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Dietmar Sedlaczek: "...das Lager läuft dir hinterher". Lebensgeschichfliche Untersuchungen zum
Umgang mit nationalsozialistischer Verfolgung.
1995
Abstract
Nationalsozialistische Verfolgung und KZ-Haft hinterließen bei den Überlebenden noch heute sichtbare Spuren. Die erfahrene soziale Ausgrenzung und Entrechtung, seelische wie körperliche Mißhandlungen führten zu einem Bruch in ihrer Biographie. Viele der Überlebenden des Nazi-Terrors drängt es, über ihre Erfahrungen zu sprechen. Neben der damit verbundenen pädagogischen Absicht wird das Gespräch zu dem Versuch, das Erlebte zu verarbeiten.
Das Thema der Untersuchung ist der Umgang mit nationalsozialistischer Verfolgung. Ihr zentrales Anliegen ist es, den genannten Bruch in der Biographie der Überlebenden von Verfolgung und KZ-Haft zu untersuchen und zu dokumentieren. Dabei geht es darum, welche Bedeutung und welche Konsequenzen er für die Identitätsarbeit der Betroffenen besitzt, welche Auswirkungen er auf die sozialen Beziehungen der Überlebenden hat. Wie gelingt ihnen die Eingliederung in die Gesellschaft, in der sie leben? Wie gehen sie mit ihren Erfahrungen um? Welche 'Sprache' finden sie, um diese Erfahrungen mitzuteilen, und welche Formen der erzählerischen Bewältigung?
Die Untersuchung besteht aus zwei Teilen: einem Grundlagenteil und einem Dokumentationsteil. Im Grundlagenteil wird u.a. eine Annäherung an den Themenkomplex Verfolgung und KZ-Haft vorgenommen. Hier findet eine Auseinandersetzung mit drei unterschiedlichen Textsorten bzw. -Quellenbereichen statt: Häftlingsberichten; der entsprechenden medizinisch-psychiatrischen Literatur und der biographischen Forschung zum Themenbereich Nationalsozialismus.
Der Dokumentationsteil enthält Biographien von Überlebenden nationalsozialistischer Verfolgung in Frankreich, in den Niederlanden und in der Bundesrepublik Deutschland. Die Darstellung basiert auf Interviews und - falls vorhanden - weiteren autobiographischen Zeugnissen. Die lebensgeschichtlichen Texte werden sorgsam in ihrem jeweiligen konkreten historischen Zusammenhang betrachtet und im biographischen Gesamtkontext interpretiert. Um den zeitübergreifenden Charakter und Stellenwert der Erfahrungen sichtbar machen zu können, wird der Lebensweg der Interviewpartner und -partnerinnen von der Kindheit und der Jugend über die Zeit der Verfolgung und Befreiung hinaus bis in die Gegenwart nachgezeichnet. Eine besondere Bedeutung kommt der Beschreibung des historischen Hintergrundes zu. Die Geschichte des einzelnen ist Teil der 'großen' Geschichte. Erst wenn beide zueinander in Beziehung gesetzt werden, ist ein Verstehen des individuellen Lebens möglich.
Genehmigt: Professor Dr. Albrecht Lehmann (erster Gutachter)
(Aus der veröffentlichten Sammlung von Zusammenfassungen der Promotionen zwischen Oktober 1988 bis September 1997 im Fachbereich Kulturgeschichte und Kulturkunde)
| Impressum | Letzte Änderung: 08 Mar 08 webmaster |