend verschiedenartige Umgangsweisen und Bewußtseinsformen voneinander unterscheiden.7

Darüber hinaus scheinen einige Muster des Walderlebens weit verbreitet zu sein, die gelegentlichen wie intensiven Waldbesuchern geläufig sind, keine besonderen Kenntnisse voraussetzen und folglich in unserer Gesellschaft zum kulturellen Allgemeingut zählen dürften. Die Überlegungen zum Landschaftserlebnis, die ich im folgenden vorstellen möchte, betreffen diese weit verbreiteten Aspekte des Waldbewußtseins.

Die Frage nach dem Landschaftserleben erfordert, den realen Wald zu betrachten und den Wald in unseren Köpfen, wie Hans Magnus Enzensberger es formulierte.8

Den Ausgangspunkt unserer Wahrnehmungen bildet die reale Landschaft, aber wie wir sie empfinden, welche Anmutungen sie hervorruft, welche Bereiche wir beachten, ist kulturell geprägt und unterliegt ebenso wie die Landschaft selbst dem Wandel.

Als Quelle nutze ich Erläuterungen von Waldbildern und Erlebnisberichte über Waldbesuche, die sich in den etwa 50 Interviews finden, die wir seit 1995 im Rahmen des Projekts mit Spaziergängern und Gelegenheits-Wanderern geführt haben. Daß ich gerade diese Gruppe der Waldbesucher ausgewählt habe, hat zwei Gründe: Zum einen scheint mir der Spaziergang am Feierabend oder am Wochenende und das Wandern unter den vielen Waldaktivitäten am meisten verbreitet zu sein. Allein die Wandervereine zählen etwa 600.000 Mitglieder; viele Wanderer aber halten eine verbandliche Organisation für überflüssig. Zum anderen handelt gerade das Erlebnis der gelegentlichen Besuche von Vorstellungen, die elementar und manchmal gar banal wirken. Beim Spaziergang werden keine besonderen naturkundlichen oder lokalen Kenntnisse vorausgesetzt, wie das in anderen Aktivitäten der Fall ist. Unter Spaziergängern zeichnen sich die Vorstellungen am deutlichsten ab, die für das Erleben des Waldes in weiten Teilen der Bevölkerung typisch sein dürften.

In den Interviews, die im Rahmen des Forschungsprojektes mit Waldbesuchern geführt wurden, schildern viele Spaziergänger und Wanderer die Wälder Mitteleuropas auf sehr ähnliche Weise. Charakteristisch ist eine Beschreibung, die von einer 30jährigen Frau stammt: »Es gab im Wald bei meinen Großeltern«, so sagt sie, »irgendwo so eine kleine Stelle Fichtenwald. Das war für mich immer der Rotkäppchenwald, weil er so dicht war und nichts drunter wuchs. Dieser Wald war für mich das Gegenstück zu den schönen Buchenwäldern, also zu den richtig großen, schönen Wäldern. Ja, der Buchenwald ist für mich dann eben auch der Wald mit Anemonen im Frühjahr und mit Pilzen im Herbst.«9

Wald wird als düster und dicht oder groß und schön erfahren, aber immer auch als Natur. Wald gilt uns wie selbstverständlich als Natur, weit mehr als Feld und Flur. Viele Menschen sehen in ihm sogar das letzte Stück Natur in unserer durchgestalteten Kulturlandschaft. Diese Auffassung prägt unser alltägliches Verständnis vom Wald. Gerade solche vermeintlichen Selbstverständlichkeiten aber lassen aufhorchen.

In Teil eins meiner Ausführungen werde ich beschreiben, wie viele der gelegentlichen Waldbesucher den Wald wahrnehmen und erleben. Dabei unterscheide ich zwischen dem Erleben von Buchenwäldern und dem Erleben von Fichtenwäldern. Mit jeder dieser Waldformationen verbindet sich ein spezifisches Naturbild. In Teil zwei werde ich diese Wahrnehmungen in Kontrast setzen zum Vorgehen der Forstwirtschaft, dem eine vollkommen andere Naturauffassung zugrunde liegt. In der Forstwirtschaft vollzieht sich gegenwärtig ein radikaler Wandel, der zum sogenannten »naturnahen« Waldbau führt und gänzlich neue Waldformationen hervorbringt. Im dritten Teil meiner Ausführungen werde ich erläutern, welche Irritationen der gewohnten Wahrnehmung und welches neue Naturverständnis mit diesem Wandel verbunden sind.

