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Tagungsbericht

Wald als kultureller Erfahrungs- und sozialer Handlungsraum


Durchaus als Vorbereitungstagung auf den großen DGV-Kongreß im Herbst 1999 in Halle1 konnte man das interdisziplinäre Rundgespräch »Wald als kulturellerErfahrungs- und sozialer Handlungsraum« am 5. und 6. Dezember 1998 in Hamburg sehen,wenngleich hier nur ein Ausschnitt des Gesamtkomplexes »Kultur - Natur« behandelt wurde.Die Frage nach dem Verhältnis der Begriffe Natur und Kultur erhielt hier eine besondereBedeutung, denn zum ersten Male trafen hier kulturwissenschaftliche Fächer mit der imallgemeinen primär an Wirtschaftswissenschaften orientierten Forstwissenschaft zusammen.Dieses erste interdisziplinäre Zusammentreffen von »Waldwissenschaftlern« ausvolkskundlichen, historischen, sozial- und wirtschaftshistorischen respektivekunsthistorischen Fächern, sowie aus den Forstwissenschaften und, last but not least, derMedienwissenschaft. Die Intention dieser fächerübergreifenden Zusammenkunft zielte aufdie gegenseitige Vermittlung der verschiedenen Fachzugänge zur und disziplinärePerspektiven auf »Natur«, bzw. zum »Wald« als einem Landschaftsausschnitt.

Wie schon bei der Stadt-Tagung2 bildete das Warburg-Haus den geistiginspirierenden Raum für die 16 Vortragenden und circa 80 Teilnehmer. Die Initiative undEinladung für dieses Zusammentreffens von ausgewiesenen Fachspezialisten undNachwuchswissenschaftlerInnen ging von dem durch die Deutschen Forschungsgemeinschaftgeförderten Projekt »Kulturmuster Wald«(1995-1998) aus, das unter der Leitung vonAlbrecht Lehmann am Hamburger Institut für Volkskunde durchgeführt wurde.3

Die beiden Tage - übrigens wunderbar verschneite Schönwetter-Wintertage - waren in vierThemenschwerpunkte untergliedert. Wald als Thema der Kultur- und Forstwissenschaftwar das Leitthema der ersten Sektion, die Albrecht Lehmann eröffnete mit seinem Vortragüber den »Wald in kulturwissenschaftlich-volkskundlicher Sicht« zunächst eineEinführung in das Tagungsthema und in die verschiedenen »Waldwissenschaften«vereinigende Tagungsstruktur. Er hob vier volkskundlich-kulturwissenschaftlicheForschungsaspekte hervor, den sozialgeschichtliche, den mentalitätsgeschichtliche, dennarratologischen sowie denjenigen einer Ikonologie des Alltags. Zudem gewährte Lehmannerste Einblicke in die Ergebnisse der Hamburger historisch-empirischen Forschungen unterder These, daß im 'Kulturmuster Wald' eine romantische Seelenlandschaft. Die Wirkungenvon historisch gewordenen Traditionsmustern und -linien im Bewußtsein der heutigenBevölkerung stehe gegen die nüchterne Realität, i.e. das reale Verhalten im Wald, dasgeprägt sei gerade aus den Erfahrungen des (Groß-)Stadtlebens. Als einen Aspekt derempirischen Forschungen hob er hervor, daß die Symbolisierungstendenzen der Gegenwart -die diskursiven Verschiebungen der Symbole - auf einen Individualisierungsprozeßverweisen, der sich einerseits in einer Distanzierung von den Masseninstitutionen derGesellschaft äußere und andererseits offenbar seine Wirkung auch auf das aktuelleWaldbewußtsein habe. So sei die Liebe zu Bäumen und die gleichzeitige Distanz zumMassensymbol »Wald« ein Teilaspekt allgemeiner Tendenzen der Individualisierung.4

