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(vokus. volkskundlich-kulturwissenschaftliche schriften. heft 2, 10/1999. herausgeber: hamburger gesellschaft für volkskunde c/o institut für volkskunde)


Tagungsbericht: Marktchancen für Museen

Thomas Overdick

Vom 20. bis 21. November 2000 fand im Freilichtmuseum am Kiekeberg die 4. Tagung des Arbeitskreises Museumsmanagement statt. Thema der Tagung waren die »Marktchancen für Museen«. Anhand ausgewählter Märkte sollte ein Überblick über Anforderungen und mögliche Lösungsstrategien gegeben werden, mit denen Museen sowohl als Anbieter als auch als Nachfrager auf den unterschiedlichen Märkten erfolgreich agieren und ihre Wettbewerbssituation verbessern können. Rund 140 TeilnehmerInnen und ReferentInnen von verschiedenen Museen, Verwaltungen und Trägereinrichtungen aus dem gesamten Bundesgebiet und Österreich haben sich mit den Chancen und Gefahren der verschiedenen Marktsituationen auseinandergesetzt.
Wie unterschiedlich und z.T. auch kontrovers die Standpunkte zu dieser Thematik sind, verdeutlichte eine inszenierte Podiumsdiskussion, die die Tagung eröffnete. In thesenartigen Statements fassten Inken Bößert, Anja Dauschek, Matthias Dreyer und Oliver Rump pointiert die wichtigsten Argumente und Sichtweisen der Fachwissenschaften, der Vermittlung, des Museumsmanagements und der Regionalökonomie zusammen. Dass es hierbei nicht um die eine »richtige« oder »falsche« Betrachtungsweise des Museums im Spannungsfeld zwischen Nachfrage, Angebot, traditionellen Museumsaufgaben und Konkurrenz gehen kann, sondern vielmehr um eine differenzierte und zeitgemäße Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Denk- und Handlungsstrategien, unterstrich Hans-Jürgen Brockmeyer in seinem Vortrag über Management, Museen und Megatrends. Birgit-Katharine Seemann konkretisierte diesen Gedanken am Beispiel des Braunschweiger Herzog Anton Ulrich-Museums. Anknüpfend an das betriebswirtschaftliche Konzept der Unique Selling Proposition zeigte sie dabei die Wichtigkeit einer klaren und nachhaltigen Positionierung von Museen auf, um im wachsenden Wettbewerb insbesondere auf dem Freizeitmarkt bestehen zu können. In Anschluss hieran wurden die angeschnittenen Themenbereiche in drei Arbeitsgruppen vertieft. Nach der Vorstellung und Diskussion der Ergebnisse der Arbeitsgruppen beschloss der »Markt der Möglichkeiten« das Programm des ersten Tages. Hier hatten zehn Museen und Institutionen die Möglichkeit, eigene Projekte im Sinne des Tagungsthemas vorzustellen. Konkret präsentierten sich das Rheinische Freilichtmuseum Kommern, das Sprengel-Museum Hannover, das Studienangebot Museumsmanagement der Universität Hamburg, der Berufsverband freiberuflicher Kulturwissenschaftler e.V. (BfK), das Regionalentwicklungsprojekt der Lüneburger Landgärten, die Firma mmm-productions (Internetkonzeption und Webdesign), der NeueAachenerKunstverein, die Organisation Museumsshop des Von der Heydt-Museums Wuppertal, das Freilichtmuseum am Kiekeberg mit der hier entwickelten und vertriebenen Museumssoftware FirstRumos sowie der Bielefelder Transcript Verlag.
Stand der erste Tag also im Zeichen klassischer Marketing-Strategien des Absatzes und der Produktentwicklung, so ging es am zweiten Tag verstärkt um Aspekte von Kooperationsmöglichkeiten und um das immer wichtiger werdende Thema der Beschaffungs- und Finanzierungsmärkte. Franz Sonnenberger stellte am Beispiel der Museen der Stadt Nürnberg die entlastenden Synergieeffekte vor, die ein regionaler bzw. städtischer Zusammenschluss von Museen zu einem Verbund ermöglicht. Bei seiner positiven Bilanz wies er gleichzeitig auch kritisch auf die Gefahren und Grenzen hin, die ein derartiges Konzept der Zentralisierung birgt. In Anschluss hieran gab Burchard Bösche einen Überblick über die im Museumsbereich bisher nicht angewandte Trägerschaftsform der Genossenschaft, die sich seiner Meinung nach gerade in Verbindung mit der Rechtsform der Stiftung gut für die privatrechtliche Führung von Museen eignet. Den zweiten Block des Tages eröffnete Renate Dörr mit einem äußerst aufschlussreichen Vortrag über die Hintergründe der Kulturpolitik der Europäischen Union. Rupert Graf von Strachwitz fasste die aktuelle Diskussion um ein neues Stiftungsrecht und die gesellschaftliche Rolle des Stiftungswesens zusammen. Abschließend stellte Maren Spitzenberger die Chance und Legitimität des Erbschafts-Fundraising für Museen vor.
Insgesamt bot die Tagung mit der Frage nach den Marktchancen für Museen eine ebenso facettenreiche wie (selbst-)kritische Standortbestimmung zur derzeitigen Situation der Museen. Zentral ist dabei die Erkenntnis, dass sich das Museum längst vom Musentempel und Lernort zum Dienstleistungsbetrieb entwickelt hat. Die einzelnen Beiträge der Tagung haben verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt, wie mit dieser neuen, sicherlich auch nicht unproblematischen Herausforderung kreativ und verantwortungsbewusst umgegangen werden kann. Sämtliche Referate der Tagung können im Tagungsband »Marktchancen für Museen« (204 Seiten) nachgelesen werden, der bereits in der Schriftenreihe des Freilichtmuseums am Kiekeberg erschienen ist (Band 36, ISBN 3-935096-00-3, bestellbar für 25,- DM gegen Rechnung beim Freilichtmuseum am Kiekeberg, Fax: 040/792 64 64).

Thomas Overdick (Freilichtmuseum am Kiekeberg)

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