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Harald Schloz
Finkenwerder - vom "Fischeridyll" zum Industriestandort"?
Strukturwandlungen in einer großstadtnahen Geimeinde im aus gehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert und deren Widerhall in der fiktionalen Literatur.
Hamburg 1996 / 709 Seiten / ISBN 3-86064-407-6 / 68,00DM
Bei der vorliegenden Dissertation handelt es sich um eine Gemeindestudie; Gegenstand der Untersuchung war die Bauern-, Fischer- und Handwerkeransiedlung Finkenwerder auf der gleichnamigen, ehemaligen Elbinsel.
Der ausführlichen Einleitung in die Thematik folgt ein umfangreicher Abschnitt, der die geschichtliche Entwicklung Finkenwerders detailliert unter verschiedenen Aspekten nachzeichnet. Das anschließende Kapitel widmet sich dem Erwerbsleben der Finkenwerder und behandelt schwerpunktmäßig die Fischerei; daneben werden jedoch u.a. Holzschiffbau, Landwirtschaft und Gastronomie betrachtet.
Aus der Deskription der sich wandelnden Verhältnisse der Insel läßt sich letztlich auch die soziale sowie die ökonomische Situation der gesamten Inselbevölkerung ablesen; eine besondere Bedeutung fiel in dieser Hinsicht der Versicherungs- und Fürsorgeeinrichtungen Finkenwerders zu, die ausführlich behandelt werden. Das gleiche gilt für das Finkenwerder Vereinswesen; diesem ist ein eigenes Kapital vorbehalten, in dem sich der Autor insbesondere mit einigen kulturellen Vereinigungen kritisch auseinandersetzt.
In einem aufschlußreichen Exkurs stellt der Autor dem Schicksal Finkenwerders dasjenige anderer ehemaliger Fischeransiedlungen - Schlutup, Ellerbek etc. - gegenüber.
Der erste Hauptteil nahm sich der vielfältigen Strukturwandlungen des Finkenwerders an; im zweiten Hauptteil wird nun ein Vergleich der realen Verhältnisse mit dem Bild Finkenwerders vorgenommen, das zunächst durch die bildende Kunst, später durch die fiktionale Literatur geschaffen resp. verbreitet wurde. Der Autor unterzieht sich der Mühe, aufzuzeigen, ob und inwieweit sich diese Strukturwandlungen in der großenteils plattdeutschen Mundart- und Unterhaltungsliteratur wiederfinden lassen und ob das fiktionale Finkenwerder Gorch Focks, Rudolf Kinaus und anderer nicht auch authentische Züge aufweist. Darüber hinaus versucht der Autor - besonders deutlich am Beispiel Gorch Focks -, von den teilweise im Umlauf befindlichen Pauschalurteilen hinweg zu einer differenzierten Betrachtung der einzelnen Schriften und ihrer Inhalte zu gelangen.
Der Studie kommt generell eine besondere Bedeutung zu, da es für Hamburg und seine Umgebung sowie darüber hinaus - bezüglich einer Fischeransiedlung im deutschsprachigen Raum - auch auf dem Gebiet der Volkskunde nur wenig Vergleichbares gibt. Die Arbeit bildet gleichsam ein ,,Finkenwerder-Handbucli", das für unterschiedliche Zielgruppen eine Fülle an detaillierten Informationen bietet.
(Aus der veröffentlichten Sammlung von Zusammenfassungen der Promotionen zwischen Oktober 1988 bis September 1997 im Fachbereich Kulturgeschichte und Kulturkunde)
| Impressum | Letzte Änderung: 08 Mar 08 webmaster |