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(vokus. volkskundlich-kulturwissenschaftliche schriften. heft 1, 1/2002. herausgeber: hamburger gesellschaft für volkskunde c/o institut für volkskunde)



Stormarns Weg in die Moderne. Zu den Stormarner Kultur- und Geschichtstagen 1999

Karin Gröwer


»Stormarn - das ist ein Katzensprung zwischen Hamburg und Lübeck. Dreißig Minuten Autobahn und man ist hindurch. Doch, wer das Leben immer nur vom Betonband genießt, der bringt sich um den schönsten Teil. Stormarn ist eine Fundgrube, wenn man abseits der Autobahn Land und Leute kennenlernt. Stormarn ist eine Pause wert ...«. So preist ein Stormarn-Führer aus den 1960er Jahren die Vorzüge des Kreises. Er greift dabei die jahrhundertealte Funktion der Region als Transitland auf und verweist ansonsten auf historische Sehenswürdigkeiten und den Erholungswert des Landes, auf seine »behagliche Beschaulichkeit«.
Betrachtet man die zeitgenössische Statistik, so scheint sie das Bild der »Beschaulichkeit« zu bestätigen: Der Kreis war fast ausschließlich agrarisch strukturiert, von seinen 791 km² Fläche wurden 1960 noch rund 600 km² land- und forstwirtschaftlich genutzt. Die meisten Kreisbewohner lebten noch in ländlichen Zusammenhängen, und selbst die Städte waren noch überschaubar. Um 1980 dagegen war die Bevölkerung von ca. 141.000 auf 187.000 angewachsen, die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe aber von 3.100 auf rund 1.800 zurückgegangen. Stormarn hatte, v.a. im Süden, nun zahlreiche florierende Gewerbe- und Industriebetriebe aufzuweisen und zählte zu den wirtschaftsstärksten Kreisen Norddeutschlands. Was verbirgt sich hinter dieser Diskrepanz ? Welche grundlegenden Veränderungen hatten mittlerweile stattgefunden ?

»Modernisierung« war das Motto gewesen in den beiden dazwischenliegenden Jahrzehnten. Ökonomisierung, Rationalisierung, Standardisierung lauteten die Forderungen, die - von US-amerikanischen Wirtschaftsstrategen entwickelt - seit Ende der 50er Jahre Eingang in die bundesrepublikanische Wirklichkeit gefunden hatten. Sie veränderten auch Stormarns Struktur grundlegend. Diesen Prozeß in seinen Auswirkungen auf das Leben der Bevölkerung zu beleuchten, haben sich die diesjährigen Stormarner Kultur- und Geschichtstage zur Aufgabe gestellt. Der vorliegende Beitrag kann und will keine Bestandsaufnahme des Modernisierungsprozesses in Stormarn liefern. Er soll vielmehr einen Einblick geben in das vielfältige Geschehen der damaligen Zeit und dazu anregen, die einzelnen beschriebenen oder auch vermißten Aspekte in den unterschiedlichen Veranstaltungen der Stormarner Kultur- und Geschichtstage näher zu erkunden.
Das in der zitierten Broschüre geschilderte idyllisierende Bild hatte wesentliche Probleme des Kreises ausgeblendet: Durch die Kriegs- und Vertreibungsflüchtlinge, die sich mittlerweile dauerhaft in Stormarn niedergelassen hatten, war bereits zu Ende der 50er Jahre die Bevölkerungszahl im Vergleich zur Vorkriegszeit erheblich angewachsen. Wohnungsbau und Arbeitsplatzangebot hatten jedoch mit dieser Entwicklung nicht Schritt gehalten, die Zahl der Auspendler war enorm. Im wichtigsten Wirtschaftszweig des Kreises, der Landwirtschaft, bahnten sich dramatische Veränderungen an.