Die Wahrnehmung des Waldes

Ähnlich wie die zitierte 35jährige Frau, unterscheiden Spaziergänger häufig zwischen Fichten- und Buchenwäldern und synonym zwischen Nadel- und Laubwäldern. Mit diesen beiden Waldtypen verbinden sich verschiedene Erlebnisformen.

Buchenwälder rufen durchgängig positive Konnotationen hervor. Häufig äußert sich das in der schlichten Formulierung vom schönen Wald, seinen Blättern und dem Spiel von Licht und Schatten. Eine besondere Bedeutung für das Erlebnis im Buchenwald kommt dem jahreszeitlichen Wechsel zu. Im Frühling wird das Erwachen der Natur am zarten, hellgrünen Laub festgemacht. Dieser Jahreszeit kommt für das Erleben der Natur eine besondere Bedeutung zu, und es wird fast ausschließlich mit den Buchenwäldern assoziiert. Eine typische Aussage einer 55-jährigen Frau: »Im Frühling ist ein Buchenwald für mich unübertroffen schön mit den Buschwindröschen und dem Aronstab und dann diese hohen Säulen und das Grün, das ist traumhaft schön.«10

Im Sommer wird die angenehme Kühle des Laubwaldes hervorgehoben. Der Herbst wiederum wird mit der Farbenpracht der fallenden Blätter und mit Augenblicken in Verbindung gebracht, in denen es der Sonne womöglich gelingt, die Nebelschwaden mit letzter Kraft zu verdrängen. Und selbst im Winter scheint der Buchenwald mit seiner unwirtlichen Ausstrahlung einen Reiz zu besitzen.

Wenn diese kulturellen Bilder, die in unserem Material häufig auftauchen, romantische und erhabene Gefühle eines Naturerlebnisses auslösen, so entspricht das dem verbreiteten Erleben von Laubwäldern. Diese positive Bewertung drückt sich im Topos, der ältere Buchenwälder und gotische Dome miteinander vergleicht; ein Topos, der übrigens schon im Mittelalter geläufig war. Mit diesem Bild umschreiben Waldbesucher gerne die besonderen, die andächtigen Empfindungen, die sie verspüren, wenn sie solche Wälder durchschreiten. Eine Interviewpassage mit einem 60-jährigen Mann mag das illustrieren: »Die hohen Buchen wenn die richtig grün sind und das Blätterdach da drüber ist, das erinnert mich also tatsächlich an einen Dom. Der Dom im Wald. Das ist tatsächlich so.« Und emphatisch fährt er fort: »Ist das nicht etwas Wuchtiges, diese gigantischen Säulen, diese hohen Buchen. Das ist doch einfach traumhaft.«11

Ältere Buchen wirken durch ihre imposante Erscheinung und durch ihr Alter so, als seien sie unabhängig vom menschlichen Gestaltungseifer gewachsen. In Laubwäldern erkennen Spaziergänger und Wanderer keine strengen geometrischen Formen und keine anderen Spuren menschlicher Bearbeitung. Das Laub, der ungleichmäßige Wuchs der Bäume und der jahreszeitliche Wechsel unterstreichen die Natürlichkeit.

Das kulturelle Muster im Erleben von Buchenwäldern besteht darin, sie aufgrund der ästhetischen Reize auch im biologischen Sinne als unversehrt zu begreifen. Mit Buchenwäldern verbindet sich die Vorstellung von einer intakten Natur.

Es erscheint nur folgerichtig, daß das sogenannte Waldsterben nicht an dieser intakten Natur festgemacht wird, auch wenn die jährlichen Waldzustandsberichte der Bundesregierung die Schädigung der Buchen aufführen. Die Einschätzung der schon zitierten 55jährigen Frau mag das illustrieren: »Alte Fichtenwälder sehe ich häufig als krank, da sieht man die hohen kahlen Stämme und wo die Bäume kaum noch Nadeln haben. Aber wenn ich durch einen schönen Buchenwald gehe, da muß ich mir richtig sagen: »Und das soll alles nicht mehr richtig gesund sein?« Das ist also so was von schön und üppig und einfach wunderbar, daß ich mir überhaupt nicht vorstellen kann, daß der Wald krank sein soll.«12

In unserer stark gestalteten Landschaft scheinen die Buchenreinbestände das Bedürfnis vieler Menschen nach einem Naturerlebnis zu stillen. In der Kulturlandschaft entspricht der Buchenwald der Vorstellung von intakter Natur.