Der Vortrag von Karl-Reinhard Volz (Forstwissenschaften, Freiburg) über die»Forstwirtschaft in der Gesellschaft« zeigte, daß nicht nur die Volkskunde, sondernauch diese Wirtschafts- und Biowissenschaft mit Image-Problemen in der Öffentlichkeit zukämpfen habe (hier der »belodete« Förster, dort der - von Volz nicht betrachtete»bejankerte« Volkskundler5). Dagegen stehe das Selbstverständnisder Forstwissenschaft, die den Wald-Mensch-Zusammenhang, das Management der Ressourcen unddie Moderation zwischen ökonomischen, ökologischen und sozialen Belangen derGesellschaft (Nachhaltigkeit) integrativ berücksichtige. Obwohl die Waldflächenökonomisch zunehmend an Bedeutung verlören, seien sie doch Synonym für »Natur«. Volzbegriff den Wald mit seinen langsamen natürlichen Rhythmen (Reifungsprozessen) alsWiderpart der gesellschaftlichen Beschleunigungstendenzen - woraus sich der sozialeWiderstand gegen Abholzungen (und die Forstwirtschaft) erkläre. Dieser aber sei im Sinneeiner nachhaltigen Nutzung irrational und nur aus der lebensweltlichen Distanz zurforstlichen Realität bedingt, er negiere jedoch eine gesamtgesellschaftliche Reflexionund Verantwortung.
Konrad Köstlin (Wien), der über »Den ethnisierten Wald« referierte, und ReinhardJohler (Volkskunde, Wien), der über »`Volksthum`, ,Abhängigkeit von Naturbedingungen`und die Nutzung des Waldes« sprach, arbeiten beide mit Modellen der Konstruktion vonEthnizität - der Konstruktion von Bildern und Symbolen - im internationalen Vergleich.Köstlins Rede - er fragt nach verbreiteten, ggf. empirisch nicht erhebbarenWahrnehmungsmustern - mäanderte in assoziativen Bewegungen über ganz Europa und begriffEthnisierung als einen historisch-kulturellen Prozeß, der auch zur Nationalisierunggerinnen könne. Seine, auch volkskundlich-fachgeschichtlich angereicherte These lautet,daß ein in Relation zu Europa (nationalpolitisch) rückständiges Deutschland sich in derZeit der Romantik auf 'Wald' als ein Symbol einigt, in dem der Begriff Natur contraZivilisation steht.
Johler richtete seinen Blick auf den deutsch-italienischen Vergleich. Seines Erachtensläßt sich das Bild vom 'deutschen Wald' nur im kulturellen Vergleich faßbar machen; sosei der italienische Umgang mit Wald (laut, zerstörerisch, ausnutzend, plündernd) heutevom deutschen Waldbilddiskurs (sorgsam, pfleglich, nachhaltig, 'logica germanica')bestimmt. Die Walddiskussion in Italien überführe nun den 'falschen Umgang' in nationaleDiskurse: Die Nationalisierung der Natur (Ethnoscapes) werde Teil der Nationalkultur.Hierzu gebe es historische philosophisch-literarische Hintergründe, z.B. in Riehls oderMontesquieus Kulturtheorien. Johler exemplifizierte an dem Anthropogeographen AlfredTrolle, der um 1880 herum publizierte, die noch unter heutigen italienischenKulturanthropologen verbreitete These über die asketisch(-deutsche) und diehedonistisch(-italienische) Waldnutzung.