Da Industriebetriebe bessere Verdienstmöglichkeiten boten, wanderten immer mehr Beschäftigte aus der Landwirtschaft in die Firmen und Fabriken der Großstädte ab. Kleine oder Nebenerwerbsbetriebe, die ihre Arbeitskräfte nicht durch entsprechende Löhne auf dem Hof halten konnten, mußten ihren Viehbestand reduzieren oder ihre Anbauflächen durch Verpachtung oder Verkauf verkleinern. Größere Betriebe waren dagegen mit Hilfe von Krediten in der Lage, menschliche Arbeitskraft durch die Anschaffung technischer Geräte zu ersetzen. Der sinnvolle Einsatz dieser großen Maschinen erforderte wiederum einen weiteren Ausbau der Wirtschaftswege und die Arrondierung der Anbauflächen. Im Gegensatz zu anderen Regionen Schleswig-Holsteins wurden staatliche Flurbereinigungsmaßnahmen in Stormarn nur in wenigen Gebieten durchgeführt. Zukauf oder Pachtung von Land und Umlegung von Flurstücken folgten hier meist privaten Übereinkünften. Die aufgrund der EU-Preispolitik sinkenden Erzeugerpreise konnten nur durch Ertragssteigerungen aufgefangen werden. Dementsprechend verkleinerten viele Landwirte ihre Produktpalette und gingen mittels chemischer Düngung und Pestizideinsatz zu einer intensiven Bewirtschaftung über. So wichen in diesem Zeitraum viele kleine Selbstversorgerhöfe mit gemischter Landwirtschaft wenigen mittleren und großen Betrieben mit spezialisierter Produktion und hoher technischer Ausstattung. Massentierhaltung wurde als ökonomischer Fortschritt angesehen. Um ein Beispiel für moderne landwirtschaftliche Produktionsmethoden zu geben, kündigte der damalige Bundeslandwirtschaftsminister Schwarz 1964 an, auf seinem Hof Frauenholz bei Bad Oldesloe in einer fabrikartigen Halle einen Legehennen-Großbetrieb einzurichten. Mechanisierung, Rationalisierung, Intensivierung und Spezialisierung sollten helfen, die vom allgemeinen Strukturwandel und der europäischen Agrarpolitik bedrohte Landwirtschaft überlebens- und konkurrenzfähig zu halten.
Höfe, die nicht mehr rentabel wirtschaften konnten oder bei denen die nachfolgende Generation nicht mehr an der Weiterführung interessiert war, wurden aufgegeben. Da gleichzeitig viel Agrarland als Bauland oder für Gewerbeflächen veräußert wurde, verringerte sich nicht nur die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe, sondern auch der Anteil des agrarisch genutzten Bodens. Insgesamt fand also sowohl ein Konzentrations- als auch ein Reduktionsprozeß statt. Gemessen am Gesamtwirtschaftseinkommen verlor die Landwirtschaft in diesem Zeitraum ihre herausragende Bedeutung für Stormarn.

