Tagungsbericht
Ziele des Museums
Vom 23. bis zum 24. November 1998 fand im Freilichtmuseum am Kiekeberg in Zusammenarbeitmit dem Arbeitskreis Museumsmanagement die III. Museumsmanagement-Tagung statt.Thema der Tagung, an der über 90 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus dem Bereich derMuseen und Verwaltung aus dem gesamten Bundesgebiet und der Schweiz teilnahmen, waren die»Ziele des Museums«.
Museen befinden sich in einem Spannungsfeld unterschiedlicher Interessengruppen mit sichverändernden Anforderungen seitens des Publikums, der Wissenschaft, der Verwaltung, derPolitik und der Wirtschaft. Der Aufgabenkanon der Museen ist neben klassischen Feldern wieSammeln, Bewahren und Forschen in der Vergangenheit um neue Bereiche erweitert worden.Wollen Museen ihre Position in der Gesellschaft festigen und ihren Bestand sichern,müssen sie auf diese Entwicklung reagieren oder besser: sie vorwegnehmen. Um so wichtigerist es, daß jedes Museum für sich seine speziellen Ziele bestimmt und klärt: »Wowollen wir hin?« Das gilt insbesondere für die strategische, d.h. die langfristigePerspektive einer Institution. Ohne die Kenntnis der angestrebten Zielrichtung führenMaßnahmen und Aktivitäten im operativen Bereich nicht zu den gewünschten Erfolgen;knappe Mittel werden nicht wirtschaftlich eingesetzt. Angesichts der verändertenUmfeldbedingungen des musealen Leistungsangebots sind gegenwärtig aber gerade für dieDiskussion und die Festlegung von strategischen aber auch von operativen Zielen erheblicheDefizite in der Museumslandschaft festzustellen.
Dieser Problemstellung widmeten sich die einzelnen Beiträge der zweitägigen Tagung. ImMittelpunkt der Veranstaltung stand dabei der Mensch: als Mitarbeiter, als potentiellerBesucher und als Förderer von Museen. Ohne das Eingehen auf die Bedürfnisse derverschiedenen Interessengruppen ist der Bestand von Museen nicht mehr sicher.
Nach der Begrüßung und Eröffnung der Tagung durch den Museumsdirektor Rolf Wieseskizzierte Dietrich Budäus (Hamburger Hochschule für Wirtschaft und Politik/HWP undMitbegründer des Neuen Steuerungsmodells) das Konzept der ziel- und ergebnisorientiertenSteuerung im New Public Management und zeigte damit die Wichtigkeit auf, die den Ansätzendes modernen Museumsmanagements im allgemeinen Prozeß der Verwaltungsreformen zukommt.Wie weit entfernt von dieser Entwicklung die Museen in ihrem Selbstverständnis alsNonprofit-Organisation im betriebswirtschaftlichen Sinne zur Zeit noch sind, belegte.Carsten Witt (IDS Consulting, Saarbrücken) in seinem empirischen Überblick über dieSituation in Niedersachsen. Auf welche Weise sich ein solches Bewußtsein konkretisierenkönnte, zeigte Anja Dauschek (Anstiftung München) in ihrer anregenden Darstellung derZielsysteme amerikanischer Museen. Unter den Stichworten »mission«, »vision« und»values« werden hier klar umrissene Unternehmensziele, Leitlinien und Werte definiert,die als Grundlage der Organisationsstruktur und Planungsstrategie eines Museums dienen.Daß sich dieser Ansatz durchaus auf europäische, insbesondere auch auf bundesdeutscheMuseen übertragen läßt, deutete Oliver Rump (Freilichtmuseum am Kiekeberg) in seinemEntwurf neuer Wege des Controllings im Museum an.
Die angeregten und z.T. kontrovers geführten Diskussionen in den anschließendenArbeitsgruppen zu diesen drei Themenbereichen zeugen von der Aktualität und Brisanz desTagungsthemas.
Nach der Vorstellung der Ergebnisse der Arbeitsgruppen bot der zweite Tagungstag danneinen facettenreichen Einblick in verschiedene Strategien der Arbeits-, Finanz- undPersonalplanung im Museum. Rolf Wiese zeigte am Beispiel des Freilichtmuseums amKiekeberg ein möglichen Weg von der Vision zur konkreten Arbeitsplanung auf. MonaSchieren (Hamburg) skizzierte das Prinzip eines mittelfristigen Finanzplanungssystems alsInstrument effektiven Finanzmangements. Volker Kirchberg (Basica ForschungsinstitutHamburg) stellte die Ergebnisse seiner Studie zum Zusammenhang zwischen Eintrittspreis undMuseumsbesuch vor. Matthias Dreyer (Hannover) und Jochen Meiners (Freilichtmuseumam Kiekeberg) referierten schließlich über die Chancen und Probleme, die aus demBedeutungszuwachs von Bürgerengagement und Ehrenamtlichkeit für die Museen erwachsen. Indem Abschlußvortrag der Tagung spannte Hans-Jürgen Bruns (Universität Hannover) nocheinmal den Bogen zurück zu den eingangs dargestellten Modernisierungsprozessen derVerwaltung. Bruns unterstrich, daß die Museen nur durch eine gezielte Personalentwicklungim Museumsmanagementbereich dem Veränderungsdruck standhalten und so die wirkungsvolleGestaltung ihrer Strukturen und Leistungen selbst in die Hand nehmen können.
Insgesamt hat die Tagung verschiedene Möglichkeiten der sinnvollen Verzahnung vonMuseumsarbeit und Managementstrategien aufgezeigt. »Museumsmanagement« ist keinmodisches Schlagwort, sondern der notwendige Versuch, Konzepte und Instrumente derBetriebswirtschaft den konkreten Anforderungen und Bedürfnissen des Museums anzupassen.In diesem Sinne darf man auf die Veröffentlichung der Arbeiten von Anja Dauschek undOliver Rump gespannt sein. Sämtliche Referate der Tagung können im Tagungsband »Zieledes Museums« (221 Seiten) nachgelesen werden, der bereits als Band 34 derSchriften des Freilichtmuseums am Kiekeberg erschienen ist (ISBN 3-927521-35-3, bestellbarfür DM 25,- gegen Rechnung beim Freilichtmuseum am Kiekeberg, Fax: 040/792 64 64).
Thomas Overdick