Der zweite Themenschwerpunkt lautete Wald als Raum sozialer Interessen und Konflikte im19. Jahrhundert. Die Sektion wurde eröffnet von Günther Bayerl (Technik- undUmweltgeschichte, Cottbus), der das Phänomen der neuzeitlichen »Holznot« aus der»Sicht der Umwelthistorie« beleuchtete. In allen Phasen des Bevölkerungsanstiegs habees Konflikte bzw. Konkurrenzen um Wald gegeben: Landbedarf gehe stets zu Lasten desHolzbedarfs. Wenn sich gerade im 18. Jahrhundert die Holznotklagen verdichteten, stehedahinter neben dem Wachstum der Bevölkerung auch das Erstarken derTerritorialherrschaften, die die endosomatische Waldnutzung (Sammel-, Hütewald)gegenüber der exosomatischen (Holz-, Energiebedarfe) zurückdrängte. Die Holznotdebattewurde von Bayerl aber auch begriffen als Antizipation einer Wachstumsgesellschaft, d.h.der kapitalistisch-industriellen Entwicklung. Denn eine wirkliche Holznot hätte einAusweichen auf Substitute (Steinkohle) erzwungen, was jedoch - bei aller raumzeitlichenDifferenzierung - nur in geringem Maße geschah.
Hieran schloß sich der Vortrag von Uwe Schmidt (Forstwissenschaft, Freiburg), an. SeinThema war die »Holznot« aus »forstgeschichtlicher Sicht«. Unter dem modernen Terminus,Waldressourcenknappheit` näherte Schmidt sich mit Methoden der forsthistorischenSichtweise der Region Eifel/Rheinland-Pfalz nördlich von Trier. Schmidt arbeitet imwesentlichen drei Dimensionen der neuzeitlichen Holznotdebatte heraus: die (politisch)inszenierte Holznot zugunsten von Herrschaftszwecken, die faktische Holznot und dieprognostizierte (beide quantitativ wie qualitativ zu sehen). Alle drei Dimensionen führenzu einem erlebten Krisenbewußtsein, wobei Ausprägung und dimensionale Knappheit regionalhöchst unterschiedlich gewesen seien.
Ebenfalls eine Regionalstudie lag den Ausführungen von Bernward Selter (Geschichte,Arnsberg) über »Der Wald als Lebensraum: Historische Waldnutzungen und ihr Einfluß aufNaturvorstellungen und Wald-Leitbilder« zugrunde. Am Beispiel Südwestfalens fragte erdanach, welche Formen der Waldnutzung es gab, welche geduldet wurden und welcheWald-Bilder daraus entstanden. Die Nutzung als landwirtschaftlicher Nähr-, Mast- undHudewald mit den dafür spezifischen Eingriffen in den ökologischen Gesamtrahmen habe dieWald- und Naturvorstellungen in anderer Weise geformt, als die Wald-Leitbilder der aktivenForstwirtschaft mit ihren monokulturellen Aufholzungen und Schonungen geformt seien.
Den gelungenen Abschluß des ersten Tages bildete der Vortrag von Hans Walden (Geschichte,Hamburg). »Der Weg zum Erholungswald« wurde von ihm am Exempel Hamburgs verfolgt, mitder These, daß die Entwicklung des Erholungswaldes eine weit größere historischeZeitspanne umfaßt, als bislang angenommen. Im Hamburg des 18. Jahrhunderts, jener Zeit,als der englische Landschaftsgarten mit seinen Idealen einer freien, ursprünglichen,malerischen Natur auch in Deutschland prägend wurde, waren v.a. der FrühaufklärerBarthold Hinrich Brockes und der Spätaufklärer Cai Christian Lorenz Hirschfeld vonBedeutung. Hirschfeld, ohne dessen fünfbändige »Theorie der Naturästhetik« diespätere Waldästhetik kaum vorstellbar ist, konzipierte z.B. den SchimmelmannschenWandsbeker Waldpark. Für den städtischen Erholungswald waren drei Faktorenausschlaggebend: Erreichbarkeit, Art des Waldes, kommerzielle Zusatzangebote. Nur dieseKommerzialisierung, so Walden, erkläre die Konflikte um den Erhalt stadtnaher,romantischer Altholzbestände gegenüber forstwirtschaftlichen »Verjüngungsmaßnahmen«.

