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(vokus. volkskundlich-kulturwissenschaftliche schriften. heft 1, 1/2002. herausgeber: hamburger gesellschaft für volkskunde c/o institut für volkskunde)



Hamburger Gesellschaft für Volkskunde - Winterprogramm

Nachschau zum Sommerprogramm

 

Dagmar Kamlah: "Heidengeld" (Filmabend am Donnerstag, den 15.4.1999)

Dagmar Kamlah hat in Marburg Germanistik und Philosophie studiert und mit einer Arbeit über Sigfried Krakauer abgeschlossen. Seit 1985 dreht sie Kurzfilme. "Heidengeld" ist ihr erster abendfüllender Spielfilm, genau 75 Minuten lang. Mit diesem Film gewann sie den hessischen Filmpreis. Folgend nur einige Gedankensplitter zum Film. Essen, Liebe, Geld -. der Kreislauf verschiedener Modi des Lebens finden ihre Darstellung in dem Film "Heidengeld". Wir sehen in kontinuierlicher Wiederholung Motive wie einen Spiel-Kreisel, der die Welt erklärt, eine kleine Blechspielzeug-Eisenbahn, die Doppelkreise zieht, ein Karussell, das sich dreht. Das Kreiseln vermittelt einen Ausdruck der Harmonie und des Einsseins mit sich selbst, aber trägt er nicht dem Zuschauer auf ein spezifische Bild vom Funktionieren der Welt, ein zirkuläres Geschichtsbild an? Die Protagonisten von HEIDENGELD sind fünf mehr oder weniger "arme" junge Leute, deren Charaktere in aufreizend eindimensionaler Weise angelegt sind. Sie bewegen sich fast raum- und zeitlos umeinanderkreisend, aneinander vorbei, und sie sind in vielfältigen Verweisungen miteinander verknüpft, aufeinander bezogen. Eine etwas ältere Millionärin wirft einen strukturalistisch geschulten Blick auf die Welt und auf das Geld. Gerade wegen der kontinuierlich aufgegriffenen Geld-Symbolik und Geld-Metaphorik wird das GELD aber als Transmissionsriemen sozialer Beziehungen fragwürdig. Der Film fragt vielmehr mit dem Kreiselmotiv nach dem Sinn des Lebens. Das zeigt in wunderbarer Weise der Charakter des Protagonisten Georg, der den ganzen Film hindurch als Fahrradkurier quasi um sein Leben radelt, bis er schließlich im wörtlichen Sinne vor den Kopf gestoßen und so auf den Sinn des Lebens zurückgeworfen wird.

 

Kulturwissenschaftlicher Filmabend (Dienstag, den 27.4.1999)

"Die Mörder sind unter uns" (Wolfgang Staudte, D 1946)

Einführung: Helga Stachow M.A.

(Zu den Filmabenden vgl. den Beitrag von Helga Stachow in diesem Heft)

 

PD Dr. Susanne Regener, Vortrag vom Donnerstag, den 29.4.1999)

»Nachts, wenn der Teufel kam.«

Zur Produktion eines Serienkillers durch Wissenschaft und Medien

 

Mitgliederversammlung am Donnerstag, den 29.4.1999

Die Mitgliederversammlung der Hamburger Gesellschaft für Volkskunde (HGV) war im wesentlichen ein formaler Akt »vereinsmeierlicher« Betätigungen, als da sind Kassenbericht und Entlastung von Kassenprüfern und Vorstand. Umrahmt wurden diese Formalia durch Vorstandberichte über die Tätgikeiten der vorausgehenden Monate sowie die Planungen für das kommende und die künftigen Veranstaltungsprogramme.

 

Dr. Sabina Brändli (Vortrag vom Donnerstag, den 13.5.1999)

Rauch der Erotik – Qualm der Emanzipation.

Bilder der rauchenden Frau im 19. und 20. Jahrhundert

Sabina Brändli lieferte in ihrem Vortrag Ansätze zu einer Ikonographie der rauchenden Frau im 19. Und 20. Jahrhundert. Es ging ihr weniger um den realen Tabakkonsum der Frauen als um dessen symbolische und geschlechtsspezifische Konnotationen. Anhand von Bild- und Textquellen führte Brändli vor Augen, daß bevor sich die soziale Akzeptanz der rauchenden Frau parallel zur Übernahme US-amerikanischen Gepflogenheiten auch im deutschsprachigen Raum einstellte, diese im Rahmen eines polar-bürgerlichen Geschlechterdiskurses entweder als vermännlicht karikiert oder als femme fatale marginalisiert wurde.