Im Einzugsbereich Hamburgs bekam der Süden Stormarns die ersten Auswirkungen der Modernisierung schon früh zu spüren. Für die mittlerweile im Kreis seßhaft gewordenen Flüchtlinge, die im Vergleich zur Vorkriegszeit fast zu einer Verdoppelung der Bevölkerung geführt hatten, und den beginnenden Zuzug aus Hamburg reichte der vorhandene Wohnungsbestand nicht aus. Die Einwohner mußten zudem mit entsprechender Infrastruktur versorgt werden, was die Gemeinden vor große finanzielle Schwierigkeiten stellte. Denn die meisten der Zugezogenen lebten zwar auf Stormarner Gebiet, pendelten zur Arbeit jedoch nach Hamburg. Und dort wurden sie, den damaligen Bestimmungen gemäß, auch besteuert, so daß sie nicht zur Deckung der kommunalen Aufgaben ihrer Wohngemeinde beitrugen. Der frühere Kieler Innenminister Schlegelberger umriß die Gefahren mit den Worten: »Südstormarn darf nicht zum Abstellgleis der Weltstadt Hamburg werden.«
Überall, wo damals in Westdeutschland stark urbanisierte oder industrialisierte Gebiete auf ihre ländliche Umgebung übergriffen, zeigten sich ähnliche Probleme: Es mußten erstens Arbeitsplätze geschaffen werden, um das Steueraufkommen vor Ort zu stärken und die Entwicklung ganzer Gemeinden zu Schlafstädten zu verhindern. Zweitens fehlten übergreifende Konzepte, um eine ungeregelte Bebauung und Zersiedelung der Landschaft zu verhindern.
Stormarn hatte auf die drängenden Anforderungen eigene Antworten gefunden: Zur gezielten Gewerbeansiedlung war 1957, initiiert vom Kreiswirtschaftsausschuß und in Zusammenarbeit mit der Kreissparkasse Stormarn und der Landesbank die WAS (Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft) gegründet worden. In Form einer GmbH fungierte sie als Schaltstelle zwischen Kommunen, Wirtschaftsunternehmen und Kreis. Meist erwarb sie den Boden für neue Gewerbeansiedlungen, erschloß das Gelände und suchte dann geeignete Unternehmen, an die sie die Flächen zur Niederlassung weiterveräußerte. Gewerbegebiete in Harksheide, Reinbek-Glinde-Schönningstedt, Bargteheide, Bad Oldesloe, Trittau und Ahrensburg waren die ersten erfolgreichen Ergebnisse dieser Bemühungen. Bis Mitte der 70er Jahre konnte die WAS in Stormarn auf diese Weise, wie Norbert Fischer ermittelte, bereits »über 200 Unternehmen mit über 20.000 Arbeitsplätzen ansiedeln«. Hauptsächlich handelte es sich bei ihnen um kleine bis mittelständische Unternehmen. Fischer belegt, daß die von der WAS geschaffenen günstigen Bedingungen dem bestehenden Trend Hamburger Betriebe, ihren Standort aus der Metropole ins Umland zu verlegen, entgegenkamen. Vor allem dieser Trend zur Standortverlagerung war es, der den gewerblich-industriellen Aufschwung Südstormarns in die Wege leitete. Die Abwanderung der Arbeitskräfte aus dem Kreisgebiet konnte tatsächlich eingedämmt werden; der Kreis zog nun sogar Einpendler an. Stormarn war nicht mehr nur Hinterland, sondern zu einer Region mit eigener Wirtschaftskraft geworden.
Hatte man diese Aufgabe noch kreisintern in Angriff genommen, so erforderte eine sinnvolle und konsequente raumplanerische Gestaltung überregionale Zusammenarbeit. Auch hier lagen die Anfänge im Großraum Hamburg: Seit 1955 arbeiteten der Gemeinsame Landesplanungsrat Hamburg/ Schleswig-Holstein, seit 1960 zusätzlich die Arbeitsgemeinschaft der vier Hamburg-Randkreise an der systematischen Entwicklung des Hamburger Umlandes. Die Regionalplanung in Schleswig-Holstein wurde durch das 1. Landesplanungsgesetz 1961 auf gesetzliche Grundlagen gestellt.
Die Konzepte für den Einzugsbereich der Großstadt Hamburg griffen das von Fritz Schumacher bereits zur Zeit des Ersten Weltkriegs entwickelte sog. »Achsenmodell« auf. Danach sollten Bebauung und wirtschaftliche Entwicklung entlang der sternförmig ins Umland reichenden Hauptverkehrsverbindungen gefördert, die Achsenzwischenräume dagegen möglichst in ihrem bestehenden Zustand belassen werden. Die Hauptentwicklungsachse auf Stormarner Gebiet zog sich entlang der alten Verbindung Hamburg - Lübeck über Ahrensburg und Bargteheide nach Bad Oldesloe. Im Süden führte eine Achse über Reinbek nach Schwarzenbek, im Nordosten lief die Achse nach Kaltenkirchen über die bis 1970 noch zum Kreis gehörigen Gemeinden Harksheide und Glashütte. Zwar verlor Stormarn 1970 durch die Gründung Norderstedts mit diesen beiden Orten einen wirtschaftlich bereits besonders weit entwickelten Teil seines Gebietes. Es wurden aber andere Gemeinden, wie z.B. Barsbüttel, Lottbek oder Hoisbüttel, die sich aufgrund einer wirtschaftlichen Eigendynamik dem Achsenkonzept ohnehin schon entzogen hatten, mit dem Konstrukt der »Besonderen Wirtschaftsräume« verstärkt einer verdichteten Besiedlung und industriellen Nutzung zugeführt.
Unabhängig von dem Achsenkonzept folgte die schleswig-holsteinische Raumplanung dem von der Bundesregierung zur Regionalentwicklung favorisierten System der »Zentralen Orte«. Als Mittel- bzw. Unterzentren oder Stadtrandkerne I. bzw. II. Ordnung sollten Gemeinden wie Ahrensburg, Bargteheide oder Reinbek das weniger entwickelte Umland mit Arbeitsplätzen, Einkaufsmöglichkeiten, schulischen und kulturellen sowie Gesundheitseinrichtungen versorgen. Außerdem sollten sie gut erreichbar sein. Um diese Aufgaben erfüllen zu können, wurden sie durch Bundes- und Landesmittel unterstützt. Die Stadt Bad Oldesloe profitierte sogar von mehreren Faktoren: Schon als Mittelzentrum und zugleich äußerem Achsenschwerpunkt waren ihr besondere wirtschaftsfördernde Maßnahmen zugedacht. Zudem war Bad Oldesloe seit 1949 Kreisstadt. In den folgenden Jahren wurden mehrere neue Verwaltungsgebäude errichtet, kreiseigene Einrichtungen wie das Kreiskrankenhaus oder das Amtsgericht erweitert bzw. neugebaut. Mehrere Verbände und Dienstleistungsunternehmen, darunter die Kreishandwerkerschaft und die Kreissparkasse, legten ihre Zentralen nach Bad Oldesloe. Unterschiedliche Entwicklungskonzepte und Förderungsmöglichkeiten - zu denen nicht zuletzt auch die staatlichen Zuwendungen für Zonenrandgebiete zählten - sollten also in den 60er, 70er Jahren den Strukturwandel des Kreises vorantreiben.

