Mitglieder

Dipl. Ing. Ulrich Dienhart


Kontakt

Ulrich Dienhart
Institut für Volkskunde/Kulturanthropologie
Edmund-Siemers-Allee 1 (West)
D-20146 Hamburg Tel.: 02302 / 73140 email: u.dienhart@citykom.net


Wissenschaftlicher Lebenslauf

keine Angabe


Interessen- und Kompetenzschwerpunkte

keine Angabe


Forschungsprojekte

Lebensreise (mit) der Kutsche - Zur kulturellen Dynamik der Beziehungen von technikinduzierter Lebensgestaltung und lebenspraktischer Technikgestaltung

Es gab und gibt viele Ideen und Anstöße, mit Hilfe von Technik mobil sein zu können, die Welt zu er-fahren. Kutschen bilden insofern eine interessante Gruppe von Realisationen solcher Ideen, als zwischen dem Auftreten eines im Alltag wahrnehmbaren Verkehrsmittels bis zu ihrem Verschwinden aus dem Alltagsbild ein Zeitraum von gut 300 Jahren liegt. In dieser Lebenszeit hat sich eine große Vielfalt von Ausprägungen des Artefakts »:Kutsche«, des Umgangs mit ihr sowie ihrer lebens- und kulturgeschichtlichen Bedeutungen entfaltet. Dies ist die historische Perspektive auf das Gewordene. Aus heutiger Perspektive auf die 300jährige Geschichte eines Verkehrsmittels geblickt stellt sich vor allem die Frage nach dem Werden, nach dem Wesen des Neuen, das Altes ablöst. Dann steht das Gewordene nicht mehr im Mittelpunkt einer Kulturanalyse, sondern es wird zur Quelle, zur Spur seines Werdens. Nicht das Neue selbst, sondern dessen Werden ist das Thema, nicht was geworden ist, auch nicht wozu, sondern wie es initiiert wurde und wie es sich entfalten konnte - und wieder verschwand.

Dazu ist »die Kutsche« - eigentlich ein hybrides Ensemble aus Technik, Tier, Mensch, Fahrsystemen und Fahrwegen, Politik, Reisekultur, Organisation, Ideen... - ein geeignetes Studien"objekt", eingebunden in ein Netz von kulturbedingenden wie auch kulturbedingten Prozessen der Ablösung etablierter Praktiken (Reisen zu Fuß oder zu Pferd), der technisch-organisatorischen Innovationen, der Verbreitung und Demokratisierung (Fahrpost), der Konkurrenz (Eisenbahn, Dampfschiffe) sowie des Verdrängtwerdens (Automobil, Fahrrad, Motorrad). Interessant ist der Blick auf diese Praktiken unter den Aspekten Stabilität und Sensibilität des Etablierten gegenüber Ereignissen, Veränderungen, »Neuerungen« von innen und/oder von außen. Wie kommt es, dass sich auf einmal einzelne Impulse, bestimmte Umgangsformen, Wagenmoden, Fahrweisen, Reisepraxen oder etwa ganz neue Verkehrssysteme durchsetzten - oder eben auch scheitern? Was stiftet gemeinsamen Sinn im Umgang mit Technik in spontaner oder »verordneter« Form? Eine solche Perspektive beinhaltet ebenso den Blick auf Kommunikation, Medien, Verordnungen und Gesetzgebung.

Dabei geht es um die Ordnung der Prozesse des Werdens selbst: In der Technikforschung dominieren bis heute zwei Sichtweisen: Die eine betont das Deterministische, d.h. sie sucht nach den »Gesetzmäßigkeiten«, nach den Mechanismen, die die Verläufe des Werdens bestimmen. Die andere hingegen hebt vor allem auf den Umgang, den individuellen Kontext und auf Kontingenzen ab. Demgegenüber soll nun in einer speziell kulturwissenschaftlichen Auseinandersetzung eine intermediäre Perspektive entwickelt werden, die es ermöglicht, typische Verläufe von Neuerungen in den exemplarischen Ensembles zu verstehen, ohne jedoch die Autonomie und Kreativität des Unvorhersehbaren, des Andersartigen, des Eigensinnigen, des Spielerischen zu vernachlässigen.

In einer solchen Perspektive lässt sich am Beispiel »der Kutsche« aus einem breiten Spektrum historischer Quellen eine Konzeption zur Analyse der Dynamik des Werdens entfalten. Dieses ermöglicht auch, über bestehende Deutungshorizonte hinauszugehen. So muss z.B. die Interpretation von Mobilität nicht bei einem Verständnis als Prozess der Verflüssigung mit einhergehender Individualisierung der Gesellschaft stehen bleiben. Mobilität kann vielmehr geradezu als Bedingung bzw. Mittel für neue Ordnungen gesehen werden.


Publikationen

keine Angabe


Vorträge

keine Angabe


Weitere Aktivitäten

keine Angabe

Nach oben


http://www.kultur.uni-hamburg.de/technikforschung/mitarbeiter/dienhardt.html