Mitglieder
PD Dr. Hans Joachim Schröder
Kontakt
Hans Joachim Schröder Institut für Volkskunde/Kulturanthropologie
Edmund-Siemers-Allee 1 (West)
D-20146 Hamburg
email: an@hansjschroeder.de
Wissenschaftlicher Lebenslauf
1964 - 1967 Studium der Architektur an der Technischen Hochschule Braunschweig.
1967 - 1976 Studium der Deutschen Literaturgeschichte und Allgemeinen Literaturwissenschaft, Deutschen Philologie und Kunstgeschichte an der Universität Hamburg.
1976 Promotion zum Dr. phil. mit der Dissertation »Apperzeption und Vorurteil. Untersuchungen zur Reflexion Heimito von Doderers«.
1976 - 1977 Untersuchungen zum deutschen Exilroman 1933-1950, in Zusammenarbeit mit Prof. Hans-Albert Walter.
1977 - 1978 Beschäftigung als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Museum für Hamburgische Geschichte, Hamburg.
1978 - 1988 Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsprojekt »Autobiographische Untersuchungen zur Genese der Identität großstädtisch lebender Personen« unter Leitung von Prof. Dr. Albrecht Lehmann, Institut für Volkskunde der Universität Hamburg.
1988 Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsprojekt »Untersuchungen über die Bedeutung von "Flüchtlingserzählungen" in Familien« unter Leitung von Prof. Dr. Albrecht Lehmann, Institut für Volkskunde der Universität Hamburg.
1989 Habilitation im Fachbereich Sprachwissenschaften der Universität Hamburg mit der Studie »Die gestohlenen Jahre. Erzählgeschichten und Geschichtserzählung im Interview: Der Zweite Weltkrieg aus der Sicht ehemaliger Mannschaftssoldaten«.
1992 - 1997 Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsprojekt »Qualitative Interviewbefragungen und "Interviewliteratur" als Spiegel sozialer Entwicklungen in der DDR von den Anfängen bis zur Gegenwart« unter Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Emmerich, Institut für kulturwissenschaftliche Deutschlandstudien an der Universität Bremen.
1999 - 2004 Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Leiter zusammen mit Prof. Dr. Thomas Hengartner im Forschungsprojekt "Kultur, Alltag und Wandel der Technik im Spiegel biographischer Erfahrungen der Gegenwart", Institut für Volkskunde der Universität Hamburg. Danach Mitglied im Forschungskolleg Kulturwissenschaftliche Technikforschung, Institut für Volkskunde der Universität Hamburg; Leitung: Thomas Hengartner.
Interessen- und Kompetenzschwerpunkte
Volkskundlich:
- Kulturwissenschaftliche Technikforschung
- Biographieforschung, Interviewforschung
- Erzählforschung
- Alltagskultur und Alltagsgeschichte
Literaturwissenschaftlich:
- Österreichischer Roman des 20. Jahrhunderts
- Roman- und Dokumentarliteratur zum Zweiten Weltkrieg
- Interviewliteratur zur DDR
Kunstgeschichtlich:
- Fotografie
- Moderne Glasmalerei
Forschungsprojekte
»Technik als biographische Erfahrung«
Im April 1999 wurde am Institut für Volkskunde der Universität Hamburg die Arbeit an einem Forschungsprojekt zum Thema "Kultur, Alltag und Wandel der Technik im Spiegel biographischer Erfahrungen der Gegenwart" aufgenommen; auf eine kurze Formel gebracht, lautet das Thema "Technik als biographische Erfahrung". Von dem Grundgedanken ausgehend, dass die Alltagskultur der Menschen in Industriegesellschaften immer nachhaltiger von technischen Entwicklungen beeinflusst und geprägt ist, wird innerhalb eines repräsentativen Ausschnitts dieser Gesellschaften, dem Dienstleistungssektor im Großstadtumfeld Hamburg, mit Hilfe empirischer Erhebungen untersucht, wie sich das Selbstverständnis von Frauen und Männern unterschiedlicher Altersgruppen im Umgang mit der Technik jeweils geformt und verändert hat. Das lebensgeschichtliche Erzählen in "offenen" Interviews bietet dabei besonders günstige Voraussetzungen, um Einblick in ein breites Spektrum vielfältiger Technikerfahrungen zu gewinnen, sei es im "Nahbereich" des einzelnen, wie er in Erinnerungen an persönliche Technikerlebnisse greifbar wird, sei es im "Fernbereich", wie er sich in Ansichten und Auffassungen etwa zur Kernenergie oder zur Gentechnologie widerspiegelt. Einen besonderen Schwerpunkt, der quasi von selbst, also ohne Zutun der Forscher entstanden ist, bilden in den Interviewerhebungen Erfahrungen zum Umgang mit dem Computer.
