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Dr. Andrea Mihm
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Andrea Mihm
Dahlmannstraße 18
D-60385 Frankfurt am Main email: andrea.mihm@web.de
Wissenschaftlicher Lebenslauf
Interessen- und Kompetenzschwerpunkte
Forschungsprojekte
Forschungsvorhaben »Das Babyfon. Eine kulturwissenschaftliche Annäherung an einen familiären Alltagsgegenstand.«
Vergleicht man den heutigen Umgang mit Kindern mit dem vor fünfzig Jahren, so scheint es als gewinne die Überwachung unserer Kleinsten zunehmend an Bedeutung. Noch bevor der Mensch das Licht der Welt erblickt, wird sein Körperzustand mittels diverser Techniken kontrolliert und dokumentiert Ð etwa in Form von Ultraschalluntersuchungen oder der Kardiotokografie (CTG). Nach der Geburt werden im Rahmen von sogenannten »U«-Untersuchungen wesentliche Entwicklungsschritte überprüft und bei Normabweichungen entsprechende Regulierungsmaßnahmen eingeleitet. Aber nicht nur medizinische Überwachungstechniken prägen den Umgang mit Kindern. Vielmehr existiert eine Reihe weiterer Kontrollpraktiken: Handys mit einer Funktion zur Ortung von Kindern finden ebenso Verbreitung wie Kameras in Kinderzimmern und Kitas.Vor nunmehr 25 Jahren wurde zudem ein Gerät erfunden, das heutzutage maßgeblichen Einfluss hat auf familiäre Alltagspraxen: das Babyfon. Nach Meinung vieler Nutzer gehört es längst zur Grundausstattung einer (jeden) Familie mit Kleinkindern. Hersteller sprechen von zirka 40 bis 50 Prozent aller werdenden Eltern, die sich ein Babyfon anschaffen. Berücksichtigt man, dass auch gebrauchte Geräte (wieder) verwendet werden, so hat das Gerät zweifelsohne Eingang in den Familienalltag gefunden.
Beruhend auf dem Prinzip der Funktechnik stellt das Babyfon eine Verbindung zwischen mindestens zwei Akteuren her - in aller Regel zwischen Eltern und Kind. Im Falle, dass das Kind schreit erfolgt eine Übermittlung von der sogenannten Baby-Einheit auf die sogenannte Elterneinheit. Grundlegende Funktionsbedingungen sind demnach die räumliche Trennung zwischen den Akteuren sowie die akustische Lautübertragung auf Basis der Funktechnik. In einer Erklärung der Brockhaus Enzyklopädie 2006 ist ferner vermerkt, dass es sich um ein »telefonähnl. Gerät« handelt, was auch der Name Babyfon nahe legt.
Ziel meiner Arbeit ist es, das Babyfon als ein Phänomen zu begreifen, das aus einem speziellen Familienverständnis heraus resultiert und - ebenso wie die zuvor genannten Techniken - einen besonderen Umgang mit Kindern offen legt. Basierend auf der These vom symbiotischen Zusammenwirken technischer und sozialer Entwicklungen im Familienkontext soll die Bedeutung des Babyfons für seine Nutzer und das familiäre Zusammenleben untersucht, seine Verwendung im Alltag dargestellt werden. Ausgehend vom Artefakt wird hierfür ein explorativer Zugang gewählt. D. h. eine breitangelegte Materialbasis bildet den Ausgangspunkt: das Gerät selbst, seine Verpackungen, Beschreibungen (Werbeprospekte, Bedienungsanleitungen), Testberichte (Stiftung Warentest, Öko-Test) werden als Quellen ebenso herangezogen, wie Aussagen von Herstellern und Nutzern. Durch offene Gespräche, teilnehmende Beobachtungen, themenzentrierte Interviews und die Auswertung von sogenannten Erfahrungsberichten sollen Erlebnisse mit und Meinungen über das Babyfon eingeholt werden.
Schließlich sollen durch die Analyse des technischen Gerätes, seiner Erscheinungsformen und Nutzungszusammenhänge Aufschlüsse gewonnen werden über das Verhältnis von Eltern zu ihren Kindern. Weiterreichende Fragen sollen aufgeworfen werden. Eine enge Verknüpfung von Sachkultur- und Familienforschung bildet somit die Grundlage der Untersuchung.
Publikationen
- Babyphon - Auf einer Wellenlänge mit dem Kind. Marburg 2008: Jonas Verlag.
- Treppen und Leitern - Wege des Aufstiegs und der Hoffnung. In: Treppenzeitung »hinauf, hinab - dasselbe« (= Begleitschrift zum Kunst- und Kulturprojekt »Treppen in Marburg 2003«), hrsg. vom Kulturamt der Stadt Marburg, S. 18.
- Packend ... Eine Kulturgeschichte des Reisekoffers. Marburg 2001.
Vorträge
Weitere Aktivitäten
http://www.kultur.uni-hamburg.de/technikforschung/mitarbeiter/mihm.html