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| UHH FB Kulturgeschichte und Kulturkunde Institut für Volkskunde/Kulturanthropologie | Suche |
InstitutsgeschichteDie Geschichte der Volkskunde an der Universität Hamburg ist so jung wie die Hochschule selbst. Bereits 1919, im Gründungsjahr, erhielt Otto Lauffer (1874-1949) den ersten volkskundlichen Lehrstuhl in Deutschland. Lauffer war außerdem der erste Direktor des Museums für Hamburgische Geschichte. Aus der Personalunion der Ämter des Museumsleiters und Universitätsprofessors ergab sich bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg die besondere Ausrichtung der Hamburger Volkskunde, deren Schwerpunkt zunächst in der Erforschung der Sachkultur lag. Die Kombination aus Museumswissenschaft und universitärer Forschung prägte die Institutsgeschichte auch unter Walter Hävernick, der von 1947 bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1973 ebenfalls beide Ämter innehatte. Die Trennung von Museum und Institut wurde von Gerhard Lutz vollzogen, der als erster eine eigenständige universitäre Professur für Volkskunde in Hamburg innehatte. Seit Beginn der 1980er Jahren gehören zwei Professuren zum Hamburger Institut. Sie sind von Albrecht Lehmann (1983) und Thomas Hengartner (1996) besetzt.
Die Schwerpunkte in Forschung und Lehre der ehemaligen Professoren lassen sich überblicksartig folgendermaßen zusammenfassen:
Otto Lauffer befaßte sich - ausgehend von der Aufbauarbeit des Museums - in erster Linie mit sachvolkskundlichen Themen. Doch arbeitete er außerdem auf vielen anderen volkskundlichen und kulturgeschichtlichen Gebieten, vor allem in der Haus- und Brauchforschung. Bis heute zählt er zu den wichtigsten Forscherpersönlichkeiten in der Gesamtgeschichte des Faches. Seine Publikationsliste umfaßt mehr als 300 Titel. In der Zeit des Nationalsozialismus war er einer der schärfsten Kritiker pseudowissenschaftlicher Konzepte, z.B. der "Sinnbildforschung".
Walter Hävernick widmete sich weiterhin dem Schwerpunkt "Museumsforschung, verstärkte jedoch die Richtung der bereits von Lauffer geforderten "Volkskunde als Gegenwartswissenschaft". Seine Schwerpunkte lagen bei der Frage der Gruppenbindung, bei der Brauch- und Kleidungsforschung. Hävernick war außerdem ein international höchst renommierter Forscher auf dem Gebiet der Numismatik. In seine Dienstzeit fällt die Herausgabe der Institutszeitschrift "Beiträge zur deutschen Volks- und Altertumskunde", die eine Zeitlang ein wichtiges Publikationsorgan innerhalb der deutschen Volkskunde war.
Gerhard Lutz arbeitete nach seiner Würzburger Promotion (1954) zum Thema "Sitte und Infamie. Untersuchungen zur rechtlichen Volkskunde am Phänomen des Verrufs" zunächst weiter auf dem Gebiet der Brauchforschung. 1958 gab er das Buch "Volkskunde. Ein Handbuch zur Geschichte ihrer Probleme" heraus, ein bis heute kanonisches Werk des Faches. Nachdem er sich 1972 mit wissenschaftsgeschichtlichen Arbeiten habilitiert hatte, übernahm er 1975 den Hamburger Lehrstuhl. In Forschung und Lehre erweiterte er die Arbeitsschwerpunkte am Hamburger Institut, vor allem durch theoretische, methodische und fachgeschichtliche Beiträge. Sein Ziel war es, dem Fach eine interdisziplinäre Perspektive zu vermitteln. Dazu trug außer wissenschaftssystematischen Arbeiten vor allem seine Öffnung zu den Verhaltenswissenschaften bei.
Mit der Tätigkeit von Gerhard Lutz wurde die Entwicklung des Gesamtfachs Volkskunde von der altertumskundlichen Traditionsforschung zur empirischen Kulturanalyse sehr früh auch in Hamburg vollzogen. Eine wichtige Linie im heutigen Arbeiten bildet die Biographie-, die Erzählforschung als Bewußtseinanalyse und eine zeitgeschichtliche Mentalitätsforschung (Albrecht Lehmann). Aus seiner Beschäftigung mit der Gemeindeforschung erwuchs mit der Großstadtforschung ein weiterer Schwerpunkt, der heute auch von Thomas Hengartner vertreten wird. Derzeit bilden die historisch wie gegenwartsbezogene Erforschung der Kultur der Natur (unter anderem im Rahmen des DFG-Projektes "Lebensstichwort Wald") wie diejenige der Technik-Kultur (Thomas Hengartner) heute zentrale Forschungs- und Publikationsvorhaben.
Weitere Akzente liegen schließlich auf Themen wie der Migrationsforschung, der Auseinandersetzung mit interkulturellen Beziehungen und der Konstruktion von Ethnizität, sowie der kleinräumigen Analyse historischer Lebensverhältnisse vorallem von unterschichtlichen Gruppen in Hamburg; nicht zuletzt findet eine kontinuierliche Beschäftigung mit theoretischen Konzepten der historischen Anthropologie, solchen von Kultur und mit kulturwissenschaftlichen Theorien statt.
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