Augenfällig manifestierte sich dieser Wandlungsprozeß für die Kreisbewohner in den zu dieser Zeit allgegenwärtigen Baumaßnahmen. Das Straßenverkehrsnetz wurde den modernen Anforderungen angepaßt: Die von Kiel kommende B404 wurde in Richtung Geesthacht verlängert und bildete so eine der wichtigsten Verkehrsadern des Kreises. Das Landstraßennetz wurde ausgeweitet, die Fahrbahnen verbreitert und asphaltiert. Da die Automobilisierung immer breitere Kreise der Bevölkerung erfaßte, waren die engen alten Ortsdurchfahrten die meiste Zeit verstopft und rettungslos zugeparkt. Auch sie wurden jetzt verbreitert, dazu mit Bürgersteigen und besserer Beleuchtung versehen, neuer Parkraum wurde geschaffen. Schattenspendende Straßenbäume oder ganze Alleen fielen dabei der Spitzhacke zum Opfer. So mußten Mitte der 60er Jahre in der meist mit Linden bestandenen - und auch heute wieder erfreulich grünen - Bargteheider Innenstadt fast alle Bäume den Straßenerneuerungen weichen. Andernorts wurden Umgehungsstraßen angelegt, die z.T. nicht unerheblich in das bisherige Ortsgefüge eingriffen. Die in den 60er Jahren begonnene und 1978 fertiggestellte sog. Nordtangente (»Ring«) in Bad Oldesloe zum Beispiel, als Teil der B75, zerschnitt den historischen Bürgerpark mit dem Exer und zerstörte die alte Platzanlage am Pferdemarkt.
Nach und nach veränderte sich so das gewohnte Ortsbild: Alte Häuser, die baufällig waren oder der neuen Straßenführung im Wege standen, wurden abgerissen - selbst wenn sie nach heutigen Maßstäben durchaus erhaltenswert und restaurierungsfähig waren. Vereinzelte Bauernhöfe, die noch innerhalb der Orte existierten, wurden umgenutzt oder an den Ortsrand ausgesiedelt. Der fast völlige Rückgang der Landwirtschaft in den größeren Orten korrespondierte mit der Zunahme von Gewerbe und Industrie, was auch die Ansiedlung von Dienstleistungsbetrieben - Anwaltskanzleien, Geldinstitute, Krankenkassen, Fachärzte, Apotheken, Gaststätten und Restaurants nach sich zog. Das einheitliche Straßenbild mit seinen kleinen traufen- oder giebelständigen, noch aus Backstein bzw. Fachwerk bestehenden Häusern wurde durchsetzt mit neuen, funktionalen, kastenförmigen Wohn- und Geschäftsgebäuden mit mehreren Stockwerken. Dabei setzten die Fertigbauweise mit ihren normierten Formen, Sichtbeton oder Eternitverkleidung neue optische Akzente. Im Erdgeschoß luden jetzt große Ladenflächen mit moderner Schaufenstergestaltung zum Kauf ein. Ladenketten, Supermärkte und schließlich die ersten großen Einkaufszentren »auf der grünen Wiese« verdrängten zunehmend die kleinen Gemischtwaren- und Lebensmittelläden. Das Kaufhaus »Nickel« (heute »Mohr«) eröffnete 1965 im Zentrum Bad Oldesloes seine neue Geschäftsstelle mit 1.500 m² Verkaufsfläche und den vielbewunderten ersten Rolltreppen in Stormarn.
Teilweise wurden zentrale Plätze oder Verwaltungsgebäude nach modernen architektonischen Gesichtspunkten umgestaltet oder ganz neu errichtet. Ein Paradebeispiel ist das 1969 angelegte Ahrensburger Rathaus und der davorliegende Rathausplatz samt umgebender Randbebauung. Mit diesem Ensemble wollte die Stadt abseits vom alten Stadtkern einen neuen modernen Mittelpunkt schaffen. Von den Bewohnern nur als Parkplatz oder anläßlich des Wochenmarktes genutzt, gilt er heute als Zeugnis einer fehlgeschlagenen Planung.

Nicht alle großen Bauvorhaben dieser Zeit wurden - in manchen Fällen möchte man sagen: glücklicherweise - in die Realität umgesetzt: So etwa die für Wulksfelde im Landschaftsschutzgebiet geplante Hochhaus-Großsiedlung für 6.000 Einwohner, die Verrohrung und Überbauung des Travearms in Bad Oldesloe mit einer Durchgangsstraße oder die Überlegungen hinsichtlich eines Flugplatzes bei Witzhave oder Braak. Es zeigte sich auch, daß die ursprünglichen Prognosen zum Bevölkerungsanstieg einzelner Kommunen viel zu hoch gegriffen waren bzw. bei der weiteren Raumplanung neu überdacht werden mußten. Bad Oldesloe blieb von der noch Mitte der 60er Jahre vorhergesagten Entwicklung zur Trabantenstadt Hamburgs mit 40.000 Zuwanderern verschont, und auch der für Ahrensburg damals erwartete gewaltige Einwohnerzuwachs hielt sich in Grenzen.
Trotzdem: Die Ortskerne verdichteten sich überall; in den größeren Gemeinden setzte sich mit Geschäftszentrum, Wohnsiedlungen und Gewerbegebieten eine, z.T. bewußt angestrebte, funktional-sozialräumliche Gliederung durch. Im Südstormarner Raum vollzog sich zwischen 1960 und 1980 eine rasche Suburbanisierung. Die Verflechtungen mit der Großstadt wurden immer enger, begünstigt auch durch die verbesserten Verkehrsanbindungen, beispielsweise die Einbeziehung in den 1967 gegründeten Hamburger Verkehrsverbund. Stormarner Bürger fuhren zu ihren Arbeitsstellen nach Hamburg, nutzten zunehmend die Einkaufs- und Kulturangebote der Großstadt, während Hamburger das stormarnsche Umland als Erholungsgebiet schätzten oder gar ihren Arbeitsplatz oder Wohnsitz gleich ganz in den grünen Nachbarkreis verlegten. Der Weg hin zu einer Metropolregion Hamburg war bereits unumkehrbar geworden.
Andererseits gab es durch das schleswig-holsteinische Landesprogramm der »Dorferneuerung« auch Bestrebungen, in ausgewählten Fällen den herkömmlichen Dorfcharakter zu erhalten oder wiederherzustellen. Ein Beispiel hierfür ist Bünningstedt, heute Ortsteil Ammersbeks, für das 1969 der Regionalplan die überwiegend landwirtschaftliche Struktur und das traditionelle Bebauungsbild festschrieb. Meist wurden aus den kleinen Bauerndörfern jedoch reine Wohngemeinden im Grünen.
Um den insgesamt steigenden Bevölkerungszahlen und wachsenden Anforderungen an die Ausstattung mit Wohnraum gerecht zu werden, erschlossen die Kommunen neue Wohngebiete. Zur herkömmlichen Bauweise - 1-2-geschossige Einzel- und Doppelhäuser mit umgebendem Garten - traten zunehmend Reihenhäuser oder Siedlungen mit mehrgeschossigen Wohnblocks (so das Beispiel »Am Schanzenbarg« in Bad Oldesloe), z.T. über den öffentlich geförderten sozialen Mietwohnungsbau finanziert. Aus der Vogelperspektive wirken diese Anlagen wie Fremdkörper im gewachsenen Bild der Orte. In Reinbek, Bad Oldesloe und Reinfeld feierte man die ersten Hochhäuser des Kreises als Zeichen des Fortschritts. Das Reinbeker Sachsenwaldhochhaus galt Mitte der 60er Jahre mit seinen 20 Stockwerken sogar als das höchste in ganz Schleswig-Holstein. Überall im Kreis wurde nun auch die Verbesserung der Infrastruktur in die Wege geleitet. Noch immer gab es Orte, in denen die Häuser nicht an ein kommunales Leitungsnetz angeschlossen waren, sondern durch eigene Trinkwasserbrunnen versorgt wurden. Abwasserkanalisation mußte gelegt werden, es fehlten moderne Kläranlagen (1966 konnte das für damalige Maßstäbe hochmoderne Klärwerk Trittau eingeweiht werden) und geregelte Mülldeponien. Um Fehlinvestitionen zu vermeiden, schlossen sich Kommunen zu Zweckverbänden zusammen - so der 1960 ins Leben gerufene Zweckverband Südstormarn, dem u.a. Glinde und Oststeinbek angehören.

