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Marion Hamm


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Wissenschaftlicher Lebenslauf

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Interessen- und Kompetenzschwerpunkte

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Forschungsprojekte

ICT-Nutzung in sozialen Bewegungen: Hybride Kommunikationsräume zwischen Internet und öffentlichem Raum

Mit den Protesten gegen die WHO in Seattle im Jahr 1999 erschien eine transnationale Protestbewegung gegen neoliberale Globalisierung auf den Radaren einer globalen Öffentlichkeit. Aufmerksamkeit erregte diese soziale Bewegung nicht nur durch medienwirksame Interventionen und Demonstrationen anlässlich mehrerer Gipfeltreffen, sondern auch durch ihre Nutzung der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT). Erstmals verbanden sich räumlich verstreute und zeitlich synchronisierte Strassenproteste mit regen, elektronisch vermittelten Kommunikationsströmen.

Neu daran ist die Entstehung eines globalen, hybriden Kommunikationsraums, durch den sich Akteure im Umfeld der sozialen Bewegungen gegen neoliberale Globalisierung, der Free Software Bewegung und in einem breiten Spektrum alternativer Medienprojekte neue Sphären der sozialen Teilhabe und der globalen Vernetzung schaffen. Besonders während grosser Mobilisierungen werden hybride Kommunikationsräume sowohl im Internet als auch auf der Strasse als »Geographien des Protests« erfahr- und wahrnehmbar. Politischer Dissens wird zeitlich begrenzt auch ausserhalb des engeren Horizonts von Protestbewegungen als ausgedehnteres kulturellen Zeichen- und Repräsentationssystems sichtbar. Die im Zusammenhang mit ICT konstatierte räumliche und zeitliche Deterritorialisierung geht einher mit einer Reterritorialisierung.

Dieses Phänomen kann als Beitrag zu einer klassischen Gegenöffentlichkeit in Form einer transnationalen Teilöffentlichkeit interpretiert werden. Politikwissenschaftliche Ansätze untersuchen ICT im Hinblick auf das Demokratisierungspotential webbasierter politischer Partizipation. Medien- und Kommunikationswissenschaften setzen an einzelnen Applikationen oder Plattformen an, wobei diese oft mit traditionellen Massenmedien verglichen werden.  Angesichts der Diversität der Akteure kann die Entstehung dieses Kommunikationsraums durch eine Analyse von gemeinsam vertretenen politischen Forderungen nicht hinlänglich erklärt werden. Mit dem nutzerzentrierten Ansatz der kulturwissenschaftlichen Technikforschung soll diese Arbeit ein Modell, das die  »Kultürlichkeit von Technik« in den Blick nimmt, entwickeln.

Mit einem (medien-)ethnographischen Ansatz soll der entstehende bewegungsspezifische Kommunikationsraum als sozial konstruierter untersucht werden.

 Dabei wird gefragt, welche Handlungs- und Redeweisen sowie Deutungsmuster ihn strukturieren und definieren, und inwiefern man sich dabei auf ein System von bestehenden bewegungsspezifisch-(sub)kulturellen Alltagspraxen (De Certeau) bezieht.

Den Kern des Forschungsfeldes bildet der britische Knoten der global vernetzten alternativen Internetplattform indymedia.org, auf der seit 1999 mittels eines »Open Publishing«-System unter Nutzung eines dichten Geflechts von Chatrooms, Mailinglisten, Webseiten, Wikis über politische und soziale Proteste berichtet wird. Damit wurde ein Feld gewählt, von dem aus sich der Umgang mit  ICT in Verbindung mit dem Agieren im physikalischen, städtischen Raum ebenso erschliesst wie die lokalen, regionalen und transnationalen Öffentlichkeiten, die aus der Verknüpfung dieser Praktiken als bewegungsspezifischer Kommunikationsraum entstehen.

Diesem sich stark durch den Umgang mit ICT definierenden Feld soll die europäische Prekarisierungsbewegung gegenübergestellt werden. Auch diese ist transnational vernetzt und von kompetenter Nutzung von ICT gekennzeichnet. Anders als bei Indymedia liegt hier der Kohärenz produzierende Schwerpunkt nicht auf der ICT Nutzung, sondern auf der inhaltlichen Entwicklung eines politischen Prekaritätsbegriffs und dessen Propagierung.

Die Forschung zu sozialen Bewegungen betrachtet neue mediale »Werkzeuge« im Kontext der politischen Gelegenheitsstruktur und des Mobilisierungspotentials. Im Kontext eines breiteren sozialen Wandels im Verlauf ihrer Aneignung ist auch nach Tendenzen zu Persistenz und Rekombination (Schönberger 2005) bestehender Alltags- und Kommunikationspraxen zu fragen. Die handgreifliche Integration »alter« und »neuer« Medien etwa verweist auf eine Affinität der ICT-Nutzung zur "DIY-Culture" (McKay); im Bekenntnis zu Offenheit und Transparenz im Umgang mit ICT verbinden sich Wertvorstellungen der Free Software Bewegung mit Formen des politischen Organisierens.

Ausserdem wird gefragt, welche kulturellen und affektiven Implikationen die Aneignung von ICT selbst hat, welche Rollen ICT im symbolischen Austausch zugewiesen werden (Technikdeterminismus/Technikfeindlichkeit, Gift-Economy, Distinktion) - Kommunikationstechnologien nicht nur als &eaquo;Mittel zum Zweck«, sondern auch als Element bei der Konstitution bewegungsspezifischer kultureller Identitäten.


Publikationen


Vorträge

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Weitere Aktivitäten

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