Mitglieder
Dr. Gerrit Herlyn
Kontakt
Gerrit Herlyn Institut für Volkskunde/Kulturanthropologie
Edmund-Siemers-Allee 1 (West), Raum 203
D-20146 Hamburg Tel.: 42838-6515 email: herlyn@uni-hamburg.de
Wissenschaftlicher Lebenslauf
Interessen- und Kompetenzschwerpunkte
Forschungsprojekte
Spielkulturen. Zur biographischen Bedeutung des Spielens und des Online-Spielens im digitalen Alltag. (Forschungsprojekt mit Helle Meister)
Nähere Informationen unter http://www.kultur.uni-hamburg.de/technikforschung/forschungsprojekte/spielkulturen.html
Forschungsvorhaben »Computer im Alltag - Computer als Alltag.Aneignung, Umgang und Deutung digitaler Techniken« (Dissertation abgeschlossen)
Ziel des Forschungsvorhabens ist die exemplarische Analyse der Veralltäglichung von Technik am Beispiel Computer. Ein geeigneter Zugang für die Alltagskulturwissenschaft Volkskunde gelingt hierbei über individuelle Selbstverortungen in Technisierungsprozessen. Zentrale Quellenbasis bilden qualitative Interviews, die im Rahmen des DFG-Projektes „Kultur, Alltag und Wandel der Technik im Spiegel biographischer Erfahrungen der Gegenwart“ erhoben wurden. Die sich aus der Auswertung der 94 Interviews ergebende Leitfrage ist die nach den rhetorischen Figuren der Technikdeutung. Hierunter lassen sich - kulturell abgesicherte - Deutungsfiguren verstehen. Auf einer individuellen Deutungsebene ermöglichen diese ein Leben mit oder gegen Computer, weiter gefasst handelt es sich um Bilder und Vorstellungen des technischen Wandels, die Spielräume verdeutlichen, die der Computertechnik in alltäglichen Nutzungszusammenhängen zugewiesen werden.Für die Analyse stehen vier Schwerpunkte im Vordergrund:
1) Biographisches Erinnern und technischer Wandel. In der rückblickenden Deutung eigener Technikerfahrungen und in Erinnerungen, in denen die Aneignung von Technik thematisiert wird, werden die notwendigen argumentativen Einpassungen in das jeweilige „Identitätsmanagement“ deutlich. Der Rückblick auf die (Computer-)technischen Innovationen gibt dabei Einblicke in das Erleben und Erfahren technischen Wandels aus der Nutzerperspektive.
2) Erfahrungsfelder. In der konkreten Beschreibung alltäglicher Computernutzungen werden Erfahrungen der Interviewten deutlich, die auf die Veralltäglichungen des Computers verweisen. Die sich herausschälende Soziologik des Technikumgangs zeigt sich exemplarisch etwa darin, wie Hobby und Beruf verschmelzen, wie der Computer in familiäre Zusammenhänge integriert wird, wie der Computer in das Zeitmanagement eingebaut wird oder wie der Umgang mit dem Computer am Arbeitsplatz beschrieben wird.
3) Mensch-Maschine-Interaktionen. Das besondere der Computer-Technik wird in Beschreibungen der Mensch-Maschine-Interaktionen deutlich. Dem gestaltungsoffenen Computer werden im alltäglichen Gebrauch gewissermaßen soziale Rollen zugeschrieben. Diese Einschreibungen, die sich etwa in Anthropomoprhisierungen oder in moralischen (Handlungs-)Anforderungen zeigen, lassen den Computer mit dem französischen Technik-Philosophen Bruno Latour zum „nicht-menschlichen Wesen“ par excellence werden.
4) Deutungen als Orientierungen. Im letzten Abschnitt stehen Computerbilder im Mittelpunkt, mit denen Sinn und Orientierung hergestellt wird. Geschlechterrollen und generationelle Zuschreibungen, aber auch Erzählfiguren wie der „Computerfreak“, die mit ihren entlastenden und bewertenden Funktionen, eigene Handlungen und Einschätzungen legitimieren, sind hierfür Beispiele. Gleichzeitig wird so der Niederschlag deutlich, den mediale Diskurse im alltäglichen Erzählen finden.