Die Segnungen der Modernisierung erfaßten nicht alle Teile des Kreises in gleichem Maße. Während der Süden einen enormen Aufschwung zu verzeichnen hatte, blieb Stormarns Norden das Stiefkind der Modernisierung. Vom Strukturwandel ausgeklammert, behielt er weitgehend seinen ländlichen Charakter, diente hauptsächlich der landwirtschaftlichen Produktion und Erholungszwecken. Eine Neuansiedlung von Gewerbe und Industrie war nicht vorgesehen, alteingesessene Handwerks- und Kleingewerbebetriebe verschwanden zusehends. Abgesehen von der Strecke Hamburg - Lübeck existierten keine größeren Straßen. Die Buslinien des öffentlichen Personennahverkehrs wurden zunehmend ausgedünnt, so daß viele Dörfer nur zweimal am Tag durch den Schulbus angefahren wurden. Bauland wurde - selbst für Ortsansässige - nur stark eingeschränkt ausgewiesen. Die schlechten Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten hatten zur Folge, daß viele junge Leute ihre Heimatgemeinden verließen. »Uns fehlte plötzlich eine Generation im Dorf«, wird berichtet, »sichtbar daran, daß deutlich weniger kleine Kinder im Ort lebten«. Gerade hier, im ländlichen Nordstormarn, fühlten sich in den 1960er/70er Jahren viele Bewohner von der wirtschaftlichen Entwicklung im Kreis abgekoppelt.
Abgesehen von dem Norderstedt-Gesetz 1969 sorgten in den 1970er Jahren die Kommunalreformen für erhebliche Unruhe. Das 1973 erlassene Gesetz zur kommunalen Neuordnung strebte landesweit in Schleswig-Holstein eine Zusammenlegung kleiner Ortschaften und Ämter an, um eine Rationalisierung der Verwaltung, größere finanzielle Leistungsfähigkeit der Kommunen und eine wirksamere Interessenvertretung ihrer Bürger zu erreichen. Das Ziel waren Gemeinden mit mindestens 1.000 Einwohnern. Dabei sollte auf bereits bestehende Verkehrsverbindungen, auf landschaftliche Gegebenheiten sowie wirtschaftliche, historische und kulturelle Verbundenheiten Rücksicht genommen werden. Zwar sollte der Zusammenschluß grundsätzlich auf Freiwilligkeit beruhen. Behinderte eine Weigerung jedoch besonders vorteilhafte Entwicklungen, so sah das Gesetz auch zwangsweise Gemeindezusammenführungen vor. Um den Entschluß zur Kooperation zu erleichtern, bot man den neuen Gemeinden von Landesseite einen Beitrag von 150,- DM pro Einwohner sowie einen Zuschuß zu Investitionsmaßnahmen.
Auch in Stormarn kam es bis 1978 zu zahlreichen Gemeindezusammenschlüssen. Die Finanzhilfen von Kreis und Land dienten in der Regel der Verbesserung der Infrastruktur - Straßen- und Wegebau, Kanalisation etc. Oftmals wurden auch Gebäude errichtet, die eine neue Mitte für die Bürger symbolisieren und die Integration fördern sollten: War kein neues Verwaltungsgebäude vonnöten, entstand eine Mehrzweckhalle, ein Bürgerhaus oder ein Feuerwehrgerätehaus. Nicht immer aber gelang es, den neugeschaffenen kommunalen Gebilden ein eigenes Selbstverständnis und ihren Bürgern ein Gefühl der Zusammengehörigkeit zu vermitteln. Wenn, wie im Falle Jersbeks, die zusammengelegten Ortsteile schon zuvor keine Gemeinsamkeiten besessen hatten, ist die Kluft im Bewußtsein der Bewohner z.T. heute noch spürbar. Andere Gemeinden wiederum konnten sich einer von oben gewünschten kommunalen Anbindung entziehen. So blieb Heidekamp trotz der Bestrebungen, es mit Zarpen oder Reinfeld zusammenzulegen, bis heute die kleinste selbständige Gemeinde im Amt Nordstormarn. Auf gerichtlichem Wege, wie das Amt Zarpen, stritten zwar die wenigsten um die Fortdauer ihrer Selbständigkeit. Bis heute jedoch rufen die damaligen staatlichen Bemühungen, im ländlichen Stormarn modernere, handlungsfähigere kommunale Strukturen zu schaffen, immer wieder vereinzelt Bürgerproteste und Separationsbestrebungen hervor.

