|
| UHH FB Kulturgeschichte und Kulturkunde Institut für Volkskunde/Kulturanthropologie | Suche |
Seminarbericht
GENUSSmittelKULTUR
Ein Ausstellungsprojekt
GENUSSmittelKULTUR, eine innovative Kombination aus Ausstellung undVeranstaltungsprogramm, widmet sich den wechselvollen Karrieren, dem Geruch, Geschmack undKonsum der »klassischen« Genußmittel von den »Kolonialwaren« Kaffee, Tee und Kakaoüber Würz- und Süßstoffe bis hin zu Alkoholika und Rauch waren.
Genußmittel stellen eine ganz spezifische Mischung von Natur- und Kulturprodukt dar.Diese Spannung soll dadurch versinnbildlicht werden, daß sowohl der pflanzliche Ursprungwie auch der Konsum von Genußmitteln im Alltag ausgestellt, bzw. inszeniert werden.Gleichzeitig sollen ausgewählte Zwischenschritte auf den »doppelten Veredelungsprozeß«von Genußmitteln hinweisen, so etwa die Präsentation von (Halbfertig-)Produkten, als diedie meisten Genußmittel in Hamburg bzw. in Europa ankommen, aber auch durch die bewußteZurschaustellung von Information, die in unseren Umgang und unsere Bewertung vonGenußmitteln gleichsam eingewachsen ist.
GENUSSmittelKULTUR ist vom
3. März bis 30. Juni 1999 im Hamburger Speicherstadtmuseum zu Gast.
Zahlreiche Veranstaltungen wie Vorträge, Lesungen, Filme im Metropolis-Kino,Genußspaziergänge durch Hamburg, Workshops, Degustationen von Wein, Tee, Kaffee undWhisky, Historische Menüs, Kochkurse und eine Auktion von Genußgegenständen bilden dasRahmenprogramm zur Ausstellung.
GENUSSmittelKULTUR ist ein Projekt des Instituts für Volkskunde der Universität Hamburg.Es verbindet im »forschenden Lernen« wissenschaftliche Grundlagenarbeit mit derkonkreten, praktischen Umsetzung von Inhalten des Fachs Volkskunde.
GENUSSmittelKULTUR schlägt eine Brücke zwischen der Wissenschaft und deren Anwendung imMuseum, einem zentralen Berufsfeld für Absolventen des Fachs Volkskunde.
GENUSSmittelKULTUR soll gleichzeitig Anreiz zum wissenschaftlichen Forschen bieten und aufeine spätere berufliche Tätigkeit vorbereiten.
32 Studierende des Instituts für Volkskunde der Universität Hamburg machten sich imFrühjahr 1998 unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas Hengartner auf den Weg, diekulturhistorischen Geheimnisse von 12 klassischen Genußmitteln zu ergründen. Bevor diesegelüftet werden können, galt es, eine professionelle Umsetzung selbständig zupraktizieren. Allein für finanzielle Belange sowie für das Ausstellungsdesign standenFachkräfte zur Seite.
Ob im Bau, bei der Organisation der Veranstaltungen oder der Koordination derArbeitsgruppen - es gab viel zu tun und viel zu lernen. Diese Form und Größe ist fürein studentisches Projekt einzigartig.
»Ein Jahr Vorbereitungszeit, nächtelange Diskussionen, Arbeitsgruppen mit spannendenIdeen und leichte Blessuren auf dem Ausstellungsbau - es ist geschafft! Wir sindglücklich und stolz, Ihnen das Projekt GENUSSmittelKULTUR im Speicher stadtmuseumpräsentieren zu können«.GENUSSmittelKULTUR
AusstellungskonzeptZiel der Ausstellung GENUSSmittelKULTUR ist es, das Phänomen Genuß und die heutigeGenußmittelkultur in einer besonderen Ausstellungsform erfahrbar zu machen. Leitliniebildet die Versinnlichung des Themas. Neben dem Seh-Sinn (dem »klassischen Museumssinn«)sollen auch Nase und Gaumen zu ihrem Recht kommen. Daneben sollen aber auch verschiedeneMittel und Formen der musealen Präsentation angewandt werden.
Die Ausstellung ist in fünf konzentrischen Einheiten aufgebaut, von denen jede eineDimension von Genuß auf eigenständige Weise umsetzt. Zu diesen »Genuß-Kreisen« tretenzusätzlich Seh-Achsen hinzu, die bei jedem Genußmittel den Weg von der Natur zuminszenierten Genuß vor Augen führen.
GENUSSPUNKT
Einen zentralen Bestandteil von Genuß bildet die Genuß-Situation. Sie steht als»Genuß-Punkt« im Mittelpunkt der Inszenierung. Hier haben die Besucherinnen undBesucher Gelegenheit, einzelne Genußmittel zu verkosten und werden damit selbst zumBestandteil der Ausstellung.
Der Genußpunkt wird als Genuß-Ambiente inszeniert. Damit soll darauf hingewiesen werden,wie stark Genuß nicht nur vom Genossenen, sondern auch von der Umgebung abhängig ist.Gleichzeitig sind die Genußmittel hier in ihrer »Endform«, d.h. als verbrauchsfertigeProdukte oder als zubereitete Getränke präsentiert.