Der zweite Tag begann unter dem thematischen Schwerpunkt Politik- undmentalitätsgeschichtliche Aspekte. In prägnanter Weise führte Bernd-A. Rusinek(Geschichte, Düsseldorf) vor, wie das großangelegte interdisziplinäre »Wald- undBaumprojekt des SS-Ahnenerbe« seit November 1939 Forschungskapazitäten im Sinnegroßgermanisch-antichristlich-politpädagogischer Zielsetzungen bündeln sollte (undinsofern ein Konkurrenzunternehmen zum Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens war).Ausgangspunkt bildete der Walddiskurs der 1920er Jahre, der sich zunehmend mit demantirepublikanischen Diskurs (Holzlieferungen als Reparationszahlungen) verband, so daßdie Waldmythologie der Romantik zu einem imperialen Programm des Nationalsozialismusumgeformt wurde. Für Rusinek scheiterte dieses »traurige Kapitel derNS-Wissenschaftsgeschichte« an Umsetzungsproblemen, mangelnder Leitungskompetenz,unzureichender Quellenlage, thematischen Überschneidungen.
»Zerstörte Heimat. Waldmotive in der deutschen Nachkriegskunst« war das Thema von HansDickel (Kunstgeschichte, Prag), der sich mit Joseph Beuys, Bernhard und Anna Blume sowieAnselm Kiefer auseinandersetzte als mit Künstlern, die in unterschiedlicher Weise Politikund Kunst als Einheit bzw. als grundsätzlich getrennt sehen. Von diesem Künstlern werdenMotive wie Baum und Wald eingebunden (Beuys: 7000 Eichen; Blumes: Hänsel und Gretel;Kiefer: Waldbilder), um den Materialismus als Folge des NS-Staates zu überwinden (Beuys,Kiefer), v.a. aber um die »romantische« Annäherung an den Wald zu dekonstruieren, dieDifferenz zwischen imaginärem und realen Wald aufzuzeigen (Blumes) bzw. den Wald als eine- unverabschiedbare - Metapher für das Dickicht der Geschichte zu nutzen (Kiefer).
Während Köstlin das Phänomen und die 'Waldsterbensmetapher' als einen Effekt des seitder Romantik fortgeschriebenen organologischen(-kulturologischen) Denkens verstand, konnteRudi Holzberger (Journalist / Medienwissenschaftler, Weingarten) zeigen, wie derWaldsterbensdiskurs sich in den 1980er Jahren generierte aus einem Konstrukt der Medien,produziert aus letztlich nur einigen wenigen Artikeln: gut hundert Artikeln von etwa zehnAutoren der Zeitschriften Spiegel, Stern, Zeit und FAZ. Den journalistischen Diskurs - vomAlarmismus erst allmählich zur kritischen Berichterstattung pendelnd - analysierteHolzberger v.a. mittels der Redeweisen in Schlagzeilen und Bildunterschriften. Das'Klischee' vom Waldsterben konnte in den 1980er Jahren eine Themenkarriere (N. Luhmann)nur durchmachen, weil es auf eine bestimmte (so Holzberger: depressive) Erwartungshaltungstieß - Bezugsdiskurse seien ebenfalls überwiegend von Themen wie Krankheit und Krieggeprägt gewesen.

Der Wald als Raum sozialer Interessen und Konflikte im 20. Jahrhundert war dasThema des vierten und letzten Schwerpunktes. Anne Hoormann (Kunstgeschichte, Weimar)betrachtete »Den Wald als Ort der Kunst« und suchte anhand von Lichtbildern,verschiedene Konzepte der Einbeziehung der Natur in die Kunst bzw. der Einfügung derKunst in die (Wald-)Natur zu veranschaulichen (LandArt). Ihrer Auffassung nach zeigte sichdie apokalyptische Stimmung des Waldsterbensdiskurses auch als Wirkung im künstlerischenSektor, wo man Naturinterpretationen in Kunst übersetzte und dabei zugleich ökologischeParteinahme zeigte. Diese 'Rhetorik' der 1980er Jahre, als der Wald ein verlorenes'Ganzes' repräsentierte, werde inzwischen, wo man mit Werbematerial und Konsumartikeln inder 'freien Natur' arbeite, nurmehr ironisch distanziert wahrgenommen.
Helga Stachow (Volkskunde, Hamburg) verdeutlichte unter dem Titel »Botanik, Ökologie,Esoterik. Zu drei Erfahrungsformen von Wald« die Walderfahrung und das Wissen über denWald, die komplexe, aber stets ausschnitthafte Wahrnehmung von Natur. Die drei genanntenseien nur drei exemplarische Muster der Naturwahrnehmung, die sich zudem überschneiden.Weitere Muster gegenwärtigen Waldwissens, wie es relevant sei für die KulturwissenschaftVolkskunde, könnten generationen-, geschlechts- oder milieuspezifisch sein, und seienvielfach historisch tradiert. Mit Interwiewpassagen konnte Stachow als Mitarbeiterin desHamburger Wald-Projektes ihr wissenssoziologische Konzept darlegen, wonach durchWahrnehmung gelebte, erinnerte und erfahrene Natur sich für den Einzelnen schließlichdas Gefüge des Wald-Musters ordnet, er sich Wald durch Zeit, Empirie und Routineaneignet.
Mit Interviewausschnitten im O-Ton angereichert waren die Ausführungen von KlausSchriewer (Volkskunde, Hamburg), ebenfalls ein Mitarbeiter des Wald-Projektes, »Zurvolkskundlichen Differenzierung des Syndroms ,Deutscher Wald`«. Schriewer, der auf diesesBegriffsbild des Soziologen Hans-Paul Bahrdt als Ausgangspunkt zurückgriff, zeigte diedivergierenden Zugänge von einigen Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlichdifferenziertem 'Waldwissen' auf. Diese seien deutlich von dem 'kollektiven'Waldbewußtsein abzuheben, für das Wald - Folge des nachromantisch-bürgerlichenWeltbildes - Inbegriff von Natur sei. Neben der Entschlüsselung der Realität sei es eineAufgabe der Volkskunde - die damit auch mit der Forstwissenschaft interagieren könne -,die Suggestion der Homogenität des Bahrdtschen Begriffs zu befragen, dem Übergreifenden,aber auch den Differenzen empirisch nachzugehen und in den Erfahrungskomplexen derNutzergruppen zu lokalisieren.
Ebenfalls den divergierenden Naturzugängen von Bevölkerungsschichten näherte sichAnnette Braun (Forstwissenschaft, Freiburg). Ihre Auseinandersetzungen mit der»Wahrnehmung von Wald und Natur - differenziert nach Kulturmilieus« stützte sich aufdas Konzept der »Erlebnisgesellschaft« von Gerhard Schulze. Während das HamburgerWald-Projekt, das etwa gleichgewichtig waldferne und waldnahe Gruppierungen befragte,machte Braun ihre Interviews in Städten. Anders als die Kriegs-/Nachkriegsgeneration, soBraun, sei die 1968er-/post-68er-Generation als eine Selbstentfaltungsgeneration in allenMilieus eher 'waldfern' eingestellt.