Modernisierung hieß aber auch: Den Bewohnern ländlicher Gebiete sollten - natürlich in kleinerem Rahmen - dieselben Bildungs- und Freizeitmöglichkeiten, Sozialeinrichtungen und Kulturangebote offenstehen wie den (Groß-)Städtern. Dementsprechend wurden mehr Kindergärten gebaut und Versorgungsplätze für alte Menschen geschaffen - Reinfeld eröffnete stolz 1965 das neue Kreisaltenheim. Im Zuge der Bildungsreformen in den 60er Jahren war man zu der Einsicht gelangt, daß ein umfassenderes und vertieftes Wissen besser in großen Mittelpunktsschulen mit speziellen Funktionsräumen und Fachlehrern vermittelt werden konnte als in kleinen, oft nur 1-2klassigen Dorfschulen. Als Folge davon waren in den 60er Jahren die meisten kleinen Dorfschulen geschlossen und zu Dörfergemeinschaftsschulen zusammengefaßt worden. Den als zentrale Orte eingestuften Kommunen oblag es, der Bevölkerung in ihrem Einzugsbereich weiterqualifizierende Schulen zur Verfügung zu stellen. Seit Mitte der 60er Jahre drängten zudem besonders geburtenstarke Jahrgänge in die Schule, und so kam es in Stormarn seit Ende des Jahrzehnts zu einem wahren Bauboom: Gymnasien, Real-, Berufs- und Sonderschulen oder komplette Schulzentren wurden errichtet. Eng verbunden damit war die Anlage umfangreicher Sportstätten - Turnhallen, Sportplätze, Schwimmbäder usw.
Eine bessere räumliche Ausstattung und eine Ausweitung des Angebotes der Volkshochschulen stärkte die Erwachsenenbildung im Kreis. Zwar verfiel in den 1960er Jahren das früher so beliebte Naturtheater in Bad Oldesloe, es entstanden jedoch überall im Kreis modernen Ansprüchen angepaßte Auftrittsmöglichkeiten für lokale Musik- und Theatergruppen oder Gastspiele auswärtiger Künstler. Bad Oldesloe erhielt 1965 die erste Stadtbibliothek und 1973 eine neue große Festhalle. In Bargteheide gründete sich 1967 der bis heute mit großem Erfolg arbeitende Kulturring. In derartigen ehrenamtlichen kulturellen Zusammenschlüssen engagierten sich oftmals auch neu zugezogene Bürger. Mit ihren großstadtgewohnten Ansprüchen an Kultur befruchteten sie ihr neues Umfeld und schufen sich zugleich Gelegenheit zur rascheren Integration.

