Mitglieder

Christine Oldörp M.A.


Kontakt

Christine Oldörp
Institut für Populäre Kulturen 
Affolternstrasse 56
CH-8050 Zürich Tel.: 0041-44-634 58 64 email: christine.oldoerp@ipk.uzh.ch


Wissenschaftlicher Lebenslauf

derzeit: Oberassistentin im Institut für Populäre Kulturen, Zürich

2010-2011 Stipendiatin der Isa Lohmann-Siems-Stiftung

2006 - 2009 wissenschaftliche Mitarbeiterin im "Forschungskolleg Kulturwissenschaftliche Technikforschung" unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas Hengartner.

2001 -  2004  wissenschaftliche Hilfskraft im Fachbereich Sprach-, Literatur- und Medienwissenschaft der Universität Hamburg für Prof. Dr. Jochen Rehbein

2000 -  2001  freie Mitarbeit und studentische Hilfskraft im VW-Projekt "Die Sprache der Höflichkeit in der interkulturellen Kommunikation" (SHiK) unter der Leitung von Prof. Dr. Jochen Rehbein


Interessen- und Kompetenzschwerpunkte



Forschungsprojekte

Writing Culture?
Re-Präsentationstechniken im qualitativen Interview
Die Writing Culture-Debatte hat das Augenmerk auf die ethnologische Darstellungsweise des Anderen gelenkt. Diese Darstellung des Anderen wurde im Zuge dessen als interaktional hergestellte, narrativ geprägte und inskribierende Praxis der Repräsentation verstanden. Wobei mithilfe dieser Repräsentationspraxis das Selbst erst als Selbst und der Andere erst als Anderer ? nämlich in einem distanzierenden Akt der Ver-Anderung vom Selbst ? hergestellt wird. Das Augenmerk lag dabei allerdings eher auf der endgültigen Repräsentation des Anderen in schriftlichen Publikationen, denn auf den Repräsentationstechniken im Vollzug des Forschungsprozess selbst, in denen der Medienwechsel vom Mündlichen zum Schriftlichen Schritt für Schritt vollzogen wird. Dies nämlich vom Sprechen in der mündlichen Erhebungssituation, über das Hören der Aufnahme, hin zum Transkribieren und über die Analyse zur Redewiedergabe in der Publikation.
Diese Ver-Schriftlichung des gesprochenen Wortes vollzieht dabei den vielleicht offensichtlichsten Wechsel vom Mündlichen zum Schriftlichen in der Verschriftung, also in der Transkription. Was aber geht alles vom gesprochenen Wort in der Schrift nicht auf? Welche Ver-Anderungsmomente durchläuft das Sprechen von der Erhebung bis zur Publikation?
Mit Foucault kann man die empirische Erforschung des Individuums als eine panoptische Technologie begreifen. Als eine Verflechtung von Wissens- und Machttechniken, die sich als Schriftmacht artikulieren. Mithilfe eines Aufzeichnungsapparates wird dabei das Individuum als beschreib- und analysierbarer Gegenstand in seinen Besonderheiten dokumentiert und ein analytisches Vergleichssystem aufgebaut, das die Messung globaler Phänomene erlaubt.
Unter den Repräsentationstechniken kommt der Tonaufnahmetechnik eine besondere Relevanz zu, weil sie an der Schnittstelle von Mündlichkeit und Schriftlichkeit steht. Welche Umgangsweisen mit der Ver-Tonung, d.h. mit der Verdauerung des gesprochenen Wortes etablieren sich hier? Welche gesprächsbildende Relevanz kommt der Tonaufnahmetechnik zu? Lassen sich hier dem Dispositiv der Verdauerung inhärente Subjektivierungsweisen also Selbstermächtigungsweisen nachweisen?
Im themenzentrierten Interview fungiert darüber hinaus der Leitfaden als eine Schrift-Macht im Hintergrund der Interviews, der über eine Konstanz der Fragen eine Vergleichbarkeit der verschiedenen Interviews sichert und damit auch erst erlaubt, analytische Differenzierungen zwischen den Individuen vorzunehmen, und so Individualisierungen abzuheben. Dem Interview als Gesprächsform unterläge hier in der Fragetechnik eine spezifisch ausgerichtete Wissens- und Machttechnik, auf deren Basis das Selbst erst hervorgerufen wird. D.h. mit Foucault wird nicht von einem prädiskursiven identitären Selbst ausgegangen, sondern davon, dass das Selbst erst durch die Befragungstechnik in seiner Individualität in einer Art Selbstprüfung Gestalt annimmt.
Zunächst wird hier zu fragen sein, inwiefern sich die Fragetechnik auf den Vollzug des Gesprächs auswirkt. Inwiefern stellt das Erhebungsinstrument des Frageleitfadens eine textuelle Wirklichkeit der Verfestigung mündlichen Sprechens her und inwieweit wirkt er im Hintergrund der Interviews auf die Markostruktur des Gespräches im Sinne einer Gesprächsführung ein? Weiter wird zu fragen sein welche Umgangsweisen mit dem ?Zugzwang? zur Antwort, d.h. zur Ver-Antwortung der eigenen Gesprächsbeiträge sich auffinden lassen. Lässt sich bei den Interviewten ein taktisches Manövrieren mit den Fragevorgaben nachweisen im Sinne eigener Verbalisierungsbedürfnisse, oder unterwerfen sie sich dem strategischen Wissens- und Macht-Regime der Fragen?
Das qualitative Interview dient in den Kulturwissenschaften immer auch der Hervorlockung des Selbst. Im Interview zur Sache, also im themenzentrierten Interview geht es immer auch um die Ver-Sprachlichung eigener Erlebnisse und Ansichten. Im Interview zur Person, also im biographisch ausgerichteten Interview stehen Selbstthematisierungen im Vordergrund.
Hier wird zu fragen sein: Hebt sich in dem flüchtigen und veränderlichen Reden von sich selbst ein verfestigtes Reden über sich selbst ab? Welcher Status kommt diesem Reden über sich selbst zu? Handelt es sich bei diesen Re-Präsentationen des Ichs um Ver-Dichtungen des Selbst?