Gänzlich anders verhält es sich mit Fichtenwäldern. Wie stark sie das Walderlebnis prägen, zeigt sich daran, daß einige Landschaften im Bewußtsein untrennbar mit Fichten oder anderen Nadelbäumen verbunden sind, wie namentlich der Harz oder der Schwarzwald. Hier und auch andernorts gelten die Fichtenwälder den Besuchern als Inbegriff des Düsteren. Sie schrecken Spaziergänger ab, wirken abweisend und undurchdringlich. Diese Anmutung dürfte vor allem im 19. Jahrhundert verbreitet gewesen sein, wie es die Stimmung der berühmten Landschaftsbilder von Caspar David Friedrich nahelegen.13

Der düstere und wenig einladende Charakter der Fichtenwälder zeigt sich unter anderem in Erzählungen über das Verirren. Sie spielen fast ausnahmslos in dieser Waldkulisse. Wie selbstverständlich erscheint es uns, wenn Geschichten vom Verirren im Nadelwald spielen, womöglich bei Schneefall, der alle Geräusche dämpft und eine bühnenhafte, immer gleich erscheinende Szenerie hervorruft. Ähnliches gilt für Überlegungen zur Angst, die häufig im Fichtenwald angesiedelt werden. So berichtet ein etwa 50-jähriger Hamburger: »Wenn ich den Wald betrete, ist Vorsicht geboten. Jetzt bewege ich mich in einen anderen Bereich hinein, es wird dunkler. Es kommt mir mitunter vor, als wenn sich da plötzlich vor mir eine große Wand auftut, aber das insbesondere bei einem dunklen Wald, also beim Nadelwald. Beim Laubwald natürlich auch, aber nicht so kraß, da sind die Unterschiede nicht so groß. Da bewege ich mich einfach leichter hinein«.14

Ein nur scheinbar gegenläufiges Wahrnehmungsmuster zeigt sich, wenn Fichtenwälder zu verwunschenen Arealen gerieren. Hier wird dem Düsteren etwas Geheimnisvolles zugesprochen, etwas Verzaubertes. Bei solchen Anmutungen stützen sich unsere Gesprächspartner in besonderem Maße auf Erinnerungsbilder, die ihnen aus der frühen Kindheit im Gedächtnis haften blieben. So berichtet ein etwa 30jähriger Mann aus dem Ruhrgebiet über einen Weihnachtsbrauch in seiner Familie: »Mit eine meiner ersten Erinnerungen ist, daß Vater irgendwo, in einer ganz dunklen Ecke, also wirklich im Nadelwald, Wunderkerzen aufgehängt und die dann angezündet hat. Und als wir dann dahin kamen und die Wunderkerzen im Wald sahen, das war eines der spannendsten Bilder, wo es im schönen dunklen Wald überall blitzte, an vielen Bäumen gleichzeitig.«15

Es scheint uns wie selbstverständlich, daß sich diese Begebenheit in einem Nadelwald abspielte. Es gehört in Europa zu den kulturellen Tatsachen, daß Weihnachten mit Fichten und Tannen assoziiert wird, auch wenn diese Verbindung erst im letzten Jahrhundert entstand, als die Forstwirtschaft kleine Fichten im Überschuß produzierte, die nach dem Vorbild der kaiserlichen Familie in die Wohnzimmer der Deutschen gelangten.16

Ein drittes, für unsere Überlegungen bedeutsames kulturelles Muster vom Fichtenwald schließlich handelt von seiner Natürlichkeit. Fichtenwälder werden als eintönig empfunden. In diesen Wäldern werden außer den Nadelbäumen lediglich noch Pilze entdeckt. Das wird auf das dichte Dach der Fichten zurückgeführt, das so wenig Licht durchdringen lasse, daß kein Bewuchs auf dem Waldboden entstehen kann. Außerdem ist die Auffassung weit verbreitet, daß der Boden im Fichtenwald »übersäuert« ist. Er wird deshalb häufig auch als »tot« bezeichnet. Verständlich, daß hier nur Pilze gedeihen. Die negative Einschätzung kulminiert letztlich im Waldsterben. Dieses viel diskutierte und nicht geklärte Phänomen verbinden wir vor unserem geistigen Auge mit abgestorbenen Fichtenwäldern; dabei dürften die von den Medien genutzten Bilder kahler Fichten aus dem Erzgebirge das Bewußtsein in besonderem Maße prägen.17