Die 94 ausführlichen Interviews, die bis April 2001 erhoben worden sind, werden im Fall des Buchprojekts "Technik als biographische Erfahrung" mit dem Ziel ausgewertet, das reichhaltige, immer wieder auch "für sich selbst" sprechende Interviewmaterial durch Dokumentation und Analyse auf eine möglichst "umfassende" Weise der Forschung zugänglich zu machen. Das bedeutet, dass aus den gewonnenen Texten zur subjektiven Technikerfahrung eine Auswahl getroffen wird, die zum einen in "Längsschnitten" diachronisch am Beispiel von insgesamt acht Einzelbiographien - vier Frauen und vier Männern der Geburtsjahrgänge zwischen 1928 und 1982 - die "Technikdurchsetztheit" ganzer Lebensläufe von der Kindheit bis in die Gegenwart und Zukunft sichtbar macht. Zum anderen (und zugleich) werden in "Querschnitten" quasi synchronisch bestimmte Schwerpunktthemen aus dem Gesamtmaterial der Interviews dokumentiert und analysiert. Konkret sieht das in der Monographie so aus, dass Längs- und Querschnitte in regelmäßigem Wechsel aufeinander folgen. In den Längsschnitten offenbart sich an den "Technikbiographien" einer Buchhändlerin (Jg. 1928), eines Dokumentarfilmers (Jg. 1930), einer Reinmachefrau (Jg. 1939), eines Ingenieurs (Jg. 1955), einer Bankangestellten (Jg. 1959), eines Organisationsprogrammierers (Jg. 1964), einer angehenden Studentin (Jg. 1980) und einem Abiturienten (Jg. 1982) der lebensgeschichtliche Verflechtungszusammenhang, die innere biographische "Schlüssigkeit" spezifischer Technikerfahrungen. In den Querschnitten zu den Themen "Technik als Gewalterfahrung im Zweiten Weltkrieg", "Entwicklungen und Diskrepanzen: 'alte' versus 'neue' Technik", "Lern- und Anwendungssituationen I und II", "Umgang mit Medizintechnik", "Unfälle, Fast-Unfälle", "Reflexionen zur globalen Technikentwicklung" sowie "Subjektive Technik-Definitionen" wird demgegenüber stärker deutlich, welche generationellen, geschlechtstypischen und allgemein kulturspezifischen Gemeinsamkeiten bei unterschiedlichen Interviewpartnern zu beobachten sind. Insgesamt soll die Studie "Technik als biographische Erfahrung" sowohl der interdisziplinären Technikforschung als auch der interdisziplinären Biographieforschung, darüber hinaus der volkskundlichen Erzähl- und Sachkulturforschung neue Einsichten vermitteln.
Publikationen
- Technik als biographische Erfahrung. Ansätze und Methoden eines Forschungsprojektes. In: VOKUS. Volkskundlich-kulturwissenschaftliche Schriften, Jg. 10 (2000), Heft 1, S. 41-77.
- Technikerfahrung im biographischen Erzählen. Projektbericht. In: BIOS. Zeitschrift für Biographieforschung und Oral History, Jg. 13 (2000), Heft 2, S. 262-284.
- »Wohin entwickelt sich die Technik?« Denk- und Gefühls-Bilder im Kontext biographischer Erfahrung. In: VOKUS. Volkskundlich-kulturwisenschaftliche Schriften, Jg. 13 (2003), Heft 1, S. 4-29.
- Technik-Notizen. Autobiographische Einblicke in alltägliche Erfahrungen (1965 - 1999). Köln 2005.
- Technik als Reflexion und Praxis. Zur autobiographischen Erfahrung des Technikdidaktikers Gerhard H. Duismann. In: Meschenmoser, Helmut/Plickat, Dirk (Hg.): Arbeit und Technik verstehen - Zukunft gestalten. Neue Studien zum historisch-genetischen Lernen. Berlin 2005, S. 267-298.
- Technik als biographische Erfahrung 1930-2000. Dokumentation und Analyse lebensgeschichtlicher Interviews (Kulturwissenschaftliche Technikforschung, hg. v. Thomas Hengartner, Bd. 1), Zürich 2007.
Vorträge
- "Biografisches Erzählen vom Umgang mit Technik." Kurzvortrag am 1.12.2007 während des Workshops "Alltagsleben biografisch erfassen. Zur Konzeption lebensgeschichtlich orientierter Forschung", Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., Universität Dresden.
- "Technik und Träume." Vortrag am 26.11.2005 während des Kongresses "Kulturwissenschaftliche Technikforschung", Universität Hamburg.
- "Wohin entwickelt sich die Technik?" Vortrag am 13.5.2003 in der Hamburger Gesellschaft für Volkskunde, Universität Hamburg.
- "Wie Technik Biographien prägt. Interviewzeugnisse und Deutungen." Vortrag am 14.12.2000 im Rahmen der Ringvorlesung "Technik - Kultur - interdisziplinär", Universität Hamburg.
Weitere Aktivitäten
http://www.kultur.uni-hamburg.de/technikforschung/mitarbeiter/hjschroeder.html