Seminarbericht
Erstsemester - erste Schwimmversuche ?
Katrin Dardemann
Endlich hielt ich das Schreiben Händen: »Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu dürfen,daß Sie zum Wintersemester `98/'99 an der Universität Hamburg...«. Doch nach dem erstenFreudentaumel kamen auch erste Zweifel auf. Neben der bekannten Horrorvision vonüberfüllten Hörsälen, Ärger mit der Krankenkasse, Umziehen u.s.w. kamen mir Bedenkenan der Wahl meines Studiengangs. Denn eigentlich wollte ich ja Ethnologie studieren, dochdafür reichte mein Abiturdurchschnitt -jedenfalls in Hamburg- nicht aus. Über dieBerufsberatung kam ich schließlich auf das Fach »Europäische Ethnologie« in Berlinalias »Kulturanthropologie« in Frankfurt alias eben »Volkskunde« in Hamburg.
Ohne im entferntesten zu ahnen, schon auf ein Stückchen Fachgeschichte gestoßen zu sein,habe ich mich gleich bei der ersten Begegnung gewundert, warum man ein- und demselben Fachverschiedene Namen gibt? Denn laut Berufsberatung war es dasselbe Fach. In der Annahmealso, »Europäische Ethnologie« studieren zu können, bewarb ich mich in Hamburg fürdas Fach »Volkskunde«. Nach dem 1. Semester bin ich nun bezüglich der unterschiedlichenBenennungen des Faches an verschiedenen Universitäten etwas klüger. Dahintergekommen,was Volkskunde eigentlich ist, bin ich noch nicht.
Dieses »Nichtwissen, was ich da eigentlich studiere«, schreckte mich im ersten Momentab. Mir fehlte eine klare Umgrenzung des Faches, so wie ich es bis dahin von der Schulegewohnt war. Hinzu kam, daß ich Verwandten und Freunden gar nicht so richtig erklärenkonnte, was ich denn nun studiere. Also warf ich mit Begriffen wie »Kultur«, »Alltag«,»Individuum«, »historisch« um mich, die mir in den ersten Wochen des Semestersbegegneten. Sicherlich kann ich Volkskunde nach diesem Semester nicht definieren, aber ichhabe einen ersten Überblick über das Fach und seinen Inhalt gewonnen. An die Stelleanfänglicher Orientierungslosigkeit ist Neugier getreten. Die Vielfalt der Themen undMöglichkeiten, die mich anfangs verwirrt hat, weckt jetzt vielmehr Interesse.
Dazu beigetragen haben vor allem die Seminare »Weihnachten ein soziales Drama« und »Diestrukturelle Lebensformanalyse«, die sich für mich gut ergänzt haben und mir sehrgeholfen haben, Begriffe wie »Hermeneutik« oder »Positivismus« zu verstehen. Weiterhinwar es sehr hilfreich und anschaulich, volkskundliche Fragestellung und vor allem Methodenanhand eines Thema Weihnachten kennenzulernen.
Schließlich aber zu der Horrorvision der überfüllten Hörsäle, die sichglücklicherweise nicht bestätigt hat. Ich bin absolut kein Vertreter der»Wir-haben-uns-alle-lieb-Philosophie, aber die persönliche, offene und hilfsbereiteAtmosphäre am Institut für Volkskunde hat wirklich geholfen, sich an die Uni zugewöhnen und Lust auf das Volkskunde-Studium zu wecken. Nicht zuletzt hat dazu auch derBesuch der Dänen beigetragen, der Spaß und auch neugierig gemacht hat, die Volkskunde inKopenhagen kennenzulernen.