Mit der Vorstellung der eintönigen Natur in den Fichtenwäldern wird die Vorstellung verbunden, daß Fichten in gerade ausgerichteten Baumreihen und strikt abgegrenzten Arealen wachsen, die dem Prinzip des rechten Winkels folgen. Waldflächen, die mit Nadelbäumen bestanden sind, werden auch unter dem Aspekt der Orientierung als Rechteckmuster wahrgenommen. Unterstützt wird die Vorstellung, daß in Fichtenwäldern strikte mathematische Regularien befolgt werden, durch den ebenmäßigen Wuchs der Nadelbäume. Treten sie in der Gruppe auf, wirken sie wie ein Wald von Stangen, streng geordnet, diszipliniert und ohne jegliche Individualität. Dieses Bild dürfte auch Canettis Vorstellung vom Wald als Massensymbol der Deutschen zugrundeliegen, das das marschierende Heer mit dem Wald gleichsetzt.18

Im Film »Der ewige Wald« - im Dritten Reich gedreht, allerdings kaum aufgeführt - wird diese Parallele filmisch umgesetzt, indem die Beine von Soldaten und nachfolgend die Stämme eines Nadelwaldes gezeigt werden.19

Neben allem Militaristischen arbeitet dieser Vergleich mit der Regelmäßigkeit und dem Ebenmäßigen des Fichtenwaldes, was dazu beiträgt, daß er als kultivierte Natur wahrgenommen wird. Er erscheint - negativ formuliert - als Plantage. Der Fichtenwald wird als künstlich, als verarmte Natur erlebt.

Paradoxerweise wird trotz all des Wissens um die Künstlichkeit der Fichtenwälder häufig ausgeblendet, daß sie Resultat der menschlichen Aneignung von Natur sind. Das dürfte Ausdruck einer Mystifizierung von Natur sein, die der schwedische Volkskundler Orvar Löfgren als Reflex auf die weitgehende technische Durchdringung der Natur beschrieben hat.20

Es widerspricht anscheinend der modernen Vorstellung von Natur in unserer Gesellschaft, das letzte scheinbare Naturrefugium unserer Landschaft als Kulturprodukt zu identifizieren.

Diese Vorstellungen von der künstlichen und der intakten Natur beziehen sich auf reale Waldbilder und -strukturen, die unter der Ägide der klassischen Forstwirtschaft in den letzten zweihundert Jahren entstanden. Aus forstlicher Sicht aber verbindet sich mit den Wäldern, die wir als verarmte oder intakte Natur erleben, ein gänzlich anderer Hintergrund.


Der Wald der Forstwirtschaft

Die klassische Forstwirtschaft entstand im 18. Jahrhundert aus den Bemühungen, die immer deutlicher zutage tretende Holzknappheit zu überwinden. In vielen Gegenden waren ganze Wälder gefällt worden, um die Salz-, Eisen-, Glas- oder Teergewinnung mit dem Rohstoff Holz zu beliefern. Zudem hatte eine intensive bäuerliche Nutzung der Wälder als Viehweide und Futterlieferant vielerorts dazu geführt, daß diese Wälder ausgemergelt waren. Die Gemälde vieler Maler der Romantik zeigen um 1800 parkähnliche Wälder, in denen vor allem alte knorrige Eichen wuchsen, die wegen ihrer Eicheln als gute Futterlieferanten galten. Bei genauerem Hinsehen wird deutlich, daß diese Wälder wie ausgeräumt wirken. Die frühen Forstleute waren bestrebt, diese devastierten Wälder, wie es in der Fachsprache hieß, umzugestalten. Ihr Ziel war es, Wälder zu begründen, die in erster Linie Holz lieferten. Bewerkstelligt wurde das durch einen rationell und planmäßig arbeitenden Waldbau.21

Der klassische Waldbau erinnerte in vielerlei Hinsicht an landwirtschaftliche Arbeitsweisen. Er lehnte sich an den Zyklus der Feldarbeit an, bei dem Pflanzen, Pflege, Ernte und erneutes Pflanzen einander folgen. Entsprechend wurden auf einer freien Fläche zunächst junge Bäume in gleichmäßigen Abständen voneinander eingesetzt. Im Laufe der Jahre wurden diese heranwachsenden Altersklassenwälder immer wieder gelichtet. Wenn sie schließlich erntereif waren, wurden die Bäume auf ganzer Fläche gefällt. Dieses Verfahren, das von Forstleuten als Kahlschlagswirtschaft bezeichnet wird, erstreckte sich allerdings nicht, wie in der Landwirtschaft, nur auf ein Jahr, sondern über Jahrzehnte.

