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(vokus. volkskundlich-kulturwissenschaftliche schriften. heft 1, 1/2002. herausgeber: hamburger gesellschaft für volkskunde c/o institut für volkskunde)



Jürgen
Lüthje
Grußwort


Die Hamburger Volkskunde ist von Anbeginn eng mit dem Museum für Hamburgische Geschichte verbunden. Davon zeugen Persönlichkeiten wie Otto Lauffer, der 1919 in Hamburg zum ersten Volkskunde-Professor an einer deutschsprachigen Universität überhaupt berufen wurde und gleichzeitig erster Direktor des Museums für Hamburgische Geschichte war, oder sein Nachfolger Walter Hävernick - auch er vereinigte in seinem Wirken ebenfalls die Belange von Museum und Volkskunde.
Besonders erfreulich ist, dass diese Verbindung auch nach der notwendigen Aufgabenteilung zwischen Universität und Museum Mitte der 1970er Jahre weiterhin Bestand hatte. Erfreulich nicht zuletzt deshalb, weil der Museumsbereich auch heute noch ein beachtliches Berufsfeld für Absolventen des Faches darstellt, wenngleich durch die Ausrichtung des Faches von der Altertumskunde zur empirischen Kulturanalyse und durch die kontinuierlich steigenden Studierendenzahlen neue Tätigkeitsfelder und -möglichkeiten dazugekommen sind.

Es ist also kein Zufall, sondern beruht eher auf einer bewährten »Kultur der Zusammenarbeit« zwischen Universität und Museum, wenn eine volkskundliche Persönlichkeit aus dem Museumsbereich für ihre Verdienste zum Professor ernannt wird. Dass es allerdings innerhalb eines Jahres gerade zu zwei solchen Ehrungen kommt, ist doch eher außergewöhnlich.
Andererseits stehen Ulrich Bauche und Rolf Wiese geradezu exemplarisch für einen jeweils so unterschiedlichen Bereich der Verbindung zwischen Universität und Museum, dass die zeitliche Nähe der beiden Ehrungen, die heute gemeinsam gefeiert werden können, als ausgesprochen glückliche Fügung bezeichnet werden kann: Die aktuelle Museumslandschaft befindet sich heute in einem tief greifenden Strukturwandel - das hat sie mit den Hochschulen gemein. Hier die traditionellen Aufgaben des Sammelns, Bewahrens und Forschens, dort die an Bedeutung ständig zunehmenden Aspekte des Marketings.

Für die Volkskunde, die sich mit dem Verhältnis von Tradition und Wandel beschäftigt, ist dabei klar, dass Neues nur vor dem Hintergrund des Bestehenden denkbar und möglich wird, Altes in Neuem fortbesteht.
Auch das Museum der Zukunft wird weiterhin eine wissenschaftliche Institution und kein bloßer Rahmen für kulturelle Events sein. Andererseits bedarf auch die Marketingseite der wissenschaftlichen Fundierung, ist es nötig, kulturwissenschaftliches Verständnis mit marktwirtschaftlichen Notwendigkeiten in Einklang zu bringen.

Ulrich Bauche und Rolf Wiese stehen fast exemplarisch für diese beiden zentralen Aspekte:
Hier Ulrich Bauche, ehemals Kustos am Museum für Hamburgische Geschichte, der gelehrte Forscher, der sein Wissen nicht nur in viel beachteten Ausstellungen und Publikationen zugänglich macht, sondern auch seit Jahren in den Dienst der Lehre am Institut für Volkskunde der Universität Hamburg stellt.
Dort Rolf Wiese, Leiter des Freilichtmuseums am Kiekeberg, der seine volkskundlichen und seine ökonomischen Qualifikationen im Bereich »Museumsmanagement« zusammengeführt hat. Auch er macht sich seit längerer Zeit um die Hamburger Volkskunde verdient - der von ihm konzipierte Schwerpunkt »Museumsmanagement« ist vom Fachbereich Kulturgeschichte und Kulturkunde unlängst nach einer mehrjährigen Erprobungsphase als festes Studienangebot etabliert worden.

Die Verdienste der beiden Geehrten werden am heutigen Abend in ausführlichen Laudationes noch eingehender gewürdigt. Ich freue mich darauf, von Ihnen beiden als »Festredner in eigener Sache« Einblick in ihre aktuelle Forschungstätigkeit zu erhalten. Mir bleibt an dieser Stelle, Ihnen für Ihr Engagement zu danken und zu der Ehrung herzlich zu gratulieren.

Es bleibt zu hoffen, dass beide neuen Professores der Universität noch lange verbunden bleiben und so zum fruchtbaren Miteinander von Universität und ihren Nachbarinstitutionen beitragen, das Lehrangebot kompetent verbreitern und auch weiterhin Anstöße und Anregungen für die weitere wissenschaftliche Forschung vermitteln


  Impressum Letzte Änderung: 08 Mar 08 webmaster Seitenanfang