(vokus.
volkskundlich-kulturwissenschaftliche schriften. heft 1, 1/2002. herausgeber:
hamburger gesellschaft für volkskunde c/o institut für volkskunde)
Erstsemesterbericht
Birgit Staack und Laura Tiemann
Anfang Oktober 2001: Hin- und hergerissen zwischen
der allzu altmodisch »tümelnden« Beschreibung unseres neuen
Studienfaches im allgemeinen Studienführer (von 2001 !) und dem progressiven
Eindruck, den die Selbstdarstellung der Hamburger Volkskunde auf uns gemacht
hatte, versuchten wir uns vorzustellen, was uns in den nächsten Monaten
erwarten würde.
Dass die volkskundlichen Themen von Dozent zu Dozent sehr unterschiedlich
sind, war uns bald klar. Die unterschiedlichen Studienschwerpunkte, die damit
möglich sind, machen für uns persönlich die Volkskunde attraktiv.
Allerdings mussten wir uns an Missverständnisse gewöhnen wie: »Ach
klar, Völkerkunde, das mit den exotischen Ländern !« oder:
»Machst du da Schädelabmessungen und Rassenkunde oder was?«
Obwohl man also die Volkskunde nur mit wenigen Menschen teilen kann, ist unser
Alltag mit ihr ein anderer geworden. Plötzlich erfahren Mixkassetten
aus der Teenagerzeit eine respektvollere Behandlung, bei jedem Imbissbesuch
werden heimlich Interieur und Kundenverhalten interpretiert, und obligatorische
Verwandtenbesuche mit den »Erzählungen von früher« bekommen
auf einmal wissenschaftlichen Wert.
Der Weg vom Campus zu unserem Institut ist zwar ein weiter, aber betritt man
das unscheinbare Gebäude in der Bogenallee, so eröffnet sich einem
ein so familiärer Kosmos, dass mancher meint, eine Art »zweite
Heimat« vorzufinden.
Auch die Stimmung in den Seminaren ist freundlich, trotz der teilweise hoffnungslosen
Überfüllung der Räume. Vielleicht ist es ja gerade diese Enge,
die uns VolkskundlerInnen so »zusammenschweißt«.
Erfreulich wäre es, wenn sich das Lehrangebot bald erweitert, auch wenn
sich dann nicht mehr alle in jedem Seminar wiedertreffen. Angesichts des aktuellen
»Letter of Intent« bleibt als realistischer
Wunsch wohl eher, dass unserem Institut Kürzungen erspart bleiben.