Zu den Grundlagen der klassischen Forstwirtschaft gehörte auch, junge Bäume einer Art auf einer Fläche anzupflanzen. Auf diese Weise entstanden die sogenannten Monokulturen. Das gilt nicht nur für die Fichte, sondern ebenso für die Buche. Die Buchenwälder, die wir als intakte Natur wahrnehmen, sind aus forstlicher Sicht lediglich Monokulturen und Wirtschaftsforsten, wie auch die Fichtenwälder. Die Fichte aber verbreitete sich mehr und mehr und wurde zum »Brotbaum« der Forstwirtschaft. Es gehört zu ihren Eigenschaften, daß sie deutlich schneller wächst als Laubbäume wie die Buche oder Eiche. Zudem war sie aufgrund ihres ebenmäßigen Wuchses in der aufkommenden Industrie begehrt. Der Anteil der Nadelwälder stieg allein in der Zeit von 1850 bis 1970 von knapp 40 auf 65%.22

Diese Wälder wurden nach strengen geometrischen Formen angelegt, die gerade Baumreihen und Waldränder vorsehen. Im 19. Jahrhundert entstand überhaupt erst die strikte Trennung von Wald und Flur, die uns heute als selbstverständlich gilt.

In der klassischen Forstwirtschaft mit ihrem Streben nach rationeller Gestaltung und Nutzung der Wälder zeigt sich ein Naturbegriff, der sich grundlegend von dem der intakten und dem der verarmten Natur unterscheidet, die im Erleben des Waldes deutlich werden. Die klassische Forstwirtschaft nämlich handelte von der nutzbaren Natur. Weil die Gewinnung des Holzes im Vordergrund stand und sie in erster Linie ökonomischen Interessen gehorchte, traten ästhetische oder biologische Aspekte zurück. Die Vorstellung, daß der Mensch sich die Wälder untertan macht, wurde vor allem von Forstleuten getragen. Aber sie hätte sich wohl kaum durchsetzen können, wenn sie unter den Waldbesitzern keine Resonanz gefunden hätte.23

Fast zweihundert Jahre wurden die Wälder Mitteleuropas als nutzbare Natur nach den Prinzipien des klassischen Waldbaus bearbeitet. Wald und Landschaft tragen heute deutliche Zeichen dieser forstlichen Epoche.

Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit vollzog sich dann vor knapp zehn Jahren eine forstliche Revolution. Der klassische Waldbau wurde bundesweit aufgegeben und durch den sogenannten »naturnahen« Waldbau ersetzt. Er zielt darauf ab, urwaldähnliche Wälder zu schaffen. Die Gründe für diesen forstlichen Wandel dürften in der anderen Bewertung von Natur, die sich seit den 70er Jahren abzeichnet, im vermeintlichen Waldsterben und in der schwindenden wirtschaftlichen Bedeutung der Forsten zu suchen sein. Mit dem »naturnahen« Waldbau wurden viele der bislang gültigen Regeln in ihr Gegenteil gekehrt. Die Kahlschlagswirtschaft wird abgelöst durch den Dauerwald. Aus ihm werden nur einzelne Bäume entnommen und neue Bäume wachsen hier unter dem Dach der alten Bäume durch natürliche Aussaat nach.24

Die gleichaltrigen Bäume identischer Höhe weichen einem Nebeneinander verschieden großer Bäume, bei dem junge Pflanzen neben ausgewachsenen Baumriesen stehen. Monokulturen werden zu artenreichen Wäldern umgestaltet. Es sollen den örtlichen Bedingungen entsprechend verschiedene Pflanzen und Tiere vertreten sein, die eine größtmögliche Vielfalt bilden und biologische Stabilität garantieren. Eine besondere Bedeutung kommt auch dem sogenannten Totholz zu. Ein Teil der abgestorbenen oder umgestürzten Bäume soll ebenso wie Astwerk im Wald verbleiben, da sie als notwendige Bestandteile des ökologischen Systems Wald verstanden werden. Mit dem Konzept vom »naturnahen« Wald wird auch die Vorstellung von der nutzbaren Natur verlassen. An ihre Stelle tritt das Paradigma der möglichst großen Natürlichkeit.