GERUCHSKREIS
Wie stark sinnliche Momente den Genuß mitbestimmen, zeigt die Tatsache, daß sich geradeum die Genußmittel (zum Teil ausgefeilte) Rituale des Riechens entwickelt haben. Um diesephysiologische Komponente herauszuheben, wird im »Geruchs-Kreis« explizit und nur dieNase angesprochen. Die Aromen der einzelnen Genußmittel werden über »Riechstationen«zugänglich gemacht. Durch deren Gestaltung als »Blackboxes«, d.h. ohne das Produkt oderdie Verpackung sichtbar zu machen, soll die Konzentration auf bloß einen Sinnstattfinden. Das erlaubt nicht nur eine intensivere Wahrnehmung, sondern streicht auch dieRolle der Geruchs-Komponente für den Genuß heraus.
INFORMATIONSKREIS
Genuß besteht zu einem erheblichen Teil auch aus Wissen über und um den Genuß. Wichtigist dabei nicht genaues, faktentreues Wissen, sondern die Tatsache, daß bestimmteVorstellungen und Bilder mit den einzelnen Genußmitteln verbunden und gleichsammitkonsumiert werden. Im »Informationskreis« wird dieses Wissen in aufgearbeiteter Formpräsentiert.
Die Projektionen des »Informationskreises«, auf denen Geschichte und Entwicklung desKonsums der jeweiligen Genußmittel beschrieben werden, stehen damit für mehr als bloßdie unumgängliche Sachinformation in bildlicher bzw. in Textform. Sie stehen bewußt alsselbständiger, mittlerer der fünf Ausstellungskreise. Sie stehen auch als Verbindungzwischen der Kultur- und der Naturseite des Genußmittelkonsums.
PRODUKTKREIS
Der »Produkt-Kreis« zeigt die »Ware« Genußmittel - und zwar in der Form, wie sie inder Speicherstadt angeliefert wird (d.h. als »Roh-«, als veredeltes, als Halbfertig-bzw. als Fertig-Produkt). Die Genußmittel sollen so in ihrer Materialität sichtbarwerden. Gleichzeitig soll aber auch der Warencharakter von Genußmitteln als Produkteneiner industriellen Nahrungsmittelproduktion sichtbar werden.
In der Ausstellung steht der Weg von der Pflanze zum kulturell konstruierten Genuß imVordergrund. daher wird auf die Darstellung der Veredelungs- und Bearbeitungsprozesse hierbewußt verzichtet.
NATURKREIS
Jeder Genuß ist das Ergebnis der Bearbeitung bzw. Veredelung einer bestimmten Pflanzeoder eines pflanzlichen Produkts. Der »Natur-Kreis« als abschließender »Grüngürtel«soll diesen Ursprung bildlich vor Augen führen und gleichzeitig den Blick auf dieGenuß-Situation freigeben.
Im »Naturkreis« werden die Ausgangspflanzen der einzelnen Genußmittel präsentiert.Ausnahmen bilden hier der Honig, wo ein Objekt den Ausgangsstoff darstellen soll, sowiedie heute als illegal geltenden Cannabis-Produkte und Opiate. Diese werden lediglich im»Informationskreis« vertreten sein, ansonsten soll aber ein jeweils bewußteingeräumter leerer Platz auf die veränderbare Grenze zwischen Legalität undIllegalität im Genußmittel konsum hinweisen.
Eine leichte Verfremdung durch die Lichtgestaltung soll darauf hinweisen, daß gerade derAnbau von Genußmitteln oft auf Intensivlandwirtschaft und Monokultur beruht, die Naturfür den Genuß gezügelt und den menschlichen Ansprüchen und Bedürnissen unterworfenwird.
RAHMENPROGRAMM
Zahlreiche Rahmenveranstaltungen sollen die Genuß-Dimension weiter vertiefen und bildenwichtige Bestandteile des Gesamtprojekts GENUSSmittelKULTUR.
Das Angebot umfaßt neben Vorträgen, Lesungen einem Filmprogramm und Spaziergängen durchHamburgs Genußtopographie auch Workshops und Degustationen der einzelnen Genußmittel,Historische Menüs (z.T. mit Musikprogramm), Kochkurse, eine Auktion vonGenußgegenständen, eine Kunstinstallation u.v.a.m. Kai Eberhardt / Gitte Wehming
Leitung:
Prof. Dr. Thomas Hengartner
Handling/Sponsorensuche:
Matthias Weiß
Koordination:
Susanne von Essen
Ausstellungsdesign:
Dipl. Des./Szen. Sabine Jank
Lichtdesign:
Dipl. Ing. Richard Schädler
Ausstellungsbau:
Henning Thomas & Matthias Claudius
Ausstellungsgraphik, Plakat, Druckgraphik:
Hamburger Technische Kunstschule
Internetdesign:
Tim Michow![]()
Projektgruppe:
Doerthe Beer
Gisela Bötcher
Liana Colls
Alexander Diehl
Kai Eberhardt
Sören Fondermann
Tosca Friedrich
Anke Fröhlich
Julia Gieseler
Malte Harding
Susanne Hensel
Katja Hoffmann
Astrid Hooghoff
Wibke Kähler
Jens Knauf
Tobias Knubel
Ilse Lange
Gesine Meyer
Felix Müller
Sybille Myrau
Heike Roegler
Stefan Rose
Corinna Salinger
Sylvia Schuster
Lydia Struck
Ramin Tschaitschian
Gitte Wehming
Annette Wolf
Ines Zahmel
Eva Zander
Claudia Zorn
Nähere Informationen zu den Veranstaltungen finden Sie unter http://www.rrz.uni-hamburg.de/GENUSSmittelKULTUR/frameven.htm.Wir freuen uns über Ihr Interesse!
| Impressum | Letzte Änderung: 08 Mar 08 webmaster |