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Universität - Fachbereiche und wiss. Einrichtungen - FB Kulturgeschichte und Kulturkunde

Andreas und Oswald Achenbach.
Das A und O der Landschaft.
Eine Ausstellung im Altonaer Museum (25.2.- 19.4.1998)

Uwe Claassen


Im Altonaer Museum sind zur Zeit Gemälde der beiden Düsseldorfer Maler Andreas und Oswald Achenbach (1815-1910 und 1827-1905) zu sehen. Im 19. Jahrhundert waren sie die Landschaftsmaler in Deutschland: »Das A und O der Landschaft«, wie sie von der zeitgenössischen Kritik eingestuft wurden. In der Tat waren sie zu ihrer Zeit auf allen großen Ausstellungen vertreten und alle wesentlichen Sammlungen in Europa und in Nordamerika besitzen Werke von den beiden Brüdern. Und dennoch: Heutzutage sind sie nahezu nur noch der Fachwelt bekannt, der eine als Maler der nordischen und der andere als Maler der italienischen Landschaft.

Nachdem im letzten Jahr der Landschaftsmaler Louis Gurlitt (1812-1897) im Altonaer Museum ausgestellt wurde, folgen nun die beiden zentralen Maler der Düsseldorfer Malerschule in der Übernahme einer Ausstellung der Kunsthalle Düsseldorf. Wie bei Gurlitt ist auch bei ihnen sehr gut zu entwikkeln, wie sie ein Image der Landschaften entworfen haben, auf die sie sich spezialisiert hatten. Und ebenfalls wie bei Gurlitt ist die Ausstellung auf die Schaulust ausgerichtet. Nur wenig Texte erläutern die Bilder, was den Erwerb des Katalogs zum Verständnis der Werke und ihrer Hintergründe notwendig macht.

Durch die Aufsätze im Katalog wir deutlich, daß sich die beiden Brüder Achenbach ihre Bildthemen - sprich Landschaften - untereinander aufgeteilt hatten. Trotz der Kenntnis der sich entwickelnden Moderne entschieden sie sich dafür, ihrer Malweise und ihren Bildthemen treu zu bleiben. Dies garantierte ihnen und ihren wenigen Exklusiv-Galeristen zu Lebzeiten einen großen Erfolg. In den USA wurden sie sogar bis weit in das 20. Jahrhundert hinein als wesentliche Exponenten deutscher Malerei angesehen. Spätestens nach dem Ersten Weltkrieg fielen sie in Europa jedoch in das große Loch des Vergessens. Die Moderne hatte sich durchgesetzt und gegenüber Expressionismus, Kubismus, Konstruktivismus, Futurismus oder dada waren die Landschaftsbilder alter Schule wie von einer anderen Welt: Kaum jemand mochte sie mehr sehen wollen. Für eine groß angelegte, erfolgreiche kunsthistorische Wiederentdeckung der Achenbachs wie auch von Gurlitt ist es gewiß noch einige Jahrzehnte zu früh - wenn nicht gar noch mehr. Für die volkskundliche Bildforschung sind alle drei jedoch schon jetzt von großem Interesse, da sie die populären Sichtweisen auf bestimmte Landschaften mitgeprägt haben. Sehr schön waren einige Geschichten, die Martina Sitt, die die Ausstellung als Kuratorin in Düsseldorf vorbereitet hat, anläßlich der Eröffnung und der Pressekonferenz erzählte. Z.B. die vom dem Fernsehredakteur, der einige Bilder von Andreas Achenbach mit Wassermühlen als Motiv und »Erftmühle« als Titel zum Anlaß nehmen wollte, diese Gebäude bzw. ihre Geschichte am so heißenden Nebenfluß des Rheins zum Gegenstand eines Films zu machen. Die Achenbachs haben zwar im Freien Studien angefertigt - ihre Gemälde entstanden jedoch im Atelier, wo sie nach kompositorischen Kriterien und den Wünschen der Kunden aus vielen Versatzstücken kompiliert wurden. Die Mühlen wie im Gemälde hat es niemals gegeben. Auch die landschaftlichen Einbindungen gehen nicht unbedingt auf tatsächliche Gegebenheiten zurück. Die Bilder sollten gefallen - und so wurden auf Kundenwunsch auch schon mal bestimmte Partien übermalt. Damit stehen die Achenbachs dem auch schon im 19. Jahrhundert weit verbreiteten Künstlerideal des unabhängigen Freigeistes, der lieber hungert als in seiner Kunst Kompromisse eingeht, diametral entgegen. Und doch waren sie zu Lebzeiten überaus erfolgreich, was sie auch für Fälscher interessant machte. Wie Frau Sitt meinte, müßten die Achenbachs wohl immer noch leben und malen, damit alle Bilder, die mit ihrem Namen signiert sind, tatsächlich von ihrer Hand stammen könnten.



Der Geschäftsführende Direktor des Instituts für Volkskunde, 19. April 1998. Impressum

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