Die Stormarner und Stormarnerinnen - wie bewerten sie die Entwicklungen dieser Zeit ? Bei den heute 60- bis 70-Jährigen kommt der Erinnerungsprozeß gerade an diesen Zeitraum nur schwer in Gang. Für sie waren es Krieg, Nachkriegszeit und die Aufbaujahre der 1950er, die die prägenden Spuren im Gedächtnis hinterließen. Abgesehen von ganz persönlichen Schicksalsschlägen brachten dann erst wieder der Eintritt ins Rentenalter bzw. die Hofauf- oder -übergabe in den letzten Jahren eine stärkere Zäsur. Obwohl sich in den 1960er/70er Jahren bedeutsame Veränderungen im Kreis vollzogen, stellt dieser Zeitraum, sofern die Ereignisse nicht ihre ganz private Welt berührten, in ihrer Erinnerung »nichts Besonderes« dar. Wenn, dann sind es eher die kleinen Dinge, von denen auf Nachfrage berichtet wird: Das Auto, der Fernseher wurden zu selbstverständlichen Gebrauchsgegenständen, bei denen lediglich die Modelle wechselten. Haushaltsgeräte, landwirtschaftliche Maschinen steigerten die technische Ausstattung der Haushalte und Höfe, erleichterten den Arbeitsalltag und schufen v.a. den Frauen mehr Freiraum für neue Aufgaben und Interessen. Die Veränderung der Ortsbilder in den 1960er, 1970er Jahren wird rückblickend nicht immer als Fortschritt bewertet. Viele Bürger betrauern heute das Verschwinden alter Häuser, Straßen oder Bäume, die für sie markante Orientierungspunkte dargestellt hatten.
Als wichtige negative Einschnitte empfanden viele die Auflösung der Dorfschulen und die Zusammenlegung von Ortschaften. Beides veränderte grundlegend die überkommenen dörflichen Strukturen. Gerade die Schulen waren häufig Kristallisationspunkt kultureller Veranstaltungen gewesen. Dorffesten wie beispielsweise dem Vogelschießen fehlte nun die organisatorische Basis. Sie schliefen entweder ein oder konnten, wie z.B. in Jersbek, nur durch private Initiative vor dem Aussterben gerettet werden. Durch die Zusammenlegung zu einer neuen Gemeinde verloren die bisherigen Dörfer ihren angestammten Mittelpunkt. Die Verwaltung wurde verlegt, Poststellen geschlossen. Oftmals stellte der einzige Laden im Ort seinen Betrieb ein, weil er im Vergleich zu den Supermärkten der Umgebung nicht mehr konkurrenzfähig war. Der traditionelle Dorfkrug konnte sich nicht immer gegen das neu errichtete Bürger- oder Feuerwehrgerätehaus behaupten, in dem nun die Vereine tagten und oftmals auch die lokalen oder privaten Feierlichkeiten abgehalten wurden. Gerade für ältere Menschen, die an der allgemeinen Motorisierung nicht teilhatten, verringerten sich so die Kommunikationsmöglichkeiten. Der tägliche Austausch mit den Nachbarn beim Einkaufen oder im Gasthof fehlte, ihr Alltag verlief isolierter als zuvor. Die Modernisierungen dieser Zeit hatten also - wie schon die Situation der kleinen Landwirte zeigte - auf der persönlichen Ebene durchaus auch Verlierer zu verzeichnen.

Die umwälzenden Ereignisse, die die Gesellschaft zu dieser Zeit erschütterten und für die gerade Hamburg einer der Brennpunkte war - die Protestbewegung der 68er, RAF und Terrorismushysterie, die Umwelt- und Anti-AKW-Bewegung -, nahmen die Stormarner und Stormarnerinnen nur durch Presse, Funk und Fernsehen wahr. Noch spielte sich ihr alltägliches Leben fast ausschließlich in lokalen und regionalen Zusammenhängen ab. Doch auch hier zeigten die Impulse, die von einer Neubewertung der Jugend für die gesellschaftliche Modernisierung ausgingen, letztendlich ihre Wirkung. »Jugend« war seit den 1960er Jahren zu einem Wert an sich geworden, bei dem die Protagonisten ihre Wege, Ziele und Freizeitmöglichkeiten selbst bestimmten und eigene Konsumwelten schufen.
Der Erwartungshorizont der Jugendlichen orientierte sich auch in Stormarn an dem von den Medien vermittelten Bild der neuen Jugendkultur. Die Realisierungsmöglichkeiten in ihrer ländlichen Umwelt blieben jedoch deutlich dahinter zurück. Dieses Defizit hatte die traditionelle Institution der Landjugend rechtzeitig erkannt. Indem sie u.a. Reisen und zeitgemäße Musikveranstaltungen in ihr Programm aufnahm, gelang es ihr, für viele Jugendliche im Kreis Anlaufpunkt und Bindeglied in ihrer Freizeit zu bleiben. Seit Beginn der 60er Jahre arbeitete zudem erfolgreich der dem Kreisjugendring angegliederte Jugendkulturring, der, vom Kreis bezuschußt, Theaterfahrten für Jugendliche organisierte. Rein kommerzielle Angebote - Kneipen, Diskotheken, Musikveranstaltungen - waren in den ländlichen Gebieten des Kreises dünn gesät. Außerdem setzte das Jugendschutzgesetz dem Amüsierwillen Grenzen. Polizei und Jugendamt veranstalteten in den 60er Jahren noch regelrechte »Razzien«, bei denen sie die Minderjährigen wegen »sittlicher Gefährdung« und Alkoholgenuß aufgriffen, zur Wache brachten und dort von ihren Eltern abholen ließen. Jugendliche, die die Vergnügungsmöglichkeiten der beiden Großstädte nutzten, scheinen eher die Ausnahme gewesen zu sein. Für die Jugendlichen im Kreis, die oftmals nach der Schule oder abends nach der Lehre noch im elterlichen Betrieb arbeiteten, zählten kurze Wege. Sie trafen sich eher reihum auf privaten oder dörflichen Veranstaltungen oder richteten - wie in Reinfeld - in Eigenarbeit Treffpunkte oder Jugendclubs ein. Mitte der 1970er Jahre schließlich erreichte die Jugendzentrumsbewegung aus den Städten auch Stormarn. In einer Reihe von Initiativen im Kreis wurde gemeinsam Popmusik gehört, politische Ereignisse diskutiert, um eigene Räume gekämpft und Basisdemokratie erprobt. Nach langem Ringen mit der Gemeinde konnte schließlich 1976 in Bargteheide das neuerbaute Jugendzentrum eröffnet werden.
Wenn sich auch von diesen Zeichen des Aufbruchs nur noch wenige bis heute erhalten haben - ihre richtungsweisenden Inhalte wurden von den Konzepten der institutionellen Jugendarbeit im Kreis adaptiert. Wie überall, so mußte sie sich auch in Stormarn neuen Inhalten öffnen und den jungen Menschen mehr Mitbestimmung einräumen. Die Ideen der damaligen Jugend haben also auf lange Sicht Wirkung gezeigt. Diese Generation war es auch, die in den 80er Jahren auf die negativen Folgen der Modernisierung mit ökologischem Engagement antwortete, die mit der Friedensbewegung, mit einer Neubestimmung der Frauenrolle und der Stärkung der Rechte von Minderheiten beitrug zu einer weiteren Demokratisierung der Gesellschaft.
Aus dem ländlichen, beschaulichen Landkreis kurz nach der Jahrhundertmitte ist längst eine moderne Wachstumsregion geworden. Die Grundlagen dafür schufen die Modernisierungen der 1960er, 1970er Jahre: der wirtschaftliche Strukturwandel, der verkehrstechnische und infrastrukturelle Ausbau, die bauliche und verwaltungsmäßige Umgestaltung der Kommunen, die Veränderungen der Gesellschaft. Dank ihner ist Stormarn heute - um auf das eingangs gezeichnete Bild zurückzukommen - weit mehr als »eine Pause wert«.