Publikationen
- Technik-Utopien als Zeitspiegel. In: VOKUS. Volkskundlich-kulturwissenschaftliche Schriften 9 (1999/2), S. 114-127.
- Beiträge zum Band Wunschwelten: Die Welt vom Schlafzimmer aus, S. 3; Die Sprechmaschine des Dr. Marage, S. 5; Die drahtlose Energieübertragung (zusammen mit Leonie Güldenpfennig), S. 12; Das schwebende Taxi, S. 47; Der neue Zyklop (zusammen mit Daniel de Homont), S. 66; Das Fernsehen aus der Westentasche (zusammen mit Thomas Hengartner), S. 78; Der heisse Draht (zusammen mit Thomas Hengartner), S. 80. In: Museum für Kommunikation (Hg.): Wunschwelten. Geschichten und Bilder zu Kommunikation und Technik. Zürich 2000.
- »Forest an Sternenstaub...«. Partnerfindung diesseits und jenseits virtueller Welten. In: Kuckuck. Notizen zur Alltagskultur 15 (2000/2), S. 16-21.
- Partnersuche im Internet. Mediale Mythenbildung und Aneignungserfahrungen einer alltäglichen Kommunikationstechnik. In: Kommunikation@Gesellschaft 2 (2001). URL: http://www.kommunikation-gesellschaft.de
- Stabilisierende und destabilisierende Wirkungen alltäglicher Technikerfahrungen im Spiegel biographischer Selbstdeutungen. In: Institut für Wissenschafts- und Technikforschung (Hrsg.), Universität Bielefeld, 2002, S. 52-66.
- Computeraneignungen. Technischer Wandel als alltägliche Erfahrung.In: Christopher Österreich/ Vera Losse (Hrsg.): Immer wieder Neues. Wie verändern Erfindungen die Kommunikation. Heidelberg 2002, S. 115-124.
- Die erreichbaren Abwesenden. Mobile Telefonie in der Schweiz. In: Museum für Kommunikation (Hrsg.): Telemagie. 150 Jahre Telekommunikation in der Schweiz. Zürich 2002. S. 170-198.
- C 90 - Vom Umgang mit einem technischen Speichermedium. Seminarbericht. In: Vokus. Volkskundlich-kulturwissenschaftliche Schriften 12 (2/2002), S.84-93. (zusammen mit Thomas Overdick).
- Kassettengeschichten. Von Menschen und ihren Mixtapes. In: Das Archiv. Zeitschrift für Post- und Telekommunikationsgeschichte 1/2003, S. 32-36 (zusammen mit Thomas Overdick).
- Der Computer, das nicht-menschliche Wesen? Zur Veralltäglichung einer komplexen Technik, In: Göttsch, Silke / Köhle-Hezinger, Christine (Hrsg.): Komplexe Welt - Kulturelle Ordnungssysteme als Orientierung. Münster/New York 2003
- Die andere Seite der Informationsgesellschaft. Zur privaten Nutzung des Internet am Arbeitsplatz. In: Gunther Hirschfelder / Birgit Huber (Hrsg.): Neue Medien und Arbeitswelt. Translokale Arbeits- und Organisationsformen als Herausforderung für die ethnographische Praxis. Frankfurt a. M., 2003
- Mobil Telefonieren, &taquo;Input« Nr. 3/2005, (Aktuelles aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft für Sch¨lerinnen und Schüler) von »Jugend und Wirtschaft«. Bern 2005. (zusammen mit Thomas Hengartner).
- »Verführer« - »Zeitverschlinger« - »Gegenspieler« Rhetorische Figuren der (Computer-) Technikdeutung. In: Thomas Hengartner / Brigitta Schmidt-Lauber (Hg.): Leben - Erzählen. Beiträge zur Erzähl- und Biographieforschung. Festschrift für Albrecht Lehmann. Berlin 2005. S. 409-427.
Vorträge
Weitere Aktivitäten
http://www.kultur.uni-hamburg.de/technikforschung/mitarbeiter/gherlyn.html