Kulturwissenschaftlicher Filmabend (am Dienstag, 1.6.1999)

"Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" (Ulrich Edel, D 1981)

Einführung: Helga Stachow M.A.

(Zu den Filmabenden vgl. den Beitrag von Helga Stachow in diesem Heft)

 

Dr. Christoph Schmitt (Vortrag vom Montag, den 7.6.1999)

Zwischen Wissenschaftsalltag und Nostalgie.

Zur DDR-Volkskunde und der Entwicklung des Fachs in den neuen Bundesländern.

Das Bild der DDR-Volkskunde wurde in der Regel - soweit es sich um Innenperspektiven handelt - von ehemaligen Angehörigen der Berliner Zentralstelle konturiert. Eine Wissenschaftsgeschichte aus der Sichtweise der ,,Außen-stellen", also der volkskundlichen Einrichtungen in Dresden und Rostock, würde sicher in anderer Richtung gewichten; allein der Stellenwert des Regionalen als klassischer Ausgangsbasis volkskundlicher Forschung hat hier erhebliche Konflikte bereitet. Der Vortrag sucht daher die Entwicklung des Fachs vom peripheren Standort Mecklenburg-Vorpommerns aufzuzeigen, und zwar für den Zeitraum von 1939 bis heute. Dabei werden wesentliche Phasen und Brüche aufgezeigt, vom Vermächtnis Richard Wossidlos, der Situation nach 1945, über die Gründung der Rostocker Forschungsstelle, die Akademiereform, die Schaffung und Aufgabe der ,,Folklorezentren", die ,,Wendezeit" und schließlich die heutige Situation des Instituts im Verbund der Philosophischen Fakultät der Universität Rostock. Alternative Entwicklungen volkskundlicher Einrichtungen in anderen neuen Bundesländern fließen mit ein.

 

Kulturwissenschaftlicher Filmabend (am Dienstag, den 29.6.1999)

"Ostkreuz" (Michael Klier, D 1991)

Einführung: Helga Stachow M.A.

(Zu den Filmabenden vgl. den Beitrag von Helga Stachow in diesem Heft)

Vorschau:

Unser kommendes Programm im Winter und Frühjahr 1999/2000

... Dienstag, 26.10.1999, 19 Uhr c.t.

Institut für Volkskunde, Raum 015

Kulturwissenschaftlicher Filmabend: "Die Halbstarken"
(Georg Tressler, BRD 1956)

Einführung: Tobias Knubel

 

... Dienstag, 30.11.1999, 19 Uhr

Institut für Volkskunde, Raum 015

Kulturwissenschaftlicher Filmabend:
"Zur Sache Schätzchen" (May Spils, BRD 1967)
Einführung: Helga Stachow M.A.

 

... Dienstag 14.12.1999, 19 Uhr

Warburg-Haus, Heilwigstraße 116

Festakt aus Anlaß der Verleihung des akademischen Titels

eines Professors an Dr. Ulrich Bauche und Dr. Rolf Wiese

Programm

19.00 Willkommenstrunk im Foyer des Warburg-Hauses
(miteingeschlossen Begrüßung namens des Instituts für Volkskunde durch Prof. Dr. Thomas Hengartner)

19.30 Eröffnung des Festaktes mit einem Grußwort des Präsidenten der Universität Hamburg, Dr. Dr. h.c. Jürgen Lüthje
Laudatio auf Prof. Dr. Ulrich Bauche durch Prof. Dr. Albrecht Lehmann

20.00 Erster Festvortrag von Prof. Dr. Ulrich Bauche
Biographien im Spannungsfeld zwischen ethnischer und sozialpolitischer Exponiertheit: Jüdische Mitstreiter in der Hamburger Arbeiterbewegung

20.45 Pause mit Sektempfang

21.15 Grußwort durch den Dekan des Fachbereichs Kulturgeschichte und Kulturkunde, Prof. Dr. Helmut Rösing

Laudatio auf Prof. Dr. Rolf Wiese durch Prof. Dr. Albrecht Lehmann

Zweiter Festvortrag von Prof. Dr. Rolf Wiese
Braucht Museum Management?!