Die einzelnen Themenschwerpunkte wurden mit ausgesprochen lebhaften, sehr konkreten undbegriffskonzentrierten Diskussionen, geleitet von Reinhard Johler, Bernd-A. Rusinek undWinfried Freitag, aufgegriffen, differenziert und abgerundet. Die diese wirklichinterdisziplinäre Tagung abschließende, zentrale Diskussion unter Moderation vonKarl-Reinhard Volz war nicht nur geeignet, verschiedene der bearbeiteten Themen nochmalsanzuschneiden, sondern vor allem die Desiderate einer historisch arbeitenden undargumentierenden kultur-sozial-naturwissenschaftlichen Forschung und interdisziplinärenAuseinandersetzung klar zu formulieren. Eine im Mai unter Leitung des norwegischenLiteraturwissenschaftlers Carl Lorenz in Schloß Klingenthal im Elsaß stattfindendeTagung »Wald als kulturelles Schlüsselwort« - wiederum unter Teilnahme von Mitarbeiterndes Hamburger Wald-Projektes - wird hierzu sicherlich weiterführende Diskussionenbringen. Denn deutlich wurde trotz aller Annäherungen zwischen den hierzusammengetretenen historischen, Kultur- und Naturwissenschaften doch, daß für eineproduktive interdisziplinäre Auseinandersetzung und für gemeinsame Forschungsansätzenoch eine verstärkte Annäherung der Wissenschaftssprachen geleistet werden muß. Dazumöchte ich weniger die Fachterminologie im engeren Sinne rechnen als die Wahrnehmung undReflexion von Methoden (Methodologien) und theoretischen Modellen. Desiderate fürkünftige Forschungen wurden geäußert sowohl in Bezug auf präzise historischeEinbettungen und eine Intensivierung sowohl von mentalitäts- wieerfahrungsgeschichtlichen Forschungen, wie auch in Hinsicht auf eine Gegenwartsforschung,welche den praxisorientierten Ansätzen z.B. der Forstwissenschaft entgegenkäme.

Der Tagungband, herausgegeben von Albrecht Lehmann und Klaus Schriewer, wird unter demTagungstitel in der Reihe des Hamburger Instituts - Lebensformen - erscheinen.

Leonie Koch-Schwarzer



1 Vgl. hierzu weiter unten die Tagungshinweise.
2 Vgl. meinen Tagungsbericht in:Österreichische Zeitschrift für Volkskunde 101, 1998, S.335-342; auch: in VOKUS -Volkskundlich-kulturwissenschaftliche Schriften 8, 1998, H.2, S.64-71, sowie leichtüberarbeitet in: Zeitschrift für Volkskunde 95, 1999, S.85-91.
3 Vgl. Hamburger Platt 5, 1995, Heft 2, S.35-39;ebd., 7, 1997, Heft 2, S.49; VOKUS 8, 1998, Heft 2, bes. S.4f, 16f.
4 Vgl. hierzu unten Rubrik Neuerscheinungen ausdem Institut.
5 Man zählte übrigens an die fünf Janker(respektive nahe verwandte Jacken) sowie eine Kniebundhose während dieser Tagung !

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