Der Wandel vom gleichförmigen zum »naturnahen« Wald wird gegenwärtig vollzogen. Es werden heute weitaus weniger Bäume angepflanzt als noch vor zehn Jahren, und die Bewirtschaftungspläne der Forstbehörden sehen eine deutliche Reduzierung des Nadelholzes zugunsten einer breiten Vielfalt der Baumarten vor. In den Wäldern lassen sich die ersten Anzeichen dieser neuen waldbaulichen Maximen erkennen. Nach Ansicht von Forstleuten werden allerdings noch einige Jahrzehnte vergehen, bis das Resultat eines naturnahen Waldes vollends erreicht sein wird, denn die Bäume wachsen langsam und geben das Tempo des Umwandlungsprozesses vor.

Eine solche Situation der Transformation, wie sie sich gegenwärtig in der Forstwirtschaft vollzieht, bietet für die Volkskunde interessante Ansatzpunkte. In der Auflösung des Gewohnten werden alte Muster in Frage gestellt und möglicherweise neue konzipiert. Konkret: Die Umgestaltung der Wälder dürfte bewährte Muster des Naturerlebens in Frage stellen und Irritationen auslösen.


Wahrnehmung des neuen Waldes

Der Wandel des Waldbildes wird von den Waldbesuchern durchaus registriert. Zwar wird die Verschiebung in der Zusammensetzung der Baumarten für den Laien bislang nicht deutlich, aber es gibt andere Bereiche des Waldes, in denen sich der naturnahe Waldbau den Waldbesuchern zu erkennen gibt. Allerdings läßt sich in der Wahrnehmung und Bewertung ein deutlicher Unterschied zwischen den Generationen erkennen.

Im Wald, der zum »naturnahen« umgestaltet wird, stößt sich der gewohnte Blick vor allem älterer Menschen am Geschehen auf dem Waldboden. Hier werden gravierende Umwälzungen erkannt, weil abgebrochene und zu Boden gefallene Äste und sogar umgestürzte Bäume an der Erde liegen. Sie sollen offensichtlich nicht entfernt werden, sondern im Wald verbleiben. Das widerspricht aller lebensgeschichtlich vorgelagerten Erfahrung mit dem Wald. In Gesprächen verweisen ältere Menschen angesichts dieser neuen Praktik gerne auf die Nachkriegszeit, als der Wald aufgeräumt und der Waldboden wie gefegt war. Eine vorsichtige Skepsis gegenüber dem »naturnahen« Waldbau scheint vielen Älteren angebracht. Häufig wird sie mit der Einschätzung begründet, daß sich schädliche Insekten und Krankheiten in einem unaufgeräumten und chaotischen Wald gut ausbreiten können. In dieser kritischen Haltung gegenüber dem naturnahen Wald zeigen sich fest verankerte Vorstellungen von Ordnung und Sauberkeit auch im Umgang mit Natur. Es drückt sich darin wie selbstverständlich aus, was beim Erleben von Buchen- und Fichtenwäldern beiseite geschoben wird: Daß der Mensch den Wald als Ressource nutzt und gestaltet. Was in der Wahrnehmung der Wälder weitestgehend ausgeblendet wird, bekommt hier eine neue Aktualität, denn der Konflikt entbrennt an der Frage nach dem angemessenen Eingriff des Mensch in die Natur.

Von der jüngeren Generation und besonders von Naturschutzaktivisten wird der Rückzug des Menschen anders bewertet. Ihrer Auffassung nach sollen Wälder möglichst geringe Einflüsse menschlicher Gestaltung aufweisen. Die Natur soll zu ihrem Recht kommen und sich unabhängig vom Menschen frei entwickeln. Im naturnahen Wald sehen sie dieses Ideal annähernd erreicht. Dem sogenannten Totholz, das von vielen älteren Menschen als störend empfunden wird, kommt hier neben der biologischen eine besondere symbolische Funktion zu, indem es die unberührte Natur und namentlich das Vergängliche im Naturkreislauf ausdrückt. Neuere Naturfotografien folgen dieser Interpretation, wenn sie immer häufiger Totholz im Vordergrund zeigen.