22.00 Ausklang

 

... Dienstag, 11.1.2000, 19 Uhr

Institut für Volkskunde, Raum 015

Prof. Dr. Silke Göttsch (Kiel)
Populäre Vorstellungen des Nordens

 

... Dienstag 25.1.2000, 19 Uhr

Institut für Volkskunde, Raum 015

Kulturwissenschaftlicher Filmabend:
"Kurz und schmerzlos" (Fatih Akin, D 1998)
Einführung: Timon Bock

 

... Donnerstag 3.2.2000, 19 Uhr

Institut für Volkskunde, Raum 015

Dr. Johannes Moser (Frankfurt/M.)
Kulturwissenschaftliche Perspektiven auf Arbeit

in spätmodernen Gesellschaften

 

... Voraussichtlich Ende Januar / Anfang Februar, Sa. 11.30 – 18 Uhr

Die "Ästhetik des Vertrauens"
Workshop mit Barbara und Winfried Junge (Berlin) zum Film:
"Drehbuch: Die Zeiten. Drei Jahrzehnte mit den Kindern von Golzow" (D 1992)

1961 erhält der Filmemacher Winfried Junge die Gelegenheit, an einem DEFA-Dokumentarfilmprojekt mitzuwirken. Daß daraus die älteste Langzeitbeobachtung in der Geschichte des Dokumentarfilms werden sollte, war damals noch nicht abzusehen. Die Chronik der Kinder von Golzow ist ein bemerkenswertes Filmprojekt. Es ist die Geschichte von 13 Menschen, die 1961, wenige Tage nach dem Bau der Berliner Mauer in Golzow, DDR-Bezirk Frankfurt/Oder, eingeschult wurden. Bisher entstanden neun Filme:

- Wenn ich erst zur Schule geh (1961)

- Nach einem Jahr - Beobachtungen in einer ersten Klasse (1962)

- Elf Jahre alt (1966)

- Wenn man vierzehn ist (1969)

- Die Prüfung (1971)

- Ich sprach mit einem Mädchen (1975)

- Anmut sparet nicht noch Mühe - die Geschichte der Kinder von Golzow (1979)

- Lebensläufe - die Geschichte der Kinder von Golzow in einzelnen Porträts (1980)

- Diese Golzower - Umstandsbestimmung eines Ortes (1984)

Der zehnte Film "Drehbuch: Die Zeiten. Drei Jahrzehnte mit den Kindern von Golzow und der DEFA" ist ein Film über diese Filme, über die Methode der dokumentarischen Erzählung, diesmal nicht chronologisch, sondern bewußt mit Zeitsprüngen arbeitend. Die Montage von Vor- und Nach-"Wende"-Material zeichnet ein komplexes Bild, in das sich der Filmemacher (seit 1983 in Zusammenarbeit mit seiner Frau, Barbara Junge) selbst einbezieht, indem die eigene Arbeit reflektiert wird. Junge schreibt dazu:

"Vertrauen beruht auf Gegenseitigkeit und will errungen sein. Es geht schnell verloren und ist dann nur schwer und nie wieder ganz zu gewinnen. Binsenweisheiten. Was die Filmarbeit mit authentischen Helden betrifft: Sie ist ein ganz besonders sensibles Feld, und das wird meist erst dann erkannt, wenn bereits Geschirr zerschlagen ist. Von den Umständen beim Drehen her, die allein schon wegen der von uns noch immer eingesetzten 35-mm-Technik besonders vielen Zwängen unterliegen, bis zu den Rückwirkungen, die das veröffentlichte Bild auf den Gezeigten hat, ist Filmarbeit dieser Art eine geradezu brutale Sache."

Aber nicht nur unter filmischen Gesichtspunkten ist dieses Projekt für uns als Kulturwissenschaftler interessant. Geht es doch vor allem um den Menschen und um die ihn prägenden und von ihm geprägten Lebensumstände. Das Film-Material ist – unabhängig von seiner "Zeigbarkeit" – auch eine Sammlung von biographischen Daten. Prozesse des Erwachsenwerdens, persönliche Erfolge und Niederlagen sowie die individuelle Neuorientierung nach der Selbstabschaffung des eigenen Staates werden deutlich.

Und so können Sie sich über die Hamburger Gesellschaft für Volkskunde informieren:

»Klassisch« Hamburger Gesellschaft

für Volkskunde

c/o Institut für Volkskunde

der Universität Hamburg

Bogenallee 11

D - 20144 Hamburg

Tel. 040 4123 4974

Fax 040 4123 6346

»Modern« hgvolkskunde@uni-hamburg.de

Im Internet: http://www.rrz.uni-hamburg.de/ volkskunde_hamburg/


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