Publikationen

(2009): Verschriftlichen. Von der Ver-Anderung des Sprechens in der Schrift. In: Simon, M.; Hengartner, T.;  Heimerdinger, T. & Lux, A.-C. (Hrsg.): Bilder. Bücher. Bytes. Zur Medialität des Alltags. Münster, S. 408-416.
 (2007): Vom epistemologischen Bruch der Schrift. In: Institut für Volkskunde der Universität Hamburg (Hrsg.). VOKUS (volkskundlich-kulturwissenschaftliche Schriften). Jg. 17. Heft 1. Hamburg, S. 19-60.
(2001): Alltag mit verfließenden Rändern. In: Institut für Volkskunde der Universität Hamburg (Hrsg.). VOKUS (volkskundlich-kulturwissenschaftliche Schriften). Jg. 11. Heft 2. Hamburg, S.74-101.
(2000): Das Recht auf Faulheit. In: Stadelmann, K. & Wolfensberger R.; Museum für Kommunikation (Hrsg.): Wunschwelten. Geschichten und Bilder zu Kommunikation und Technik. Zürich: Chronos, Quelle Nr. 4.
(2000): Die Sprache der Utopier. In: Stadelmann, K. & Wolfensberger R.; Museum für Kommunikation (Hrsg.): Wunschwelten. Geschichten und Bilder zu Kommunikation und Technik. Zürich: Chronos, Quelle Nr. 9.

CO-Autorschaften:
Rehbein, J.; Fienemann, J.; Ohlhus, S. & Oldörp, C. (2001): Nonverbale Kommunikation im Videotranskript. Zu nonverbalen Aspekten höflichen Handelns in interkulturellen Konstellationen und ihrer Darstellung in computergestützten Videotranskriptionen. In: Möhn, D.; Roß, D. & Tjarks-Sobhani, M. (Hrsg.): Mediensprache und Medienlinguistik. Festschrift für Jörg Hennig. Frankfurt a.M. u.a., S. 167-198.


Vorträge

26.9.2007 Verschriftlichen. Von der Ver-Anderung des Sprechens in der Schrift. ?Bilder. Bücher. Bytes. Zur Medialität des Alltags.?  ? 36. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde, Mainz

2.6.2007 ?Läuft das Ding schon?? ? Zur heuristischen Frage nach der gesprächsbildenden ?Kraft? der Tonaufnahmetechnik im qualitativen Interview. ?II. Kongress Kulturwissenschaftliche Technikforschung?, Hamburg



Weitere Aktivitäten


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