Der naturnahe Wald ist freilich nur eine Annäherung. Unverfälscht zeigt sich die unberührte Natur nur im Urwald. Weil in Mitteleuropa aber keine Urwälder existieren, werden die Schutzwälder und Nationalparke zu Vorbildern für den Naturwald. Es handelt sich dabei einerseits um die wenigen Wälder, die seit einigen Jahrhunderten nicht bewirtschaftet werden, wie die sogenannten »heiligen Hallen« bei Feldberg. Andererseits werden gerade die Nationalparke wie der im Bayerischen Wald als neue Urwälder deklariert, was ihren symbolischen Gehalt in der umweltpolitischen Diskussion unterstreicht.

Im Leitbild der unberührten Natur zeigt sich der Anspruch, den Menschen von der Natur fernzuhalten. Im Naturwald, so scheint es, löst sich das Kulturelle auf, weil Natur zur unberührten Natur wird. In der Vorstellung vom Naturwald wird das Ende von der Kultur der Natur, wie Norbert Elias es formulierte,25proklamiert.

Wie diese unberührte Natur aussehen soll, wird mit naturwissenschaftlichen Untersuchungen belegt, die - scheinbar eindeutig - keinen Widerspruch zulassen. Sie beschreiben die potentielle Vegetation, wie sie ohne den Einfluß des Menschen entstehen würde. Sie verweisen auf die Struktur des Waldes um Christi Geburt als Vorbild für den Naturwald, weil sich in diesen frühen Wäldern der menschliche Einfluß auf lokale Aneignungen begrenzte und die klimatischen Bedingungen den heutigen entsprachen.

Aber, so meine abschließende These: Auch bei der modernen Auffassung von den naturnahen Wäldern und der unberührten Natur handelt es sich um ein kulturelles Muster; ein Muster allerdings, das seine Vorstellung als wissenschaftlich fundierte Tatsache versteht, Natur gleichzeitig aber romantisch verklärt und den Mensch aus ihr ausschließt.


Schluß

Im Erleben der Wälder durch Spaziergänger und Wanderer zeigen sich verschiedene, kulturell geprägte Konzepte von Natur. An den Beispielen der Wahrnehmung von Buchen- und Fichtenwäldern habe ich versucht, die Vorstellungen von der intakten und der verarmten Natur herauszuarbeiten. Eine gänzlich andere Umgangsweise zeigt sich in der klassischen Forstwirtschaft, die diese Wälder produziert hat. Hier war über zwei Jahrhunderte hinweg die Rede von der nutzbaren Natur. Erst im letzten Jahrzehnt konnte sich eine neue Umgangsweise mit den Wäldern durchsetzen, mit der sich die Vorstellung des Naturnahen verbindet.

Diese neuen Wälder sorgen in der Wahrnehmung besonders älterer Menschen für Irritationen, weil sie den Sehgewohnheiten widersprechen und Umgangsweisen vorführen, die ihnen fremd erscheinen. In der jüngeren Generation deutet sich ein neues Wahrnehmungsmuster an, das eine vom Menschen unberührte Natur als Ideal setzt.