Vieles, was an dieser Stelle nur skizziert werden konnte, wird im Rahmen der diesjährigen Stormarner Kultur- und Geschichtstage durch Ausstellungen, Vorträge, Podiumsdiskussionen usw. vertieft werden. Die individuellen Erinnerungen und Ansichten der Stormarner und Stormarnerinnen sind gefragt - bei Zeitzeugeninterviews, in Diskussionsveranstaltungen, aber auch im persönlichen Gespräch am Rande.1 Bislang ist die jüngste Vergangenheit Stormarns nur in Ansätzen aufgearbeitet. Zwei Projekte werden hier einen wichtigen Schritt voran führen: Die im Frühjahr 2000 zu erwartende Publikation »Die Modernisierung einer Region - Zur Regionalgeschichte Stormarns und des Hamburger Umlandes 1945-1980« von Norbert Fischer wird die Ergebnisse seiner mehrjährigen Forschungsarbeit vorstellen. Und die vom 10. November bis 19. Dezember 1999 im Kreistagsgebäude Bad Oldesloe stattfindende, von Barbara Günther konzipierte und mit einem Begleitband versehene Ausstellung: »Stormarn schwarz-weiß. Zeitgeschichte und kommunales Leben im Spiegel des Fotojournalisten Raimund Marfels. 1949 bis 1989« dokumentiert visuell den immensen Wandel, den der Kreis in den vergangenen Jahrzehnten durchlaufen hat.
Zwischen Buchdeckeln oder in Archivschränken allein erreicht Geschichte jedoch in der Regel nur Wenige, nur besonders Interessierte. Daher sollte überlegt werden, in welcher inhaltlichen und institutionellen Form die im Rahmen der Forschung oder auch bei den beiden ersten Stormarner Kultur- und Geschichtstagen gewonnenen zeitgeschichtlichen Erkenntnisse der Bevölkerung auf Dauer vermittelt und öffentlich zugänglich gemacht werden können. Nur dies kann letztlich gewährleisten, daß Stormarns Vergangenheit dem kollektiven Gedächtnis erhalten bleibt.

Literatur- und Quellenauswahl:
Norbert Fischer, Die modellierte Region: Stormarn seit dem Zweiten Weltkrieg, in: Norbert Fischer, Franklin Kopitzsch, Johannes Spallek (Hrsg.), Regionalgeschichte am Beispiel Stormarn: Von ländlichen Lebenswelten zur Metropolregion (= Stormarner Hefte Nr. 21), Neumünster 1998, S. 153-174.
Jürgen Garbers, Wandlungen. Geschichte und Perspektiven der Jugendarbeit in Stormarn, Bad Oldesloe und Hamburg 1998.
verschiedene Stormarner Stadt- und Ortschroniken
Zeitzeugengespräche des Kreisarchivs Stormarn

Stormarner Kultur- und Geschichtstage
Ausgewählte Veranstaltungstermine:

Donnerstag, den 26.8.1999, 18.00 Uhr, Bad Oldesloe, Kreistagsgebäude:
Vortrag von Dr. Norbert Fischer: Zur Einführung in die Ausstellung Stormarn - Die Modellierte Landschaft, Konzeption: Dr. Norbert Fischer und Angela Behrens.

Vgl. die im Anschluß angezeigten, ausgewählten Veranstaltungstermine (d.Red.).

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