Veröffentlichungen aus dem Forschungsprojekt »Lebensstichwort Wald«



1 Diesem Artikel liegt ein Vortrag zugrunde, der am 24. November 1997 im Rahmen der »Tage der Forschung« an der Universität Hamburg gehalten wurde.
2 Albrecht Lehmann: Erinnerte Landschaft. Veränderungen des Horizonts und narrative Bewußtseinsanalyse. Im Druck für die Zeitschrift Fabula.
3 Wilhelm Heinrich Riehl: Culturstudien aus drei Jahrhunderten. (Kapitel: Das landschaftliche Auge). Stuttgart 1859.
4 Johanna Rolshoven: Der Blick aufs Meer. In: Zs. f. Vk. 89/1993, S. 191-212. Bernhard Tschofen: Aufstiege - Ausstiege. Skizzen zu einer Symbolgeschichte des Berges im 20. Jahrhundert. In: Zs. f. Vk. 89/1993, S. 213-232.
5 Das Forschungsprojekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin war neben mir bis zum September diesen Jahres Helga Stachow tätig, als studentische Mitarbeiterinnen waren Sibylle Gerhard, Uta Rosenfeld und im ersten Jahr Sara Kahn beteiligt. Veröffentlichungen aus diesem Projekt sind in der Literaturliste aufgeführt.
6 Albrecht Lehmann: Von Menschen und Bäumen. Die Deutschen und ihr Wald. Erscheint Anfang 1999 im Rowohlt-Verlag; das Zitat stammt aus der Einleitung.
7 Klaus Schriewer : Die Gesichter des Waldes. Zur volkskundlichen Erforschung der Kultur von Waldnutzern. In: Zs. f. Vk. 94/1998, S. 71 - 90
8 Hans Magnus Enzensberger : Der Wald im Kopf. In: ders.: Mittelmaß und Wahn. Gesammelte Zerstreuungen. Frankfurt/M. 1991, S. 187-194.
9 Interview (Nr. 34) mit einer arbeitslosen Geographin, ca. 35 Jahre, waldnah lebend.
10 Interview (Nr. 59) mit einer Lehrerin, ca. 55 Jahre, waldfern lebend.
11 Interview (Nr. 59) mit einem Verwaltungsangestellten, 60 Jahre, waldfern lebend.
12 Interview (Nr. 59) mit einer Lehrerin, ca. 55 Jahre, waldfern lebend.
13 Besonders das Gemälde »Der Chasseur«, das allerdings einen Franzosen vor dem abschreckenden Tann zeigt, oder das Bild »Frühschnee« lassen die abweisende Stimmung erkennen, die ein Fichten- oder Tannenwald auszulösen vermag.
14 Interview (Nr. 4) mit einem Berufschullehrer, etwa 50 Jahre, waldfern lebend.
15 Interview (Nr. 42) mit einem Agraringenieur, 30 Jahre, waldnah lebend.
16 Ingeborg Weber-Kellermann: Die deutsche Familie. Fankfurt/M. 1982, S. 224ff. Kurt Mantel: Geschichte des Weihnachtsbaumes und ähnlicher weihnachtlicher Formen. Eine kultur- und waldgeschichtliche Untersuchung. Hannover 1975.
17 Rudi Holzberger: Das sogenannte Waldsterben. Zur Karriere eines Klischees: Das Thema Waldsterben im journalistischen Diskurs. Bergatreute 1995.
18 Elias Canetti: Masse und Macht. Hamburg 1960.
19 Ulrich Linse: Der Film »Ewiger Wald« oder: Die Überwindung der Zeit durch den Raum. In: Ulrich Hermann, Ulrich Nassen (Hrsg.): Formative Ästhetik im Nationalsozialismus. Weinheim, Basel 1991 (Zeitschrift für Pädagogik, 31. Beiheft), S. 57-75.
20 Orvar Löfgren: Natur, Tiere und Moral. Zur Entwicklung der bürgerlichen Naturauffassung. In: Utz Jeggle, Gottfried Korff, Martin Scharfe, Bernd-Jürgen Warneken (Hrsg.): Volkskultur in der Moderne. Tübingen 1986, S. 122-144.
21 Kurt Mantel: Wald und Forst in der Geschichte. Ein Lehr- und Handbuch. Hannover 1990. Karl Hasel: Forstgeschichte. Ein Grundriß für Studium und Praxis. Hamburg, München 1985.
22 V. SpäthNaturschutz im Wald. 1992. Zitiert nach: Wilhelm Bode, Martin von Hohnhorst: Waldwende. Vom Försterwald zum Naturwald. München 1994, S. 105.
23 Wie schwierig es war, die klassische Forstwirtschaft zu etablieren und den Anbau der Fichte zu forcieren, wird in einer historischen Studie von Bernward Selter deutlich: Bernward Selter: Waldnutzung und ländliche Gesellschaft. Landwirtschaftlicher »Nährwald« und neue Holzökonomie im Sauerland des 18. und 19. Jahrhunderts. Paderborn 1995. (Forschungen zur Regionalgeschichte Bd.13).
24 Im forstlichen Fachjargon ist dann die Rede von Plenterwirtschaft mit Naturverjüngung.
25 Norbert Elias: Über die Natur. In: Merkur 40/1986 Nr. 448, S. 469-481

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